Jubeltag
Füssener Original wird 100: Karolina Hanauer beobachtet ihre Stadt mit wachen Augen

Sie ist ein Original wie es im Buche steht. Sie beobachtet mit wachem Geist und erstaunlicher Rüstigkeit, was im Füssener Land geschieht und hat dabei so manchen Verbesserungsvorschlag parat:

"Einen richtig schönen Fußweg von Füssen nach Schwangau, den bräuchten wir dringend", ist Karolina Hanauer etwa überzeugt. Und die einstige Verantwortliche des Hotels "Sonne" ist zuversichtlich, dass sie die Erfüllung ihres Wunsches erlebt. Auch wenn sie am heutigen Samstag ihren 100. Geburtstag feiert.

'Jeder Tag ist ein Geschenk', sagt die weißhaarige Jubilarin. Am 7. Januar 1912, dem Tag ihrer Geburt, hieß es: 'Es schneit bis zum Mittag ununterbrochen, so dass endlich die Wintersportler zu ihrem Vergnügen kommen'. Dass die Gäste in der 'Sonne' ihr Urlaubsvergnügen fanden, ist später auch wesentlich ihr Verdienst gewesen. Seit fünf Generationen bewirten und beherbergen die Hanauers ihre Gäste.

Geboren wurde Karolina Anna Maria als Tochter des Gasthofbesitzers Alois Socher, dem damaligen Sonnenwirt. 'Füssen war ja arm, dass Gott erbarm', blickt sie zurück und berichtet von der Vogelgrippe-Epidemie, der 1918 auch ihre Mutter nach der Geburt des vierten Kindes zum Opfer fiel. 'Ich war sechs Jahre alt, und mein Vater stand mit uns Kindern da'.

Doch er hatte Glück: 1920 fand er seine zweite Frau Anna, zwei weitere Kinder wurden geboren.

Trotz der Schicksalsschläge habe sie eine 'glückliche Kindheit gehabt, in der es immer vorwärts ging'. Für Füssen waren Ende des 19. Jahrhunderts die Gäste der königlichen Familie ein Segen. Sie legten die Basis für einen florierenden Tourismus. Füssen hatte die feine Welt zu Gast, nicht nur in der 'Post' in der Reichenstraße, sondern auch im 'Hotel de Bavaria', im 'Hirsch' oder in der 'Sonne'.

Ihr Vater erkannte die Zeichen der Zeit und baute die 'Sonne' um, erweiterte diese 1920 auch um einen Speisesaal, von dessen Eleganz die Jubilarin heute noch schwärmt. 'Schon Otto, der Bruder von Ludwig II., hat bei uns während der Bauphase von Neuschwanstein logiert', berichtet sie.

Und schwenkt schnell zur Gegenwart, wo die temperamentvolle Seniorin Manches anders machen würde: 'Ich träume von einem gemeinsamen Prospekt für Füssen und Schwangau', sagt sie. Und weiter: 'Der Verkehr in Hohenschwangau gehört unter die Erde. Eine elegante Verkehrslösung zwischen Füssen und Schwangau muss her, so dass weltweit für die königliche Landschaft gemeinsam geworben wird', beschreibt sie ihre Visionen. 'Ich denke so viel über mein Füssen nach.

Aber so verrückt es klingt, wenn wir nicht ganz neue Denkansätze für den Tourismus in der Region finden, dann kommt Füssen nie aus seinen Schulden raus', ist sie überzeugt. 'Aber das werde ich wohl nicht mehr erleben'

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen