Ausstellung
Fotografische Spurensuche zum Füssener Hallenbad im Museum der Stadt

Ein wenig Wehmut darf sich schon breitmachen. Und so manchem dürfte es einen kleinen Stich geben, dass die neue Ausstellung zum Hallenbad in der Reihe 'Spuren zur Geschichte der Stadt Füssen' im Museum läuft. Doch: 'Geschichte beginnt heute', sagt Museumsleiter Thomas Riedmiller. Und das Füssener Hallenbad ist definitiv Geschichte. Es ist längst neuen Wohnhäusern gewichen. Lebendig ist aber bei vielen Füssenern noch die Erinnerung an 'ihr' Bad. 'Ich habe dort schwimmen gelernt, war dort im Schulsport, bei der Stadtolympiade und so weiter', beschreibt der 43-jährige Albert Müller, wie ihn das Hallenbad praktisch sein Leben lang begleitete.

Kurz vor dem Abriss lieh er sich vom neuen Besitzer, der Marktoberdorfer Baufirma Hubert Schmid, die Schlüssel, um ein Wochenende lang zu fotografieren. 'Das ist nach dem Radfahren mein größtes Hobby', erzählt der Radhändler. Ein Model und Badeutensilien nahm er mit, um die so vertrauten Räume nicht nur zu dokumentieren, sondern kurz vor deren Aus noch einmal zu inszenieren, bewusst mit Symbolen spielend.

Entstanden ist eine bunte Bilderserie mit Aufnahmen einer Badenden auf dem Trockenen oder auch eines Aufblasschwans, der fast leer im Becken den Kopf hängenlässt. Aber auch viele Details hielt Müller noch einmal im Bild fest. Etwa die Uhr, die einst bestimmte, ob er seine Badezeit überzogen hatte und nachzahlen musste, die großen Lampen oder auch die Sitzbänke, die bereits ihre Sitzflächen eingebüßt hatten.

'Für mich sind das alles Stilleben', sagt Museumsleiter Riedmiller zu Müllers ästhetischer Herangehensweise. Aus dem Fundus des Museums hat er zu der Ausstellung Piktogramme und Schrifttafeln aus dem Hallenbad beigesteuert.

Wie beim Gebäude selbst, das der Münchner Architekt Werner Wirsing plante, hat auch hier ein Großer seiner Zunft seine Spuren hinterlassen: der Grafiker Otl Aicher. Wie Wirsing war er Dozent an der Ulmer Hochschule für Gestaltung und wie er war er am Erscheinungsbild der Olympischen Spiele 1972 von München maßgeblich beteiligt. Otls quadratische Piktogramme gaben das Format für 35 Fotos vor, die im Museum der Stadt ausgestellt werden. Zu sehen ist auch die Tafel, auf der Otl den Apotheker Robert Schmid porträtierte, der den Bau des Bades durch eine Stiftung ermöglicht hatte.

Den offenen, leichten und fröhlichen Geist im Deutschland der 1970er Jahre, der sich bei den Spielen von München manifestierte, atmete auch das ein Jahr später eröffnete Hallenbad mit seinen großen Glasflächen, mit denen sich der an Außenstreben scheinbar schwebende Bau nach Süden öffnete.

Dass es durch die bisweilen recht unangenehm zog, mag ebenso wie die ungewohnt moderne Architektur zum etwas gespaltenen Verhältnis der Füssener zu 'ihrem' Bad beigetragen haben. Ein Erlebnisbad oder Wellnesstempel, wie sie heute aktuell sind, war es jedenfalls nicht, meint Museumsleiter Riedmiller. Vielleicht war auch deshalb die Zeit für das Kind der 1970er Jahre so schnell abgelaufen, dass es heute schon Geschichte ist.

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