Metzgerei
Füssens Letzter seiner Metzger-Zunft

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'Es hat fast schon etwas Magisches, dass es in derselben Richtung weitergeht', sagt Elke Ditsch schmunzelnd. Seit fast 200 Jahren hat das schmale Altstadthaus in der Drehergasse 42 eine Metzgerei beherbergt. Und auch künftig werden dort Wurstwaren und Feinkost angeboten. Dazwischen liegen über 100 Jahre, in denen die Familie Ditsch die Kunden aus dem Füssener Land mit Spezialitäten wie Weißwürsten, Bergschinken und Allgäuer Rauchsalami belieferte.

Diese Ära ging gestern Abend zu Ende: Nach gut 50-jährigem Arbeitsleben hat Metzgermeister Maximilian Ditsch sein Geschäft geschlossen. 'Mit 68 Jahren ist’s irgendwann auch gut', sagt der Metzgermeister. Partyservice und den Betrieb im Lila Haus wird er jedoch gemeinsam mit Ehefrau Elke weiter fortführen.

Mit Maximilian Ditsch, der nach der Lehre im elterlichen Betrieb 1964 seinen Meister gemacht hatte, beendet der letzte von ehemals rund einem Dutzend Zunftgenossen in Füssen sein Berufsleben. 'Die Arbeit war schwer damals. Um 3 Uhr morgens ging es los, die heutigen Hilfsmittel gab es ja noch nicht', erinnert er sich gut daran, wie er mit 20 Lenzen in den Familienbetrieb eingestiegen war. Sein Großvater Anton hatte ums Jahr 1900 das Haus samt Metzgerei gekauft, Vater Max setzte die Tradition fort.

Damals wurde noch in der städtischen Metzg am Lech, nahe des Spitals geschlachtet, ehe Ditsch mit anderen Zunftgenossen Anfang der 1970er Jahre einen eigenen kleinen Schlachthof baute. Schon damals verarbeitete die Familie nur heimisches Fleisch, kannte die genaue Herkunft von jedem Kalb, Rind oder Schwein – diese Qualitätsmerkmale waren entscheidend dafür, dass der Betrieb nach der BSE-Krise Ende 2000, als der Rindfleisch-Absatz zeitweise fast gegen null ging, bald wieder zum gewohnten Niveau zurückkehrte.

Gleichbleibend hohe Qualität – diesen Anspruch hatte sich auch Ehefrau Elke auf die Fahne geschrieben, als sie vor gut 40 Jahren mit Bärbel Besel einen Partyservice auf die Beine stellte. Auch in diesem Bereich ist nichts mehr wie früher. 'Anfangs waren nur Wurstplatten gefragt, heute geht es um den kompletten Service mit Geschirr und Personal.'

Und der soll auch künftig in gewohntem Umfang geboten werden, so wie auch der Betrieb im Lila Haus weitergehen werde.

'Ein bisserl Wehmut kommt schon auf', verrät Elke Ditsch am letzten Tag, während Kunden alles Gute wünschen, ihr Blumen überreichen oder sie zum Kaffee einladen. 'Aber es geht ja in unserem Sinne weiter.' Mit Metzgermeister Stefan Nies aus Bidingen habe sich ein Pächter gefunden, der großen Wert auf Qualität und Fleisch mit regionaler Herkunft lege. Dass der Nachfolger, der nach einmonatigem Umbau eröffne, Angusrinder züchte, unterstreiche dies.

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