Tage mit Sinn (6)
Die Legende von den Heilig Drei König

Der 6. Januar wird von katholischen wie evangelischen Gläubigen gefeiert - auch wenn er bei den einen Heilige Drei Könige, bei den anderen Epiphanias (Erscheinung des Herrn) heißt. Doch was steckt hinter diesem Tag, wie war das mit den Weisen aus dem Morgenland? Der evangelische Dekan Jörg Dittmar aus Kempten und der katholische Regionaldekan Reinhold Lappat aus Buchloe nähern sich dem 6. Januar auf eigene Weise. Die Reihe «Tage mit Sinn» will auf unkonventionelle Art Feiertage der Konfessionen beleuchten und Hintergründe vermitteln.

Dittmar: Ich bin mal frech: Woher weiß man denn, dass die Gebeine der Heiligen Drei Könige im Kölner Dom liegen?

Lappat: Da antworte ich genauso frech: Das weiß keiner genau, das wurde nie untersucht. Irgendwann hat Kaiser Barbarossa die ,gefundenen Gebeine der Heiligen Drei Könige, die ja keine Könige waren

Dittmar: drei waren es auch nicht - und ob sie heilig waren, wissen wir auch nicht sicher!

Lappat (lacht): Ja, ja, genau Die Gebeine wurden jedenfalls als Geschenk nach Köln gegeben. Ein Goldschrein wurde gebaut, und seitdem werden sie verehrt. Eine Legende. Kritisch betrachtet muss ich sagen: Ich kann damit nichts anfangen. Das Ganze fußt auch auf dem Reliquienhandel im Mittelalter.

Dittmar (schmunzelnd): 17 der 12 Apostel sind ja in Spanien begraben Aber wie auch immer: Wir Evangelischen haben den Titel Epiphanias gewählt, weil bei Heilig Drei König wörtlich gar nichts stimmt. Aber die Geschichte selbst ist wunderschön: Da sind Sterndeuter, die das Jesuskind suchen. Erst ziehen sie nach Jerusalem an den Königspalast von Herodes und dann folgen sie dem Stern. Dass an diesem Stern etwas dran gewesen sein könnte, besagen übrigens Untersuchungen - wobei es wohl kein Komet war, sondern die sehr seltene Konjunktion von Jupiter, der für den König steht, und Saturn, der für das Judentum steht. Und das kann man im babylonischen Horoskop tatsächlich so deuten, dass den Juden ein König geboren wird.

Lappat: Und dann beginnt die Geschichte

Dittmar: Und die hat ihren Charme: Da kommen Menschen zu Jesus Christus, die vorher sicher nicht ein katholisches Glaubensbekenntnis gelernt haben und auch nicht die protestantischen Bekenntnisschriften drauf haben. Nein, die finden aus ihrem Kulturkreis etwas bei Jesus, wo sie sagen: Da gehe ich in die Knie. Dieser Jesus Christus hat als Phänomen der Weltgeschichte und als religiöses Phänomen die Menschen über Jahrtausende hinweg beschäftigt. Das war praktisch die erste interreligiöse Begegnung.

Lappat: Es ist faszinierend, dass Sterndeuter vor einem Kind in einem Stall auf die Knie fallen. Da, wo alles schmutzig und kaputt ist, finden Wissenschaftler für ihre Kultur, ihr Leben einen ganz neuen Blick.

Dittmar: Etwas, das ihnen heilig ist

Lappat: Ja - und ich bin froh, dass die Kirchen diese Geschichte zur Sprache bringen. Einem Stern nachzulaufen ist für mich auch das Symbol für eine Suchaktion. Habe ich noch etwas, das ich erreichen möchte? Das Ganze darf auch durchaus weltliche Züge habe. Ich meine da die Spiele und Umzüge ab dem 15. Jahrhundert. Und natürlich das Sternsingen, bei dem die Botschaft hinausgetragen wird: «Christus ist geboren, freut Euch drüber.

» Dazu gehört auch, dass Menschen etwas für andere tun - allein in unserer Pfarrei sind jedes Jahr etwa 100 Kinder begeistert unterwegs. Und ich glaube, dass die Menschen an der Haustür neben Gesang und Spenden meist auch den Kern wahrnehmen.

Dittmar: Ich glaub das eher nicht. Ich freue mich natürlich, dass es beim Sternsingen evangelisch-katholische Kooperationen gibt. Und ich merke, dass viele Familien erwarten, dass der Segen an die Tür geschrieben wird. Aber das Ganze hat für mich eine Neigung zur Magie, zum Deal mit dem Schicksal. Baut man da nicht Erwartungen auf, die nicht zu erfüllen sind?

Lappat: Dieser magische Aspekt trifft bei vielen solcher zeichenhaften Handlungen zu. Den muss man rausschälen. Aber da ist ja auch der Mensch, dem gesagt werden muss: «Du bist gesegnet, Gott ist da!»

Dittmar: Ich habe übrigens kein Problem damit, wenn jemand diese Zeit nutzt, um Urlaub zu machen. Oder wenn einer, der die Weihnachtsfeier-Phase am ersten Advent begonnen hat, am 6. Januar sagt: jetzt ists gut. Das liegt wohl auch daran, dass wir Evangelischen überzeugt sind, dass christliches Leben im Alltag stattfindet.

Lappat: O.k. - aber da gibts noch was Anderes. Ich meine, dieses Suchen nach dem Stern muss weiterwirken - das «zu den Menschen gehen», das Verbreiten, allen die frohe Botschaft zu sagen und spüren zu lassen. Das ist eher Auftakt, nicht Abschluss. Markus Raffler

 

Sternsinger besuchten gestern die Füssener Redaktion (von links): Leonie Schöberl (vorne, 9 Jahre), Konstantin Kahle (14), Andreas Rosenthal-English (10), Franziska Schöberl (13) und Antonia Hornstein (13) von der Pfarrei Sankt Mang. Foto: Frasch

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen