Lautenbau
Füssen bleibt die Wiege des gewerbsmäßigen Lautenbaus.

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Dr. Josef Focht vom Institut für Musikwissenschaft hat in seinem Vortrag 'Tieffenbrucker, die zentrale Firma des 16. Jahrhunderts' gewaltig am Mythos des 19. Jahrhunderts gerüttelt, indem er den Lautenbau als frühneuzeitliches Exportgewerbe bezeichnete. Mit anderen Worten räumte er mit der Vorstellung auf, dass auf dem Höhepunkt des Lautenbooms im 16. Jahrhundert jede einzelne Laute von der Gewinnung des Rohstoffs bis zur Montage individuell hergestellt wurde.

In den oberitalienischen Städten entstanden zu dieser Zeit das Konzertwesen, Oper und Gesang. Die Laute war eines der Werkzeuge für diese Kunstformen. 1543 verstärkte der Landesherr in Füssen, Kardinal Otto Truchsess von Waldburg die engen Beziehungen der Füssener Lautenmacher nach Rom.

Aus Füssener Familien gab es europaweit 550 Lautenmacher. Nur ein Fünftel davon war in Füssen tätig. Die anderen emigrierten und verteilten sich auf ganz Europa, hauptsächlich aber nach Oberitalien. Füssen lag mitten im Wirtschaftsraum Venedig – Augsburg.

Venedig war der große Handelsplatz. Die Wirtschaftskraft der Lagunenstadt war ungeheuer. In Venedig/Padua wurden 90 Prozent der Lauten hergestellt, im Großraum Füssen acht Prozent und im übrigen Europa zwei Prozent.

Kein Wunder, dass die Tieffenbrucker, eine der größten und erfolgreichsten Familien, ihren Firmenhauptsitz in Venedig hatte. Von Füssen aus lieferte man die Eibenholzspäne und Einzelteile wie etwa Griffbretter, Stege, Lautendecken. In Venedig erfolgte die Montage.

Die Firma Tieffenbrucker war personell etwa gleich stark wie die organisierten Füssener Lautenmacher. Eine wesentliche Motivation für die Zunftgründung 1562 dürfte darin gelegen haben, die Dominanz der Tieffenbrucker abzuwehren, die die Produktion und den Vertrieb zunehmend aus dem Füssener Raum abzog.

In der nachfolgenden Diskussion wehrte sich Bürgermeister Paul Iacob dagegen, dass Füssen hauptsächlich die Rolle des Rohstoffproduzenten im Lautenbau zugeschoben wurde. Peter Bletschacher meinte: 'Den Lautenbau kann man nicht so sehen, wie das Zusammensetzen von Legosteinen.

Da müssen Klangvorstellungen vorhanden sein.' Hier wurde entgegnet, dass es oft Füssener waren, die die Teile bestellt hatten. Kulturamtsleiter Thomas Riedmiller erinnerte an Rechnungen und Zinsbücher, in denen ab 1436 der Begriff 'Lautenmacher' verwendet wurde und er wies auf die Laute im Museum hin, die von Wolfgang Wolf im 16. Jahrhundert gebaut wurde. Füssen bleibt also die Wiege des gewerbsmäßigen Lautenbaus.

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