Extrembergsteigen
Füssener besteigt Mount Everest: Sein Weg führte vorbei an acht Leichen

Auf dem Dach der Welt: Am 24. Mai erreichte der Füssener Extrem-Alpinist und Bergführer mit einer siebenköpfigen Gruppe den Gipfel des 8848 Meter hohen Mount Everest.
Sein Weg dorthin führte vorbei an acht leblosen Körpern, eine Frau war erst einen Tag vorher am Everest gestorben.
  • Auf dem Dach der Welt: Am 24. Mai erreichte der Füssener Extrem-Alpinist und Bergführer mit einer siebenköpfigen Gruppe den Gipfel des 8848 Meter hohen Mount Everest.
    Sein Weg dorthin führte vorbei an acht leblosen Körpern, eine Frau war erst einen Tag vorher am Everest gestorben.
  • Foto: Stitzinger/Go climb a mountain
  • hochgeladen von David Yeow

Es sind Bilder, die um die Welt gingen: Zentimeter an Zentimeter reiht sich eine Kolonne aus über hundert Bergsteigern am Gipfelgrat des Mount Everest. Viele müssen in über 8.000 Metern Höhe Stunden ausharren, bis sie einen Schritt weiter nach oben können. Sie stehen dicht gedrängt, Anorak an Anorak. Der Ansturm ist einfach zu groß, es sind zu viele auf einmal. Das zeigen die Fotos mehr als deutlich. Elf Menschen werden es am Ende sein, die nicht mehr lebend vom höchsten Punkt dieser Erde zurückkehren. Es sind doppelt so viele wie im vergangen Jahr.

Einer, der die Situation im Himalaya hautnah mit erlebt hat, ist der Füssener Bergführer und Extremalpinist Luis Stitzinger. Am 24. Mai stand er mit sieben Teilnehmern des Expeditionsveranstalters Furtenbach Adventures aus Innsbruck am Gipfel. Sein Weg dorthin führt ihn vorbei an acht Leichen, wie er im Gespräch mit unserer Redaktion verrät. Sieben davon seien schon in früheren Jahren am Berg geblieben. Eine Frau starb einen Tag, bevor Stitzinger an der Stelle vorbei kam.

Grund war ein enges Wetterfenster am Mount Everest

"Schuld an der Situation war schlicht und einfach ein sehr enges Wetterfenster von nur zwei Tagen, das in dieser kurzen Zeit für einen enormen Andrang am Berg sorgte", sagt er.

Dass er und seine Gruppe den Aufstieg über die Nordroute zum Gipfel wählten, stellte sich rückblickend als Glücksfall heraus. "Da dieser Anstieg als technisch schwieriger gilt, sind dort in aller Regel weniger Leute unterwegs", sagt er. Das belegen auch offizielle Zahlen: So wurden von der Regierung heuer 389 Genehmigungen ("Permits") für die Südroute und 142 für Alpinisten auf der Nordroute vergeben. "Dazu kommt nochmal dieselbe Anzahl an Climbing Sherpas und Bergführern zur Unterstützung", erklärt der 50-Jährige.

Ganz bewusst habe er und sein Team sich wegen des zu erwartenden Andrangs für den 24. Mai als Gipfeltag entschieden: "Das hat sich ausgezahlt. Wir waren alle zusammen vielleicht 30 Personen am Gipfel, als wir dort um 5.30 Uhr bei Sonnenaufgang ankamen. Staus haben wir keine erlebt". Ganz anders auf der Südseite des 8848 Meter hohen Gipfels. Dort entstanden die Fotos des Briten Nirmal Purja, die später um die Welt gehen sollten, auch wegen der elf Todesfälle.

Warum es immer wieder zu solchen Unglücken am höchsten Berg der Erde kommt? Stitzinger nennt zwei Gründe. Es seien einerseits einfach zu viele Menschen am Berg unterwegs, die nicht die technischen und gesundheitlichen Herausforderungen mitbringen würden, die es für eine Everest-Besteigung braucht.

"Am Berg wird viel Geld verdient"

"Und auf der anderen Seite wird am Berg auch einfach sehr viel Geld verdient", sagt der Bergführer. Was er meint: Vorrangig in Nepal ansässige Unternehmen würden Besteigungen zu einem Discount-Preis verkaufen, dafür aber im Gegenzug nicht genügend Infrastruktur zur Verfügung stellen. Beispielsweise gebe es zu wenige Träger.

Bei dem Tiroler Unternehmen, für das Stitzinger auf den Everest geführt hat, sei das alles anders. "Es wird für genügend Sauerstoff gesorgt, es gibt genügend Sherpas und ausreichend Material in Form von Fixseilen oder Leitern", sagt der Füssener. Dafür verlangt Furtenbach Adventures auch einen stolzen Preis. 56.000 Euro müssen Kunden für eine normale Tour berappeln, eine Speed-Besteigung kostet sogar noch 40.000 Euro mehr. Und es gibt offenbar genügend Leute, die bereit sind, diesen Preis zu bezahlen. Denn der Everest ist ein Mythos in Bergesteigerkreisen."

Für viele ist er ein Lebenstraum. Mich hat der ganze Rummel eigentlich bisher immer geschreckt. Nun, als ich dort war, konnte ich mich der Faszination des Berges aber selbst nicht entziehen", sagt der 50-Jährige. Neun Gipfelerfolge an den höchsten Bergen der Welt sind Luis Stitzinger bereits geglückt, alle außer dem Everest ohne die Verwendung von Flaschensauerstoff.

Eigentlich hatte der Ostallgäuer geplant, den höchsten Punkt der Erde nur wenige Tage danach selbst noch einmal zu bezwingen. Das Wetter machte ihm aber einen Strich durch die Rechnung. Vorerst. "Vielleicht fahre ich wieder hin."

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