Natur
Kein Wasser im Forggensee: Experten befürchten großen Schaden für die Ökologie

Noch immer (fast) ohne Wasser: Der Forggensee bei Füssen.
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Der Forggensee gibt im Sommer eigentlich ein idyllisches Bild ab: Tiefblau liegt er eingebettet in der Landschaft des Königswinkels, dahinter die Königsschlösser und die Gipfel der Ammergauer, Lechtaler und Tannheimer Alpen. Einer der Hauptgründe, warum jedes Jahr so viele Touristen ihren Urlaub im südlichen Ostallgäu verbringen.

Momentan aber prägt ein anderes Bild die Landschaft. Der See liegt trocken, gleicht eher eine Steinwüste. Karg, abweisend und wenig idyllisch – dabei sollte er eigentlich seit Anfang Juni wieder komplett aufgestaut sein.

Der Grund, warum das heuer nicht der Fall ist, sind Arbeiten am Forggenseestaudamm. Der war nach über 60 Jahren dringend sanierungsbedürftig. Weil die rechte Seite des Damms deutlich instabiler ist als eigentlich vermutet, dauern die Arbeiten jetzt länger als geplant. Die Folge: Der Forggensee ist noch immer komplett abgelassen und könnte es noch einige Zeit bleiben.

Die Auswirkungen dieser Verzögerung spürt die ganze Region, besonders der Tourismus. Urlauber, die ihre Buchungen stornieren oder gleich gar nicht erst buchen, fast leere Restaurants und eine Forggensee-Schifffahrt, die heuer noch keinen einzigen Fahrgast über den See schippern konnte - all das kostet die Region viel Geld.

Die Einbußen im Tourismus sind aber nur ein Teil der Probleme die der trockenliegende See verursacht. Weniger im Fokus der Öffentlichkeit, aber mindestens ebenso gravierend, sind die ökologischen Folgen für den See. Für den Fischereiberater des Regierungsbezirks Schwaben Dr. Oliver Born ist klar: „Der komplett abgelassene See und die lange Zeit, die das Gewässer jetzt schon trocken liegt, all das ist ein ziemliches Problem.“

Erhebliche Schäden an der Fischpopulation

Laut Born konnten die meisten Fische im See heuer nicht ablaichen, gleichzeitig sind viele ausgewachsene Fische abgewandert oder weggespült worden. „Der Fischbestand im Forggensee wird Jahre brauchen, um sich wieder zu normalisieren“, befürchtet Born. Gleichzeitig zu diesem Problem nehmen auch viele Wasserpflanzen, wie z.B. Schilf, Schaden. All das hat einen massiven Einfluss auf den Lebensraum Forggensee. Wie groß das Problem tatsächlich ist (bzw. sein wird), lässt sich aktuell aber noch nicht sicher abschätzen. Klar ist nur: Eine „Kleinigkeit“ ist das nicht.

Ebenso dramatisch sieht auch Matthias Heinz, der Vorsitzende des Kreisfischereivereins Füssen, die Situation. „Wir wissen noch nicht, wie groß der ökologische Schaden tatsächlich sein wird, aber wenn das jemand bezahlen müsste, dann geht das in die Millionen“, sagt Heinz. Ein Fischbesatz, um die Schäden im See wieder auszugleichen, sei laut Heinz aber praktisch gar nicht möglich.

Wirtschaftlicher Schaden auch für die Fischer am See

Nicht nur die Tourismusbetriebe rund um den Forggensee haben mit wirtschaftlichen Einbußen zu kämpfen, auch den Kreisfischereiverein Füssen bringt der noch immer abgelassene See in finanzielle Bedrängnis. „Wir rechnen mit einem finanziellen Schaden in sechsstelliger Höhe. Wir kämpfen ums Überleben“, sagt Matthias Heinz besorgt. Die Gründe: Der vereinseigenen Gastronomie fehlen die Einnahmen, gleichzeitig müssen Angestellte bezahlt werden, das Sommerfest als Einnahmequelle für den Verein findet ebenfalls nicht statt und auch beim Verkauf von Angelberechtigungsscheinen am Forggensee gibt es nahezu einen Komplettausfall. Einzige finanzielle Hilfe, die der Verein momentan erhält: "Der Eigentümer des Forggensees, die Bayerische Seen- und Schlösserverwaltung, verzichtet auf die Pacht für das Gewässer - vorerst", so der Vorsitzende weiter.

Auswirkungen auch im Lech zu spüren

Die Folgen der jetzigen Situation begrenzen sich nicht nur auf den See, auch im Lech sind die Auswirkungen zu spüren. Einerseits ist der See ein wichtiges Laich- und Rückzugsgebiet für viele im Fluss lebende Fische, andererseits werden aktuell viel mehr Schwebstoffe den Lech hinabgetragen als üblich. „Der Fluss gräbt sich im Bereich des Sees immer tiefer in sein Mutterbett“, sagt der Fischereiberater Dr. Oliver Born. „Das hat zur Folge, dass der Lech hier sehr viel Sediment freispült.“ Bis Lechbruck und weiter sei das Wasser deutlich trüber als sonst, stellt der Fischexperte Born fest. Auch das habe natürlich Auswirkungen auf die dortige Ökologie.

Abwarten ist angesagt

Sowohl Born als auch der Vorsitzende des Kreisfischereivereins Füssen, Matthias Heinz, sind im Augenblick machtlos. „Wir können gerade gar nichts machen. Wichtig ist nur, dass die da am Staudamm bald fertig werden. Dann müssen wir in den nächsten Jahren Schritt für Schritt sehen, wie es weitergeht“, sagt Heinz. Nach purem Optimismus klingt das nicht. Die Befürchtung des Vorsitzenden des Kreisfischereivereins: Auch wenn der See spätestens im kommenden Jahr wieder komplett aufgestaut sein wird, von der eigentlichen Idylle wird man in den nächsten Jahren nicht viel zu sehen bekommen - zumindest nicht unter Wasser.

Autor:

David Yeow aus Kempten

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