Präsentation
Flurnamen führen in die Geschichte

524 Seiten, 14 Kartenbeilagen 35 Quadratmeter gestaltete Fläche - es ist ein monumentales Werk, das die Autoren Bertold Pölcher und Dr. Thaddäus Steiner der Gemeinde Pfronten als Herausgeber kurz vor Weihnachten auf den Gabentisch legten. Zwölf Jahre lang forschten sie in Archiven, sprachen mit alten Pfrontenern und sahen in der Landschaft nach, bis sie jetzt ein umfassendes Verzeichnis «Pfrontener Flurnamen» vorlegten.

Dabei stießen Steiner und Pölcher auf sprachliche Relikte einer romanischen oder romanisierten Vorbevölkerung. So leitet sich etwa der Flurnamen «Bitz» von «Puteus», der Quelle ab, die über das althochdeutsche puzzi zur Pfütze wurde. «Kobel» führt Dr. Steiner auf Cubileum zurück, eine Lager- oder Ruhestätte für Wild. Verräterisch sei oft die charakteristische Betonung auf der vorletzten Silbe, erklärt Dr. Steiner. Deshalb ist es so wichtig, neben der eingedeutschten Schreibweise der Flurnamen deren Aussprache zu erfassen.

20 neue phonetische Sonderschriftzeichen entwickelten dafür Andreas Koop und Alexander Kählig für die von ihnen verwendeten Schriften. Die Mitglieder der Nesselwanger «Designgruppe Koop» hatten die Gestaltung des Buches übernommen. Auch das ein «Fass ohne Boden», wie Koop bei der Präsentation sagte.

Dreieinhalb Jahre lang begleitete sie das Projekt. 4000 Seiten wurden für Korrekturdurchgänge gedruckt, rund 30 laufende Meter Kartenmaterial geplottet.

Alexander Kählig gelang es, trotz der Fülle an Daten einen Band zu gestalten, in dem der Leser die Orientierung nicht verliert. Zwei Doppelseiten leiten die Verzeichnisse zu den jeweiligen Bereichen ein, unter denen sich neben den Ortsteilen auch das Achtal, der Breitenberg und das Vilstal als eigene Kapitel finden. Erläuterungen über das beschriebene Gebiet folgt eine Übersichtskarte mit einem Verzeichnis der dortigen Flurnamen. Durchnummeriert verweisen sie auf die Platzierung im anschließenden detaillierten Verzeichnis. Dort finden sich die Varianten, unter denen sich der Flurname in alten Dokumenten findet, eine Bemerkung zur Lage und die Deutung des Namens.

In der Kopfzeile jeder Doppelseite findet sich der Verweis auf die Übersichtskarte sowie eine Reihe der beschriebenen Bereiche, in denen der jeweils aktuelle hervorgehoben ist.

Interessant sind die Flurnamen auch, weil man aus ihnen viel über die Geschichte der Besiedlung des Pfrontener Tals erfährt, so Pölcher. Beispielsweise die Reihenfolge, in der die verschiedenen Bereiche besiedelt oder urbar gemacht wurden. Auch Worte aus romanischen Alpendialekten haben sich erhalten. So geht die Bezeichnung Troje für eine Wiese am Fuße des Breitenbergs auf das romanische trui oder truoi zurück, das Viehtriebweg bedeutet.

Solche Lehn- oder Reliktwörtern einer nichtdeutschen Vorbevölkerung weisen auf die frühe Besiedlungsgeschichte zurück. Dass Pfronten im Vorarlberger Sprachatlas von 1997 bei den romanischen Reliktwörtern nur in der dritten Reihe stand, hatte Pölcher und Steiner nicht ruhen lassen. «Sollten sich die vermissten Wörter vielleicht in den Pfrontener Flurnamen finden lassen?» war eine der Ausgangsfragen ihrer zwölfjährigen Recherchen. (mar)

Der Band «Pfrontener Flurnamen» ist für 49,50 Euro in der Pfrontener Gemeindebücherei im Heimathaus sowie im Haus des Gastes erhältlich.

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