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Füssener Gemeinden feiern den 1. Mai

Es war erneut ein Ereignis, das die Menschen in Scharen anzog: Egal wo im Füssener Land ein neuer Maibaum aufgerichtet wurde – dieses Brauchtum lockte gestern allerorten tausende Menschen an. Ob mit Muskelkraft oder PS-strotzender Unterstützung, ob mit Kletterwettbewerb oder Tanz in den Mai: Jede Gemeinde feierte diesen Tag auf eigene Weise. Vorausgesetzt, es gab keine dreisten Diebe, die wie in Pfronten und Lechbruck gehörig Sand ins Getriebe brachten.

l Rückholz: An die 30 Männer waren notwendig, um den 25 Meter langen, über 800 Kilo schweren Stamm in die Höhe zu bringen. Vier Tage lang hatten die Männer des Trachtenvereins teils bis spät in die Nacht gerackert, um das Prachtstück vorzubereiten. Gestern dann war es so weit: Martin Gerle transportierte den Baum mit seinem Oldtimer-Traktor zum Standort an der Kirche.

Beim Aufstellen war Schwerstarbeit zu verrichteten, wird der Baum doch lediglich von der Seilwinde des Traktors gehalten. Edmund Martin war zuständig für die ganze Aktion. Er signalisierte, wann der Baum angehoben werden konnte oder eine Korrektur nötig war. Als der Baum endlich stand, brach bei den Zuschauern Jubel aus, Kameras klickten um die Wette. Danach spielte die Musikkapelle auf, die Trachtengruppe zeigte schöne Tänze.

l Schwangau: Zu den Maibäumen im Dorf und in Hohenschwangau kam gestern ein dritter am Campingplatz Bannwaldsee hinzu. Peter Helmer war als Eigentümer des Platzes Hauptorganisator des Ganzen. Andreas Kotz führte das Gespann mit dem knapp 18 Meter langen Prachtstück.

Ein Autokran fungierte als Sicherung, das Aufstellen selbst geschah auf die althergebrachte Art – von den Einheimischen fachmännisch kommentiert, von Gästen aus aller Herren Länder bewundert. 'Da dürfet ihr ruhig amol klatschen', befand Albert Sepp. Das wirkte: Bei jedem Hau-ruck nach dem Wechsel von Stangen und Seilen rief das Publikum eifrig mit. Den Baum zieren schöne Zeichen, vom Camping bis zu Neuschwanstein und St Coloman. An der Spitze findet sich ein Schwan, der Richtung Dorf schaut.

Später spielte die Jugendkapelle auf und die Jüngsten des Trachtenvereins zeigten ihr Können.

'Toll, was die Bayern hier aufziehen!'

l Rieden am Forggensee: Bis kurz vor dem Aufrichten herrschte geschäftiges Treiben am Faulensee. Da wurde gebohrt, geschraubt und gepinselt. Schließlich sollte der erste Maibaum an dieser Stelle seinem Namen alle Ehre machen.

'Schwalben' (U-förmige Eisen mit einem Dorn) und Stichel (zwei Stangen an einer Spitze mit einem Seil verbunden) lagen bereit, um den zwölf Meter langen Stamm mit Muskelkraft aufzustellen. Ein strahlender Rainer Senn als Wirt der Faulenseehütte und Hans Hartmann als 'Chef' des Aufbautrupps hatten alles im Griff.

Unter den Klängen der 'Polkafreunde', eine Kapelle mit Musikanten aus Rieden, Roßhaupten, Seeg und Weißensee, ging der weiß-blaue Baum Meter um Meter nach oben. Viele Gäste beklatschten das Ereignis und einer der Gäste, offensichtlich jenseits des 'Weißwurstäquators' zuhause, meinte: 'Das ist ja toll, was die Bayern hier aufziehen!'

l Roßhaupten: Jetzt wacht er wieder über seine Gemeinde: Der gute Drache von Roßhaupten ziert die Spitze des neuen Maibaumes auf dem Dorfplatz. Der 32,5 Meter lange Baum (er stammt von der Waldkörperschaft) wurde von gut 20 Burschen des Trachtenvereins D'Waldbergler unter Regie von Otto Mayr aufgestellt. Traditionell zeigt der Baumschmuck die Symbole der Berufe vor Ort, ebenso stehen sie für Musik und Tanz.

Nach knapp zwei Stunden steht der Maibaum senkrecht: Ein Schmuckstück für den Dorfplatz und ein weithin sichtbares Zeichen für den Ort und dessen traditionelle Werte. Eindrucksvoller Beweis für das Miteinander in der Gemeinde ist auch der Spendenaufruf für die Familie Schmid-Linder, die durch den Großbrand am Wochenende ihr Haus verloren hat (wir berichteten).

Freiwillige verteilten am Rande des Maibaumfestes Spendenaufrufe. 'Freunde und Berufskollegen haben eine finanzielle Unterstützung angeregt. Die Gemeinde hat dafür ein Konto eingerichtet', freute sich Bürgermeister Thomas Pihusch über die große Resonanz.

Begebenheit am Rande: Gerade als der Maibaum steht, rollt die Radstaffel der Via Claudia Augusta vor dem Rathaus ein. Danach geht es über Rieden weiter zum Etappenort Füssen.

l Pfronten: Zwei Wochen lang lag er ohne Wache 'aufgehölzelt' im Kurpark – dann schlugen knapp 30 Mitglieder verschiedener Weißenseer Vereine zu und entführten in der Nacht zum Montag den Pfrontener Maibaum.

Um 4.15 Uhr passierte der Stamm die Pfrontener Ortsgrenze, wenig später klingelte in Pfronten das Telefon. Bald schon glühten die Drähte und ein paar Bestohlene wohl auch. Die Pfrontener jedenfalls weigerten sich anfangs, den Baum auszulösen und fällten am Montagvormittag kurzerhand einen neuen Stamm.

Später jedoch kamen Weißenseer und Pfrontener doch noch zu einer Einigung: Der gestohlene Maibaum wurde in 4,50 Meter lange Stücke zersägt beim Pfrontener Bauhof abgeliefert.

Aufgestellt wurde der neue, gut 30 Meter lange Stamm, wobei die Weißenseer Musikanten, Feuerwehrler, Schützen, Trachtler, Wasserwachtler und andere mit Sang und Klang bei der Maibaumfeier in Pfronten aufmarschieren durften.

Zudem spendieren ihnen erster und zweite Bürgermeister 100 Liter Bier, die die Diebe und Kolpingfamilie Pfronten bei einem gemeinsamen Fest trinken.

50 Mitglieder der Pfrontener Kolpingfamilie sorgten dafür, dass beim Aufrichten alles klappte. Die Jugend der Harmoniemusik spielte zünftig auf, die Trachtler zeigten unter anderem den Bändertanz. Die Pfrontener Bergwacht sorgte schließlich dafür, dass das Maibaumklettern sicher ablief. Die Sieger: Allgemeine Klasse: Max Riedmiller und Theresa Bergmiller; Jugend: Stefan Dopfer und Theresa Mayr; Kinder: Jakob Heer.

l Lechbruck: Da staunte der Wirt vom 'Weißen Rößel' in Lechbruck nicht schlecht: Am Montag war der Maibaum für seinen Biergarten verschwunden. Junge Burschen und Mädels der ERC-Schülermannschaft hatten den unbewachten Stamm in der Nacht zuvor kassiert und mit Muskelkraft in eine benachbarte Zimmerei gebracht.

Wirt 'Ecki' startete am Montagmorgen sofort einen Rundruf bei einigen möglichen Übeltätern aus der Umgebung und klagte über den Diebstahl – wohl wissend, dass diese Gaudi zum Brauchtum des Maibaumaufstellens gehört.

Schnell waren die 'Täter' gefunden und eine Auslöse vereinbart: eine Spanferkel-Brotzeit mit Getränken. Und so wurde der Baum in seinem 'Zwischenlager' gemeinsam hergerichtet und geschmückt. Gestern Vormittag wurde er dann traditionell im Begleitzug mit Musik zurück an seinen Bestimmungsort gebracht und aufgestellt.

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