Flüchtlinge
Immer mehr illegale Einreisen über die A7 nach Deutschland

  • Foto: Bundespolizeiinspektion Rosenheim
  • hochgeladen von Johann Stoll

Immer mehr Menschen reisen über die A 7 illegal nach Deutschland. Meist landen sie in einer Asylaufnahmestelle. Die Schleuser kassieren eine Menge Geld. Und die Polizei tut sich schwer.

Sie kommen aus Somalia und Syrien, Afghanistan und Eritrea, Nigeria und dem Kosovo. Kinder, Greise, ganze Großfamilien - eingepfercht in Lieferwagen, Sattelschleppern und dem Gepäckraum von Mietwagen. Ihr Ziel: Ein neues Leben ohne Krieg und Armut. In Deutschland, in Frankreich oder Nordeuropa.

Doch dieser Traum platzt für viele Flüchtlinge auf dem Standstreifen der A 7. Denn wenige Meter hinter dem Füssener Grenztunnel beenden immer öfter Schleierfahnder des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West die Weiterfahrt. Aktuelles Beispiel: Erst vor wenigen Tagen zogen die Beamten einen rumänischen Schleuser mit zehn syrischen Passagieren aus dem Verkehr.

Er war von Italien, das seit langem als Schleuser-Drehscheibe Europas gilt, gestartet. Insgesamt 104 Flüchtlinge wurden seit Jahresbeginn allein am A 7-Grenztunnel ertappt - fast 20 Mal so viele wie im selben Zeitraum 2013. Auch die Bundespolizeiinspektion in Rosenheim, die den südbayerischen Grenzbereich abdeckt, vermeldet deutlich mehr illegale Einreisen.

Polizei und Staatsanwaltschaft in Kempten sprechen angesichts dieser Zahlen von einer alarmierenden Entwicklung. "Die Route von Italien über den Fernpass zur A 7 gehört seit 2013 zu den Brennpunkten in Bayern", erläutert Alexander Pfaff, oberster Schleierfahnder des Polizeipräsidiums in Kempten. Denn die Strecke liege verkehrstechnisch günstig und sei frei von Grenzkontrollen.

Generell setzen die Schleuser laut Pfaff seit längerem auf die großen Verkehrsadern, darunter die A 8 oder das Straßennetz am Bodensee. "Kaum ein Flüchtling kommt heute noch zu Fuß über die grüne Grenze", ergänzt Kollege Bernd Stapfner. Dass die A7 bei illegalen Einreisen seit 2013 hoch im Kurs steht, ist laut dem Kemptener Oberstaatsanwalt Gunther Schatz durchaus zu erklären: "Zuvor liefen die Schleusungen vor allem über den Raum Traunstein. Seit dort die Kontrollen verstärkt wurden, hat sich alles verlagert."

Derselbe Effekt werde in absehbarer Zeit auch amGrenztunnel eintreten, ist er überzeugt - schließlich zeigen die Schleierfahnder dort mit Hilfe weiterer Dienststellen seit Monaten intensiv Präsenz. "Da wird sehr gute Arbeit gemacht", lobt Schatz. Leider sei die Dunkelziffer dennoch sehr hoch. Die meisten Schleuser stammen laut den Ermittlern vom Balkan, aus Syrien oder dem Irak, leben aber in der Regel in Italien.

Benutzt würden bevorzugt unauffällige Pkw und Kombis verschiedener Nationalität. Entsprechend gut müsse der Riecher der Fahnder sein. "Wir hatten aber auch schon einen Reisebus mit 50 Afrikanern. Der fällt natürlich sofort auf", berichtet Siegmund Gast, Leiter des zweiten Schleierfahndungs-Trupps des Präsidiums in Pfronten. Rund 400 bis 500 Euro verdienen die Chauffeure pro Fahrt.

Das große Geld jedoch kassieren die Hintermänner im Ausland. "Das ist ein internationales Geflecht. Hier geht es um organisierte Kriminalität, die aufgrund der weiten Verzweigungen nur schwer aufzuklären ist", unterstreicht Pfaff. Rund 3500 Euro müsse etwa ein syrischer Flüchtling für die Reise nach Deutschland aufbringen. "Bei weiteren Strecken sind aber auch fünfstellige Beträge üblich", so Pfaff.

Meist würden die Geschleusten mit Lebensmitteln versorgt, manchmal sei der tagelange Transport aber auch lebensgefährlich. Selbst ein Kind, das während der Reise zur Welt kam, findet sich in den Akten der Ermittler. Auf die - meist mittellosen - Flüchtlinge wartet nach der erkennungsdienstlichen Behandlung bei der Kriminalpolizei Kempten oder Memmingen eine Anzeige wegen unerlaubter Einreise.

Nächste Station ist in der Regel die Asylaufnahmestelle in München. Die Schleuser kommen laut Oberstaatsanwalt Schatz regelmäßig in Untersuchungshaft. "Derzeit haben wir 13 von ihnen inhaftiert." Die Verfahren seien in der Regel innerhalb weniger Monate abgeschlossen.

Das Strafmaß reicht in einfacheren Fällen von der Geldstrafe bis zu fünf Jahren Haft. Ist der Schleuser ein Wiederholungstäter, lassen sich organisierte Strukturen nachweisen oder hat für die Flüchtlinge eine lebensbedrohliche Situation bestanden, so drohe dem Täter jedoch eine Haftstrafe bis zu zehn Jahren.

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