Rettung
Füssenerin (60) muss wegen Lawinengefahr tagelang allein auf 1.600 Metern Höhe in der Kofelalpe ausharren

Tagelang weitgehend abgeschnitten zu sein von der Außenwelt - das kommt in unseren Breiten nicht häufig vor. Das dicht besiedelte Allgäu ist ja nicht Skandinavien, Kanada oder Russland. Trotzdem ist der Füssenerin Gudrun Schollenbruch genau das widerfahren.

Fünf Tage harrte sie allein auf der Kofelalpe, einer Selbstversorgerhütte in den westlichen Ammergauer Bergen, aus. Der Abstieg war zu gefährlich. Lawinen hätten die 60-Jährige unter sich begraben können. Sie wurde letztlich mit einem Polizeihubschrauber aus ihrer misslichen Lage befreit.

Anlass für den Aufenthalt in den Bergen war ein Familientreffen. 'Wir waren ab dem 23. Dezember auf der Hütte - zeitweise sogar zu siebt', berichtet Schollenbruch. Doch am 27. Dezember stiegen die anderen Familienmitglieder wie vereinbart wieder ab. Die 60-Jährige dagegen, die die Hütte bis zum 30. Dezember gebucht hatte, wollte noch oben bleiben. Was an sich kein Problem gewesen wäre, hätte nicht just am 27. starker Schneefall eingesetzt.

Als die Wahl-Füssenerin dann am 30. Dezember absteigen wollte, riet ihr die Bergwacht Füssen wegen starker Lawinengefahr dringend davon ab. Sie solle lieber bis auf Weiteres in den Bergen bleiben. 'Das ist natürlich auf einmal eine ganz besondere Situation', sagt Schollenbruch. Bis dato war sie ja freiwillig auf der Hütte gewesen.

Das änderte sich nun schlagartig. Zwar schwebte sie nicht in Lebensgefahr. Das war ihr bewusst. Aber es war ihr andererseits völlig unklar, wie lange dieser Zustand in der Abgeschiedenheit andauern würde. Auf Brennholz, Zündhölzer und einen kleinen Essensvorrat konnte sie bauen. 'Aber die Zeit lief auf einmal ganz anders ab.'

Da der Schnee inzwischen über einen Meter hoch lag und es weiterschneite, musste sich Schollenbruch zum Holzholen immer wieder eine Schneise durch den Schnee schaufeln. 'Morgens hatte es in der Hütte nur fünf Grad und Heizen war lebensnotwendig.' Um eine SMS zu verschicken, musste sich die Füssenerin rund 100 Meter weit von der Hütte entfernen, damit sie Empfang hatte. Also: wieder warme Sachen anziehen und hinaus ins stürmische Schneetreiben.

'Was mich besonders beunruhigte: Allmählich wurde der Akku meines Handys leer - ich musste den SMS-Kontakt zu meiner Familie und der Bergwacht auf das Mindeste beschränken.' Auch der Kerzenvorrat schmolz im wahrsten Sinn dahin. Dabei wurde es ab 16 Uhr dunkel. 'Es ist schwierig, ein Buch zu lesen, wenn nur eine Kerze brennt. Gleichzeitig ziehen sich die Abende ewig hin.'

In ungewollter Einsamkeit verbrachte Gudrun Schollenbruch mit mulmigem Gefühl den Jahreswechsel - 'eine Zeit, in der man weiß, dass alle anderen beisammen sind und feiern'. Hunderte Meter weiter unten beschloss man bei der Füssener Bergwacht, die Alpine Einsatzgruppe Allgäu einzubinden. Denn die Lawinengefahr wuchs immer weiter.

Schließlich wurde ein Polizeihubschrauber angefordert, der Schollenbruch am Nachmittag des Neujahrstages befreite. 'Mich hat es sehr bewegt, dass so viele Menschen in diesen Tagen in Gedanken bei mir waren, sich Sorgen um mich gemacht haben und die Rettung in die Wege leiteten. Ich möchte mich bei ihnen allen bedanken.' Insbesondere der SMS-Kontakt mit der Bergwacht und dem Alpenverein Füssen sei in der Abgeschiedenheit der Berge für sie sehr wichtig gewesen.

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