Karwoche
Handarbeit beim Glockenläuten in Pfrontener Kapellen

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Rosa Zweng und August Keller haben eine Aufgabe, die absolute Zuverlässigkeit erfordert. Denn wenn sie schludern, verstummen in den Pfrontener Ortsteilen Meilingen und Kreuzegg die Glocken der Kapellen. Von heute bis zur Osternacht werden diese schweigen und die beiden haben frei.

Seit 18 Jahren ist die Mittagszeit im Tagesablauf von August Keller aus Kreuzegg etwas Besonderes: Wenn andernorts zum Essen gerufen wird, steht der 66-Jährige in der Heilig-Kreuz-Kapelle und lässt die Glocke erklingen. 'Aber nur die Große', sagt er.

Denn gemeinsam mit der Kleinen wird nur zu besonderen Anlässen geläutet. Beispielsweise bei den Gottesdiensten, die im Sommer drei Mal in der Woche in der kleinen Kapelle gefeiert werden, oder bei Rosenkränzen. Aber auch bei Mai- und Fastenandachten steht er bei den Hanfseilen und wartet auf den richtigen Augenblick.

Einfach ist das Läuten nicht: Je nach Anlass müssen die Glocken in verschiedenen Reihenfolgen unterschiedlich lange erklingen. 'Da gibt es zum Beispiel den englischen Gruß bei Rosenkränzen sowie Mai- und Fastenandachten', erklärt Keller.

Insgesamt drei Minuten lang werde erst die Große und dann die Kleine geläutet – aber abgestimmt auf die Gebetsreihenfolge im Inneren der Kapelle: Drei 'Gegrüßet seist du Maria', ein 'Vaterunser' und wieder ein 'Gegrüßet seist du Maria' sind die Orientierung für Keller.

Nun hat der Glöckner die einzigen beiden Tage im Jahr vor sich, in denen er sich nicht um das Geläut kümmern muss. Was er da tut? Er ist in Sachen Kirche unterwegs. 'Am Freitag bin ich in der Andacht in der Pfarrkirche und am Samstag kümmere ich mich um den Blumenschmuck für Ostersonntag.

Da muss ja alles wieder fertig sein', erklärt der Mesner. Trotz all seiner Verpflichtungen bereut er es nicht, die Aufgabe übernommen zu haben: 'Zuviel wird es mir nie, ich mache es sehr gerne', sagt er lächelnd.

Auch Rosa Zweng denkt nicht daran, ihre Position aufzugeben. Seit 46 Jahren ist sie für die Kapelle Maria Heimsuchung im Meilingen zuständig: Jeden Morgen sperrt sie die Türen der Kapellen auf und läutet zur Mittagszeit die Glocken. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit erklingen die Glocken erneut, danach schließt sie wieder ab.

Genauso wie Keller ist auch die 83-Jährige an ihren freien Tagen in der Kirche und besucht die Andacht in Sankt Nikolaus. 'Ich bin stark mit der Kapelle verwurzelt – da hole ich mir meine Kraft und Hilfe', sagt die Meilingerin. Wenn es glatt und eisig ist, dann helfe ihr ihre Tochter, so Zweng.

'Dann möchte meine Familie nicht, dass ich alleine in die Kapelle gehe.' Aber ans Aufhören denkt sie nicht. So lange sie kann, will sie ihrer Aufgabe nachgehen, macht sie klar. Früher hat sie zusätzlich in der Früh um sechs und um elf Uhr geläutet, 'doch in der heutigen Zeit sind die Leute da nicht begeistert', weiß sie.

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