«Viehscheid-Däg»
Feuer und Flamme fürs Brauchtum zum Viehscheid 2012

Voll konzentriert hält Florian (12) das glühende Eisen und haut es mit dem Hammer flach, so dass es sich leichter zu einem Haken biegen lässt. Zusammen mit seinem Bruder Dominik (8) und seinen Eltern ist der Bub aus Lörrach voller Begeisterung in der Schmiede bei Philipp Trenkle am Tun.

Während der << Hummelbauer >> in Pfronten-Heitlern in diesem Jahr den interessierten Besuchern die Hintergründe rund um den Viehscheid erklärt, hat Sohn Kilian (24) die Regie am Amboss übernommen. Er fertigt eine Schelle aus zwei Sägeblättern, was mindestens drei Stunden Arbeit erfordert.

Derweil ist Christl Wildner im Garten damit beschäftigt, eine Kranzkrone für die Fotoausstellung zum Viehscheid zu fertigen.

Die Tage zuvor hat sie Latschen- und Weißtannenzweige, Kugel- und Silberdisteln, Vogelbeeren, Rainfarn, blauen Enzian sowie weiße und gelbe Schafgarben gesammelt und zu kleinen Sträußchen gebunden, die inzwischen ihren Platz an dem zweistöckigen Eisengestell gefunden haben.

<< Das ist ein alter Brauch. Oben auf die circa sechs Kilogramm schwere Krone kommt das Kreuz, womit um Gottes Segen gebeten wird >>, erklärt die Pfrontenerin, die seit etwa zehn Jahren die Krone für das schönste Zugrind vom Kalbelehof bindet.

<< Außerdem haben viele einen Spiegel im Kranz eingebunden, der die bösen Geister vertreiben soll und den bösen Blick abwehrt >>, erklärt Christl Wildner und steckt zum Schluss den blauen Enzian auf, << weil der so schnell trocken wird >>.

<< Eine richtige Giftnudel >>

Drüben in der Schmiede ist derweil Kilian beim Zusammenschweißen der beiden Schellenhälften. Vater Philipp prüft schon mal den Klang. << Je mehr sich die Naht schließt, umso genauer hört man den Ton >>, erklärt er. << Das wird eine richtige Giftnudel >>, lacht er, denn noch kommen sehr hohe Töne von der Schelle.

Sein Vater hatte vor Jahrzehnten die Idee, aus alten Sägeblättern die Schellenteile zu schmieden. Das hat sich längst bewährt und Schellen vom Hummelbauer sind begehrt. Er fertigt sie aber nur << wenn sie auch angehängt werden, keine für an die Wand. >>

Auch für Alfons Hauser, Bauer aus Pfronten-Dorf, der vorbeigekommen ist und selbst Schellen fertigt, ist das alte Brauchtum schützenswert. << Ich bin sicher, dass die Schellen früher auch zum Vertreiben böser Geister gedient haben >>, erläutert der Schmied und zeigt auf eine über 100 Jahre alte große Schelle aus seiner Sammlung.

<< Eine solche große Zugschelle, die nur für einen Tag angelegt wurde, war damals etwas Wertvolles und hatte mehr Funktion als nur Geräusch zu machen >>, ist Idealist Trenkle sicher. Jede Glocke und Schelle hat ihren eigenen Klang und sie klingen schön zusammen.

<< Das ist wie im Jugendlager, wenn die Schumpen im Sommer auf der Alpe sind >>, erklärt er den Buben. << Das Vieh ist gesünder und robuster, aber auch für die Herden gehen die Sommerferien zu Ende. >> Er nimmt den geschnitzten Haselstock von Haymo Aletsee, der in diesem Jahr als Geschenk an die Junghirten überreicht wird, und meint: << So komfortabel ging es bei uns früher nicht zu! >>

Archiv-Artikel von 2011

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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