Brandschutz
Halbe Million für sichere Schulen

«Die Verwaltung muss doch seit Jahren Bescheid gewusst haben. Doch da übernimmt keiner die Verantwortung.» Kommentare wie diesen hörte man von Besuchern nach der Sitzung des Stadtrates, bei der es um die eklatanten Brandschutz-Mängel in der Grund- und der Mittelschule ging. Die Mängel werden behoben, das Kommunalparlament bewilligte dafür Ausgaben in Höhe von einer halben Million Euro. Warum sie aber nicht früher entdeckt und beseitigt wurden, blieb mehr oder minder im Dunkeln.

In kurzer Zeit voller Rauch

Und um die stünde es bei einem Brand nicht gut, führte der von der Stadt eingeschaltete Sachverständige Reiner Krebs aus: Würde im Untergeschoss der Grundschule in einem Raum, der als Papierlager dient, ein Feuer ausbrechen, wäre das gesamte Gebäude innerhalb von zweieinhalb Minuten voller Rauch. Zwar hatte der Kommandant der Füssener Feuerwehr, Heinz Weller, im Rat erklärt, man könne die Schüler im Brandfall mit Leitern rechtzeitig aus dem Obergeschoss holen - doch dies hielt Krebs für illusorisch: «Ich weiß, dass es nicht gelingt.»

Im Kommunalparlament wollten etliche Redner wissen, wieso die eklatanten Brandschutz-Mängel über viele Jahre hinweg nicht entdeckt wurden. Fazit: Der jetzt beanstandete Zustand hat sich über einen langen Zeitraum entwickelt. Abstellräume wurden ohne baurechtliche Genehmigung für Unterrichtszwecke genutzt, Pendeltüren in den Fluren wurden ausgebaut und nicht durch Brandschutztüren ersetzt und vieles mehr. Bei der regelmäßig stattfindenden Feuerbeschau werde auf andere Dinge geachtet, etwa den Zustand der Feuerlöscher, nicht aber auf baurechtliche Vorgaben, so Krebs. Die Situation habe sich so entwickelt, dass man von einer «konkreten Gefahr» sprechen musste - das Landratsamt hätte die sofortige Nutzungsuntersagung der Schulen aussprechen können. Doch habe man ein Maßnahmenpaket entwickelt, um dies zu vermeiden.

So ganz glauben wollte es Michael Wollnitza (Freie Wähler) nicht, dass sich die Brandschutz-Probleme über die Jahre unbemerkt eingeschlichen hätten: «Schwere organisatorische Mängel innerhalb der Verwaltung» machte er als Ursache dafür aus. Aus den Fehlern müsse man lernen, forderte Dr. Hans-Martin Beyer für die CSU. «Wir haben reagiert», versicherte Hauptamtsleiter Andreas Rist. Innerhalb der Verwaltung werde eine klare Aufgabenverteilung in Sachen Brandschutz erfolgen. Sobald sie endgültig geklärt sei, werde der Stadtrat informiert. Auch andere Gebäude werde man überprüfen, kündigte Bürgermeister Iacob an. Doch könne man nur Schritt für Schritt vorgehen, zumal man gegebenenfalls erforderliche Maßnahmen auch haushaltstechnisch stemmen müsse.

Bei zwei Gegenstimmen befürwortete der Stadtrat schließlich die Ausgaben von 500000 Euro für den Brandschutz. Wobei es sich manche Kommunalpolitiker nicht verkneifen konnten, dass die früher als Schnäppchen angekündigte Erweiterung der Grundschule inzwischen recht teuer kommt. War anfangs von 400000 Euro die Rede, liege man nun mit dem Brandschutz bei rund 1,2 Millionen, rechnete Jürgen Doser (Freie Wähler) vor. Das Vorhaben entwickle sich zu einem «Fass ohne Boden», ergänzte Niko Schulte (CSU). Beide brachten unmissverständlich zum Ausdruck, dass die Verwaltung künftige Projekte besser vorbereiten müsse.

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