Krebstherapie
Kein Onkologe für Füssen in Sicht

Einen eigenen Onkologen sollte das Füssener Krankenhaus bis Oktober 2010 bekommen. Das hatte die inzwischen geschasste Vorstandsvorsitzende der Kliniken Kaufbeuren-Ostallgäu, Dr. Susanne Schlichtner, im Juli versprochen (wir berichteten). Doch daraus wird vorerst nichts, so Roswitha Martin-Wiedemann, Pressesprecherin der Kliniken, auf Nachfrage unserer Zeitung. Der Grund: «Die Zahl der Krebspatienten im südlichen Ostallgäu ist zu niedrig. Ein Onkologe rentiert sich nicht.» Die Betroffenen sind enttäuscht: «Wir Patienten sind die Gelackmeierten», sagt Norbert Wienesen aus Pfronten.

Wienesen gehört zu denjenigen, die einen Onkologen in Füssen fordern. Der 63-jährige Darmkrebspatient muss jede Woche zur Chemotherapie nach Kaufbeuren fahren. Dass sich daran so schnell nichts ändern wird, enttäuscht ihn. Zwar erstatten die Krankenkassen die Fahrtkosten. Trotzdem: «Gerade bei der Kälte schlaucht einen die Reise enorm.»

Doch es gibt einen Hoffnungsschimmer: Laut Dr. Martin Hinterseer, Chefarzt für Innere Medizin in Füssen, sucht das Krankenhaus derzeit einen Gynäkologen. «Wir rechnen nach unseren Erfahrungen damit, dass wir die Stelle in vier bis fünf Monaten besetzen können», sagt Hinterseer: «Finden wir einen Gynäkologen und steigt dadurch die Patientenzahl, dann würde sich ein Onkologe rentieren.»

Patienten, die gesetzlich versichert sind und eine ambulante Chemotherapie brauchen, müssen aber vorerst weiter zu Dr. Michael Kühl ins Kaufbeurer Krankenhaus fahren. Er ist momentan der einzige Onkologe im Ostallgäu. Hinterseer behandelt zwar als Herzspezialist (Kardiologe) ebenfalls Krebspatienten - bei ambulanten Chemotherapien für Kassenversicherte gibt es jedoch Probleme mit der Abrechnung (wir berichteten). «Die Krankenkassen bezahlen die Therapie nur, wenn sie ein ausgewiesener Onkologe anwendet», so Hinterseer.

Ausgeschlossen sei es aber nicht, dass Füssen im Lauf des Jahres doch noch einen Facharzt für Krebserkrankungen erhält - vorausgesetzt, es findet sich ein Frauenarzt. Mit ihm hätte Füssen einen weiteren Facharzt, der Tumore operativ entfernt. Derzeit machen das laut Hinterseer Dr. Thomas Koeth, leitender Arzt für Bauchchirurgie, und Dr. Wiebke von der Emde bei Magen- und Darmtumoren.

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