Wochenmarkt
Fehlt an Morisse Laufkundschaft?

Rita Bauer nimmt zwei, drei Salatköpfe aus dem Korb, begutachtet die Blätter und legt dann das Gemüse an seinen Platz zurück. Zeit genug dafür hat sie. Denn am Stand der Marktfrau herrscht im Spätherbst und Winter - so wie an manch anderem Stand - nicht allzu viel Nachfrage nach frischen Lebensmitteln.

Auch andere der rund 20 Händler am Füssener Wochenmarkt sind derzeit nicht gerade zufrieden mit der Situation an der Morisse. «Der Markt in Füssen gibt nicht viel her.» Wegen der aus ihrer Sicht geringen Laufkundschaft und der nüchternen Atmosphäre habe der Umsatz vor allem in den letzten Jahren sehr nachgelassen, bedauert Rita Bauer, die an ihren oberbayerischen Standorten «bessere Bedingungen vorfindet.» Seit 25 Jahren fahre sie jede Woche von Zellerberg bei Kaufbeuren nach Füssen. «Früher, als der Markt am Brotmarkt stattfand, war die Atmosphäre besser», erinnert sie sich an «alte Zeiten». Wobei eine Rückverlegung in die Altstadt auch kein Patentrezept wäre.

Die Ostallgäuerin zeigt auch in Füssen jede Woche Ausdauer: «Um halb vier steh ich auf, ab sechs Uhr bin ich vor Ort. Um sieben Uhr ist der Stand aufgebaut.» Und dennoch machen sich nach ihrer Schilderung die Käufer gerade in der kalten Jahreszeit rar. Das Gewerbegebiet am Hopfener Dreieck habe sein Übriges dazu getan. Dort könnten die Kunden umsonst parken, so lange sie wollen. «Davon können wir an der Morisse nur träumen.»

Heinz Weller, der städtische Marktbeauftragte, kann diese Einschätzung nicht teilen. Jeder könne auf dem Morisse-Parkplatz für mindestens 15 Minuten umsonst parken. «In dieser Zeit kann man mühelos etwa einen Sack Kartoffeln einladen und wieder rausfahren», betont Weller. Und auch an Laufkundschaft, etwa aus dem Füssener Westen, mangle es nicht.

15 Minuten freies Parken reichen aus Sicht von Händlerin Maria Luise Menner nicht aus. Für die Floristin ist der abgesperrte Parkplatz mit dem Kassenautomaten ein Hemmnis für Kunden. «Vor allem ältere Menschen, die den Markt sonst besuchen würden, fahren gar nicht rein», so die Gärtnerin aus Gestratz bei Isny. Sie sieht die Lage an der Morisse zwiespältig. «Einerseits sind ausreichend Parkplätze vorhanden, andererseits gibt es wenig Laufkundschaft aus der Innenstadt.» Weller sieht jedoch eine ausreichende Anbindung an die Innenstadt als gegeben - nicht zuletzt durch die Bushaltestelle.

Verlegung kaum realisierbar

Und selbst wenn die Stadt wollte, sei eine Verlegung derzeit kaum realisierbar. «In der Altstadt haben wir nicht genügend Platz für 30 Stände.» Für die Zukunft wäre die innere Kemptener Straße eine Option, so der Marktbeauftragte. Denn dort habe man nach der Verkehrsberuhigung die Stände ansiedeln wollen. Vor dem nötigen Ausbau müssten aber erst Stolpersteine aus dem Weg geräumt werden - so müsse eine ausreichende Feuerwehrzufahrt geschaffen werden. «Und Geld ist für das Vorhaben momentan auch keines vorhanden», so Weller.

Rita Bauer fordert gar keinen neuen Marktplatz - sie würde sich schon über eine Hecke am Parkplatz freuen, wie es sie schon einmal gab. «Damals war es viel gemütlicher. Die Autos hat man nicht so gehört und zudem wurde man nicht dermaßen mit Abgasen belastet.

» Was wiederum Weller nicht nachvollziehen kann, sei die Hecke doch eigens auf Wunsch der Händler entfernt worden. «Zuvor hieß es, dass der Markt durch die Hecke kaum Aufmerksamkeit auf sich zieht.»

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