Stadtmauer-Serie (9)
Immer wieder belagerten große Heere Füssen

Belagert, gestürmt, geplündert – zig mal erlitt Füssen zwischen 1525 und 1800 dieses Schicksal. Denn die Grenzstadt hatte als Tor zu Tirol für Herrscher und Feldherrn große strategische Bedeutung. Hinzu kam, dass die Stadtbefestigung einem gut ausgerüsteten Heer nicht viel entgegenzusetzen hatte. 'Füssen besaß kaum Feuerwaffen und war bei der Verteidigung oft auf sich gestellt', erläutert Ruth Michelbach vom Stadtarchiv.

Die Stadtmauer war dem ab 1500 massiv zunehmenden Artilleriebeschuss nicht annähernd gewachsen – daran vermochten auch die zusätzlichen Gräben und Schanzgitter nichts zu ändern, die man im Dreißigjährigen Krieg hastig anlegte.

So beschreibt Färbermeister Hans Faigele, wie im Juni 1632 die anrückenden Schweden binnen einer Stunde eine Bresche in die Mauer neben dem Augsburger Tor schossen. Die zur Verstärkung herangezogenen österreichischen Soldaten erkannten die aussichtslose Lage und flohen. Füssen ergab sich, die Schweden zogen in die Stadt ein und plünderten.

Drei Wochen in der Hand der Schweden, drei Wochen später von 12 000 Österreichern (Kaiserliche) zurück erobert, dann wieder von den Schweden eingenommen: Die Stadt war im Sommer 1632 zum Spielball der Kriegsmächte geworden. 'Das war von allen Kriegszeiten die schlimmste für Füssen', so Michelbach. Denn zusätzlich zur Einquartierung und Verpflegung tausender Soldaten mussten Stadt und Kloster etliche Plünderungen überstehen.

'Und die waren grausam. Wer sich widersetzte, wurde umgebracht, es wurde gebrandschatzt, gefoltert und vergewaltigt.' Hinzu kamen Pest und Hungersnöte. Am Ende des Dreißigjährigen Krieges (1648) hatte Füssen mehr als die Hälfte seiner knapp 2000 Bürger verloren. 'Davon hat sich die Stadt erst 200 Jahre später erholt', betont Michelbach.

Zumal immer neue Drangsale folgten: Mal besetzten Franzosen, mal bayerische Soldaten die Stadt. In napoleonischer Zeit musste Füssen in einem Jahr 20 000 Soldaten einquartieren, 1805 gar 30 000. 'Und jedes Mal wurde das Letzte aus den Bürgern herausgepresst.'

Zwei Tage lang vermochten die schwedischen Besatzer im Juli 1632 dem Beschuss durch österreichische Truppen zu widerstehen. Dann wurde Füssen eingenommen. Die Federzeichnung von Christoph und Elias Gumpp zeigt die Belagerung.

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