Diebstahl
Diebstahl bei den Königsschlössern immer noch ein Thema

Dicht am Körper hält Manja Renner aus Wiesbaden ihren Rucksack. «Mir ist bewusst, dass ich hier gut auf meine Wertsachen aufpassen muss», sagt die 52-Jährige. Unweit von ihr geleitet eine französische Reiseleiterin eine Gruppe aus Paris durch Hohenschwangau. «Wer in der Großstadt lebt, hat fast immer ein Auge auf seinen Geldbeutel», erklärt die 60-Jährige.

Es ist ein bekanntes Phänomen: Alljährlich zur Urlaubszeit drängen sich auf der Marienbrücke Touristen, um Schloss Neuschwanstein zu bewundern. Doch das Bauwerk König Ludwigs II. lockt nicht nur Urlauber an: Auch Langfinger treiben immer wieder ihr Unwesen. Füssens Polizeichef Günther Stadler sagt zwar: << Seit wir 2007 eine Diebesbande dingfest gemacht haben, werden kaum Fälle bekannt. >> Trotzdem hat Annemarie Böck, die Ferienwohnungen in Schwangau vermietet, vor kurzem an alle Stammgäste ein Formular verschickt. Der Inhalt: Ein ausdrücklicher Hinweis, ein Auge auf seine Wertgegenstände zu haben.

Zwar sei noch kein Urlauber, der sich bei ihr einquartiert hat, bestohlen worden. << Trotzdem möchte ich meine Gäste vorwarnen >>, erklärt die 62-Jährige. Einer ihrer Tipps lautet: Den Geldbeutel nie in die hintere Hosentasche stecken. Auch von Bauchtaschen rät sie ab: << Die haben oft einen Klipp, der sich leicht öffnen lässt. >> Sie überlegt, Taschen zu nähen, die ihre Gäste unter der Kleidung tragen können. << Man hängt sie entweder um den Hals oder befestigt sie mit einem Stoffgürtel um die Taille >>, so ihre Idee.

Vorschläge, wie man sich vor Dieben schützt, begrüßt Polizeichef Stadler freilich. Er sagt jedoch: << Die Zahl der gemeldeten Fälle in Hohenschwangau ist gering. >> Sechs seien es im vergangenen Jahr gewesen, bei denen Touristen Fotokameras oder Handys gestohlen wurden. << Mit organisierten Banden haben wir derzeit kein Problem.

>> Die Dunkelziffer schätzt Stadler gering ein: << Ich glaube, die meisten Geschädigten erstatten Anzeige. >> 2007 schnellte die Zahl zuletzt nach oben: Damals schlug ein polnisches Trio mehrfach zu. Die Täter erbeuteten größere Geldbeträge, bis die Beamten sie schnappten. Dass seither wieder weniger Touristen beklaut wurden, habe einen zweiten Grund: Seit 2007 hängen Merkblätter der Polizei mit Tipps (Infokasten) in verschiedenen Sprachen zum Beispiel in Bussen aus. << Diese Maßnahme hat viele Touristen sensibilisiert >>, ist Stadler überzeugt.

Die Schlossverwaltung Neuschwanstein hat 2007 eine andere Maßnahme ergriffen, um die Sicherheit zu erhöhen: << Wir haben mehr Überwachungskameras installiert >>, erklärt Schlossverwalter Hubert Nikol. Derzeit seien es insgesamt 28 im Innenbereich und auf den Außenanlagen von Neuschwanstein. Das sei auch der Grund, weshalb Taschendiebe aktuell kein Problem seien. An der Marienbrücke habe man keine Sicherheitsvorkehrungen getroffen, so Nikol: << Dort erwarten wir von Touristen, dass sie auf ihre Wertsachen aufpassen. >>

Dass die meisten Urlauber das auch machen, zeige die Erfahrung, so Petra Köpf, Tourismuschefin in Schwangau. Die Gemeinde könne gegen Langfinger nichts tun. Köpf ist überzeugt: << Jede bedeutende Touristenattraktion lockt automatisch Diebe an. Das ist in München genauso wie am Eiffelturm. >>

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen