Arbeitsmarkt
Findige Firmen bilden ihre Fachkräfte selbst aus

Manuel Köpf und Christoph Boos wollen übernommen werden. Ihre Chancen dafür könnten für die beiden nicht besser stehen - die 18-Jährigen machen derzeit beim Autohaus Heuberger eine Lehre zum Kfz-Mechatroniker: «Wir bilden unsere künftigen Facharbeiter selbst aus», sagt Serviceleiter Albert Neuner. So will die Füssener Firma wie viele andere Ostallgäuer Unternehmen dem vielfach befürchteten Fachkräftemangel frühzeitig entgegenwirken.

«Die Zufriedenheit unserer Kunden steht an oberster Stelle», erläutert Neuner. Und seinen guten Service lasse sich das Autohaus auch etwas kosten, indem es besonders in die Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter investiert. Jeder Anwärter müsse aber erstmal ein ein- bis zweiwöchiges Praktikum im Betrieb absolvieren: «Während man sich gegenseitig beschnuppert, findet man schnell heraus, ob das Miteinander passt.» In der Ausbildung - jährlich stellt das Autohaus bis zu zehn Lehrlinge im technischen und kaufmännischen Bereich ein - würden gezielt Stärken und Interessen gefördert. So kristallisiere sich der künftige Facharbeiter heraus.

«Fachkräfte selbst auszubilden gehört zu unserer Philosophie», sagt auch Martin Beßler, Ausbildungsleiter der Firma Endress+Hauser Wetzer. Denn wer weiterhin gute Fachkräfte will, müsse selbst aktiv werden. Das Nesselwanger Unternehmen - es stellt jährlich zwischen sechs und acht neue Lehrlinge ein - hatte unter anderem einem Schüler die Chance gegeben, sich ein Jahr lang über eine sogenannte Einstiegsqualifizierung auf die Ausbildung vorzubereiten. Beßler: «Er hat die Hauptschule ohne Abschluss beendet, sich dann aber bei uns reingehängt. Inzwischen macht er bei uns seine Lehre.»

Optimal mit Betrieb vertraut

Fertige Azubis seien optimal mit der Firma vertraut und könnten sofort loslegen, betont der Ausbildungsleiter. Facharbeiter, die extra aus dem Ausland geholt werden, müssten hingegen nicht nur neu eingelernt werden, sondern hätten in der Regel auch Sprachdefizite. Besonders für technische Berufe, beispielsweise Fachinformatiker oder Elektroniker, würde es immer weniger Bewerber geben.

Auch im Molkereigewerbe «gibt es immer weniger Arbeiter wie Stellen», erläutert Simon Gutensohn. Der Geschäftsführer des Unternehmens Milchverwertung Ostallgäu in Rückholz hat sein eigenes Rezept, wie er dem befürchteten Fachkräftemangel entgegnet: «Wir bieten für die Lehrstellen-Bewerber erst eine Art Schnupperlehre an. So sehen wir und die Anwärter, ob der Beruf auch wirklich der ist, den sie sich vorstellen.

» Der Schulabschluss sei hierbei eher zweitrangig. Beginnt ein Bewerber seine Ausbildung zum Molkereifachmann - jedes Jahr ist es einer -, kümmert sich der Chef persönlich um ihn. Soll heißen: Seine Schwächen würden gezielt gefördert, beispielsweise durch Nachhilfe, erläutert Gutensohn. Für das nächste Jahr hat die Firma übrigens noch eine Lehrstelle frei.

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