Rückblick
Hermann Leser: Ein Kämpfer, der am Ende etwas zermürbt ist

Nein, deprimiert trete er keineswegs ab. «Mein Fazit fällt überwiegend positiv aus. Sonst hätte ich die Arbeit nicht so lange gemacht», sagt Hermann Leser. Nach fast genau 19 Jahren als Leiter der Volkshochschule (VHS) Füssen will Leser im Frühjahr 2012 seine Tätigkeit beenden.

2009 gab er nach 17 Jahren bereits den Vorsitz an Bürgermeister Paul Iacob ab. Nach derzeitigem Stand soll sein Nachfolger am 1. Februar antreten. Einen << heißen Kandidaten >> gebe es noch nicht: << Aus über 20 Bewerbungen haben wir etwa sieben in die engere Auswahl genommen. >> Auch wenn der 62-Jährige seine Arbeit mit überwiegend positiven Gefühlen abschließen wird: An seine Amtszeit behält er nicht nur gute Erinnerungen. Zwar beschreibt er sich selbst als Kämpfer, doch eine Erkenntnis habe ihn zermürbt: << Die Wertschätzung der VHS Füssen bei Stadt und Landkreis ist geringer als in den Sonntagsreden der Politiker. >>

Ein Büro ist nötig

Die Situation habe sich zwar gebessert, seitdem Iacob Vorsitzender ist: << Davor kam nicht einer der drei Bürgermeister zu einer Jahresversammlung. >> Doch auch vom jetzigen Rathaus-Chef erwartet Leser noch viel Einsatz: << Ich habe ihm oft gesagt, dass mein Nachfolger ein eigenes Büro mit Schreibtisch braucht. >> Er selbst habe großteils von zu Hause aus gearbeitet. Bis heute muss sich der VHS-Leiter einen Arbeitsplatz mit seiner Sekretärin teilen. Überhaupt leide die VHS stark an Platzproblemen: Im Gebäude am Kaiser-Maximilian-Platz fehle zum Beispiel eine Umkleidekabine.

Nicht mehr ehrenamtlich

Zudem, so der pensionierte Gymnasiallehrer, sei es höchste Zeit, die ehrenamtliche Stelle in eine hauptamtliche umzuwandeln: << Ich kenne keine vergleichbare VHS dieser Größe in Schwaben, in der das noch nicht passiert ist. >> Zwar wird Lesers Nachfolger nicht mehr ehrenamtlich arbeiten. In Marktoberdorf oder Kaufbeuren sei man aber schon längst weiter. In Biessenhofen, das deutlich kleiner ist als Füssen, sei die VHS sogar in einem eigenen Gebäude untergebracht.

Besonders verärgert denkt Leser zurück an den Streit mit Wolfgang Fischer, Schulleiter des Füssener Gymnasiums. Seit der Auseinandersetzung darf die VHS in dem Schulgebäude an einem Abend keine Kurse mehr abhalten. Fischer hatte laut Leser beklagt, dass VHS-Kurse Elternabende oder andere Veranstaltungen behindern würden. Die Zahl der Räume (acht bis neun), die der VHS zur Verfügung stehen, ist zwar gleich geblieben.

Doch Leser versteht die Argumentation bis heute nicht: << 50 Jahre hat es funktioniert - und dann das. >> Beim Kreiskämmerer habe er damals um Unterstützung gebeten - ohne Erfolg.

Englisch für Vermieter

Trotz dieser deprimierenden Momente: Die Arbeit als VHS-Leiter hat für den 62-Jährigen bis heute ihren Reiz. << Ich konnte immer sehr selbstständig arbeiten und mit den beschränkten Ressourcen eine gute Erwachsenenbildung im Füssener Raum ermöglichen. >> Weil er mit dem vorhandenen Geld ausgekommen sei, habe der Verein ihn in Ruhe arbeiten lassen. Er ergänzt: << Wir sind immer gut über die Runden gekommen.

>> Über das Kursangebot in seiner Amtszeit sagt er: << Ich hätte gerne Fortbildungen im Tourismusbereich angeboten. >> Zum Beispiel Privatvermietern das Englischsprechen am Telefon beibringen. Aber: << Das ist an fehlenden Räumlichkeiten gescheitert. >> Auch bei handwerklichen Kursen sieht Leser Nachholbedarf. Nun will er aber erst einmal den Weg frei machen für einen Jüngeren, der << frischen Wind hineinbringen >> soll. Obwohl ihm die VHS << abgehen werde >>, freut er sich auf mehr private Freiräume: << Die Zeit, die ich einbringen müsste, will ich nicht mehr opfern. >>

Höherer Kontostand

Auch wenn er nicht nur mit positiven Erinnerungen abtritt - eine Tatsache trägt auf jeden Fall zu einem glücklichen Ende bei: << Ich übergebe die VHS mit einem höheren Kontostand, als ich sie übernommen habe. >>

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