Mord
Ex-Soldat schlief neben seiner toten Freundin

Was ist das für ein Mensch? Einer, der seine Freundin erwürgt und die Leiche anschließend in der Badewanne zerteilt. Wie sieht so einer aus? Die Frage bleibt für die Zuhörer im nahezu voll besetzten Saal 169 des Kemptener Landgerichts zunächst einmal unbeantwortet. Als der Angeklagte nämlich von zwei Polizisten in Handschellen hereingeführt wird, hält er Kopf und Gesicht mit einer blauen Jacke bedeckt. Nach vorne gebeugt lässt er auf der Anklagebank das Blitzlichtgewitter der Fotografen über sich ergehen.

Erst als nach Minuten Richter und Schöffen den Saal betreten, Kameramänner und Fotoreporter hinausgeschickt werden, zieht er das Stück Stoff vom Kopf. Der junge Mann mit den dunkelblonden, kurz geschorenen Haaren ist hager und sieht blass aus. Konzentriert, mit gefalteten Händen verfolgt der 28-Jährige, wie Oberstaatsanwalt Peter Koch die Anklageschrift verliest.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem aus Brandenburg stammenden Ex-Soldaten Michael K. Mord aus Heimtücke und niederen Beweggründen vor. Er soll seine Freundin im August 2008 nach einem Streit in der gemeinsamen Füssener Wohnung erwürgt haben. Die Leiche der 23-Jährigen zerteilte er, packte Kopf, Oberkörper und Gliedmaßen in Müllsäcke und transportierte die Leichenteile mit einem Rucksack zu fünf verschiedenen Stellen in der Umgebung von Füssen. Als Motiv für die Tat vermutet die Staatsanwaltschaft die Trennungsabsichten der in Thailand geborenen Sulanee G.

Der Angeklagte gesteht das Verbrechen in der Befragung durch den Vorsitzenden Richter in Teilen. Von einem Streit unmittelbar vor der Tat könne aber nicht die Rede sein, sagt Michael K. Ganz im Gegenteil. 'Wir haben uns an diesem Abend versöhnt und Pläne für die Zukunft geschmiedet.' Und das, obwohl ihm seine Freundin zuvor eine intime Affäre mit einem anderen Mann gebeichtet habe. 'Natürlich hat mich das getroffen. Aber sie hat mich um Verzeihung gebeten, geweint – da bin ich weich geworden.'

Wie und warum er seine Freundin dann allerdings umbrachte, daran könne er sich – entgegen früherer Aussagen – nicht mehr erinnern. Ihm sei plötzlich schwarz vor Augen geworden. 'Als ich dann wieder zu mir kam, lag sie plötzlich neben mir, meine Hände waren an ihrem Hals.' Er habe sogar versucht, sie wiederzubeleben. Die Tote hievte der 28-Jährige nach eigener Aussage auf das gemeinsame Bett, legte sich neben sie und schlief ein. Nach dem Aufwachen recherchierte Michael K. dann im Internet nach einer Methode zur Beseitigung der Leiche. In einem Baumarkt kaufte er am selben Tag unter anderem einen Messersatz, eine Handsäge, Müllsäcke und Klebebänder. Sein grausames Werk vollendete er in der gemeinsamen Wohnung. Mit einem Fahrrad schaffte er die Leichenteile weg.

Während die Verteidigung auf Totschlag plädieren will, bewertet der Nebenklagevertreter, Rechtsanwalt Mathias Hauber, das Verbrechen als Mord. Der zuletzt arbeitslose Angeklagte habe eine 'parasitäre Lebensweise' gepflegt und sei von der 23-Jährigen ausgehalten worden. 'Er wollte die Trennung nicht akzeptieren und hatte Schulden beim Opfer.' Der Prozess werde ergeben, dass die Tat geplant war. Der aus Edenkoben (Rheinland-Pfalz), dem Heimatort der Getöteten, stammende Anwalt beschreibt die junge Frau als 'intelligent und beliebt'. Zudem sei die angehende Hotelfachfrau beruflich sehr zielstrebig gewesen. 'Sie war das genaue Gegenteil zum Angeklagten', sagt Hauber. Am Ende wird der Ex-Soldat zu lebenslanger Haft verurteilt.

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