Musica sacra
Esten, Oberpfälzer und Schweden singen in Seeg

Dass in der ehrwürdigen Pfarrkirche St. Ulrich in Seeg nicht bloß überschwänglich applaudiert, sondern sogar getrampelt wird, ist wohl eine Seltenheit. Zu den Besuchern aus der Nähe kamen Musikfreunde bis aus München. Sie wurden reich belohnt. «Am Abend des Pfingsttags freuen wir uns über ein internationales Konzert der musica sacra», begrüßte Pfarrer Alois Linder die Besucher und gratulierte den Teilnehmern am Chorwettbewerb zu ihren erfolgreichen Auftritten.

Geschäftsführerin Brigitte Riskowski betonte, wie die Tage in Marktoberdorf mit 14 Konzerten auf die Region ausstrahlen. Sie stellte die Chöre vor, zuerst den der Estnischen Chorleiterinnen aus Tallinn in bunten Trachten mit Chorleiter Andrus Simon. Für moderne musica sacra in der Landessprache standen die estnischen Komponisten Rudolf Tobias und Cyrillus Kreek mit Psalmen in bestechendem Nuancenreichtum.

<< Eine hochinteressante Komposition >>, raunte man zum Ave Regina des Japaners Ko Matsushita, der jüngst die Initaitive << Sing for Japan >> ins Leben rief. Rachmaninoffs getragenes Ave Maria wurde russisch gesungen, lateinisch das flehentliche sancta maria des Norwegers Knut Nysted. Ganz unerhört war << Im Himmelreich >>, ein uraltes Preislied in völlig neuem Arrangement von Karin Rehnqvist mit den geschrieenen Lauten altnordischer Gesänge.

Hier waren die Texte mit den Übersetzungen zum Verständnis unerlässlich.

Höchste Professionalität ist Kennzeichen des Cantabile Regensburg geleitet von Matthias Beckert. Hohen Stellenwert hat bei dem gemischten Chor Zeitgenössisches, insbesondere von Wolfram Buchenberg. So galt das Programm allein seinen zumeist sakralen Kompositionen, hier in Seeg besonders passend, denn die musikalische Laufbahn des international hoch geschätzten Allgäuers begann am Musikgymnasium Marktoberdorf. Staunend und fasziniert folgten die Hörer der Perfektion in allen Stimmen, dem Magnificat mit Rezitativen, meditativen Gesängen, hochdramatischen Passagen aus Augustinus Bekenntnissen. << Kein schöner Land in dieser Zeit >> - von Kindheit an kennt man es, und entdeckt die schlichte Melodie in all ihrer Schönheit neu im weichen Chorklang.

Bewegender Abschluss war der althochdeutsche Reisesegen aus Weingarten mit dem Gruß der << fünfundfünfzig Engel >> an den Geliebten bis zum sehnsüchtigen, kaum mehr hörbaren Verklingen. Der Beifall galt auch dem Komponisten, der zu einem kurzen Dank an den Chor nach vorne eilte.

Singend zogen die jungen Schweden ein und bei ihrem Schlusslied verteilten sie sich neben den Reihen, nahmen sozusagen die Zuhörer in die Mitte. Der Jugendchor St. Jakobs Ungdomskör Stockholm mit seinem temperamentvollen Chorleiter Mikael Wedar bot ein Spektrum vom klassischen Fach bis zum Spiritual und vor allem anspruchsvolle geistliche Kompositionen aus ihrer schwedischen Heimat, moderne Klassiker, Vertreter der Musikkultur, die offen für Innovation und Experiment ist: Sven-Erik Bäck mit Zeilen zur Passion aus dem Lukasevangelium, Gösta Nyströms Vertonung des Hohen Lieds und Waldemar Ahlen.

Er war Organist von St. Jakob, wo der junge Chor heute singt, sein << Sommarpsalm >> wurde zur kraftvollen Hymne des Glücks in Gottes Natur. Max Regers Wünsche zur guten Nacht beschlossen im Gemeinschaftschor der Stockholmer und Regensburger ein herausragendes Konzert. Auch draußen noch dankten Besucher den Sängern persönlich.

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