Gleichstellung
Füssener Initiative «Pfiff» zieht Bilanz: Frauen werden noch immer benachteiligt

Der «100. Geburtstag» des Internationalen Frauentages wird heute gefeiert. Doch die Hochzeit der Frauenrechtlerinnen in Deutschland scheint vorbei zu sein. Alice Schwarzer und Co. müssen nicht mehr mit Protest-Transparenten und Trillerpfeife durch die Straßen ziehen, um Grundrechte für die Frauen einzufordern. Also, alles erreicht in Sachen Gleichberechtigung? Noch lange nicht, winken die Gäste unserer Redaktion ab: Petra Vogel, Barbara Heidinger und Heidrun Weyerhäuser von der Füssener Fraueninitiative Pfiff sowie die Gleichstellungsbeauftragte Hannelore Semmlin-Leix.

Die Gleichstellung von Mann und Frau - ist das überhaupt noch ein Thema? Junge Frauen scheinen sich nicht mehr sonderlich dafür zu interessieren.

Vogel: Das stimmt, das Thema Gleichstellung ist nicht mehr präsent. Das liegt auch an den Medien: Sie machen den Menschen nicht mehr bewusst, wie sehr Frauen benachteiligt sind.

Weyerhäuser: Das liegt aber auch daran, dass die Zeiten, in denen eine Frau nur mit Genehmigung ihres Mannes arbeiten durfte, vorbei sind.

Semmlin-Leix: Junge Frauen profitieren wahnsinnig von dem, was unsere Generationen erkämpft haben. Sie fühlen sich gleichberechtigt - doch der Knackpunkt folgt, wenn die Kinder kommen. Selbst gut ausgebildete Frauen haben das Problem, nach der Familienphase wieder ins Berufsleben einzusteigen.

Apropos Berufsleben. Wie schaut es hier mit der Gleichstellung in Füssen und Umgebung aus?

Vogel: Schlecht. Bei der Vergabe von Spitzenpositionen in Firmen werden Frauen benachteiligt. Und beim Gehalt: Für die gleiche Arbeit erhalten sie weniger Lohn als männliche Kollegen. Viele Frauen in der Region haben oft nur schlecht bezahlte Jobs im Gastgewerbe.

Heidinger: Deshalb ist es ein Anliegen von Pfiff, Frauen auch in ihrem beruflichen Weiterkommen zu stärken. Die vielfältigen Themen bei Pfiff bieten die Möglichkeit, sich auszuprobieren und einzubringen.

Weyerhäuser: Bei uns fällt ja immer auch Arbeit an. Es gab viele Projekte, in die man sich einarbeiten musste, die zu organisieren und präsentieren waren.

Semmlin-Leix: Mich ärgert es, dass für die Wirtschaft immer noch keine Frauenquote gilt. Die Frauen haben mit Familie und Haushalt viel mehr Arbeiten nebenher zu erledigen als Männer. Man müsste zumindest für eine Übergangszeit festlegen, dass Frauen entsprechende Posten in der Wirtschaft eingeräumt werden.

Vogel: Ich bin mir sicher, die Firmen würden davon profitieren.

Ganz wichtig für berufstätige Mütter sind ja die Betreuungsmöglichkeiten für Kinder. Wie ist die Lage in Füssen?

Semmlin-Leix: Da hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan, mit der neuen Kindertagesstätte wird es noch besser. Und wir haben jetzt endlich die Ferienbetreuung für Kinder durchsetzen können. Wobei es mich ärgert, dass immer nur die Frauen im Stadtrat dieses Thema aufgegriffen haben.

Von Männern kam da nie etwas, das scheint sie nicht zu interessieren.

Womit wir beim Stadtrat und der Kommune wären. Also wenigstens hier müsste doch alles gleichberechtigt sein.

Semmlin-Leix: Na ja, bei der Zahl der weiblichen Abteilungsleiterinnen im Rathaus hinken wir hinterher (Anm. d. Red.: es gibt keine). Besser sieht es im Stadtrat aus, hier sind sechs Frauen vertreten. Wenn nicht Frauen im Stadtrat sitzen würden, wo das Geld verteilt wird, wäre zum Beispiel die Kinderbetreuung kein Thema.

Es gibt für Sie also noch einiges zu tun. Wo wollen Sie künftig die Schwerpunkte ihrer Arbeit setzen?

Vogel: In der Vernetzung der Frauen untereinander. Dafür ist der Gleichstellungsbeirat ganz wichtig. Denn hier hatten wir erstmals Kontakt zu verschiedenen Frauengruppen, die wir vorher gar nicht kannten. Der Austausch ist ganz wichtig.

Weyerhäuser: Wir haben hier festgestellt, dass muslimische und syrisch-orthodoxe Frauen die gleichen Probleme wie die Deutschen haben. Zum Beispiel das Thema Altersarmut bei Frauen. Bei solchen Problemen gibt es keine nationalen Unterschiede.

Heidinger: Frauen im Alter - das wird ohnehin eines unserer Themen für die Zukunft sein.

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