Gnadenbrot
Des Königs Schimmel

Es waren einmal vier Pferde. Ihr Fell schimmerte schneeweiß und sie waren alles andere als gewöhnlich. Alex, Lecky Aot, Oscar und Wilhelm waren Musical-Stars. Im ersten Stück - «Ludwig II. - Sehnsucht nach dem Paradies» -, das im Festspielhaus in Füssen aufgeführt wurde, zogen sie des Königs Kutsche. Drei Jahre lang trabten sie geschmückt mit weißen Federn auf einem Laufband über die Bühne. Bis Herbst 2003 begeisterten sie über eine Million Besucher.

Dann jedoch änderte sich alles und heute sind die Schimmel auf der Suche nach Paten oder einem neuen Zuhause. Aber nicht zu viel vorweg. Zurück in die Zeit vor sieben Jahren. Damals ging das Musical pleite. Die Schimmel waren plötzlich keine Stars mehr, nur noch Teil der Insolvenzmasse. In dieser dunklen Zeit kam die Rettung in Gestalt von Manfred Schmid. Er betreibt mit seinem Bruder Florian eine Biolandwirtschaft in Seeleuten (Ostallgäu). Dort lebten die vier Pferde bereits seit Beginn der Aufführungen und dort wurden sie auch für die Bühne trainiert.

Nach der Pleite kaufte Schmid die Schimmel. << Ich wollte sie vor einer ungewissen Zukunft bewahren >>, erinnert er sich. Sie waren damals schon nicht mehr die Jüngsten und er wollte nicht, dass sie im schlimmsten Fall beim Schlachter landen. Doch Pferde kosten Geld - mit Futter, Tierarzt, Hufschmied und allem Weiteren bis zu 300 Euro im Monat. Anfangs erhielt Schmid noch finanzielle Unterstützung - unter anderem von Anna Maria Gräfin von Pocci. Die Pferdeliebhaberin war am zweiten Musical << Ludwig² >> beteiligt. Als sie jedoch vor fast genau zwei Jahren starb, versiegten auch die Zahlungen.

Die beiden Orlow-Traber Alex und Lecky Aot sowie die Araber-Lipizzaner-Mischlinge Oscar und Wilhelm bekamen von all dem nichts mit. Sie genießen bis heute ihr Seniorenleben auf den schönen Weiden am Schwaltenweiher. Nur Oscar lebt seit einem Jahr nicht mehr. Die übrigen drei Schimmel suchen jetzt einen Paten beziehungsweise ein neues Zuhause. << Wir würden Alex und Lecky abgeben >>, sagt Schmid. Voraussetzung: Ein guter Lebensabend - etwa als Beistellpferde, sprich Gesellschaft für Artgenossen - muss für die ehemals königlichen Rösser gesichert sein. Zum Reiten oder als Kutschpferde sind die Wallache mit ihren 22 und 23 Jahren vor allem wegen diverser altersbedingter Krankheiten nicht mehr geeignet. Deshalb werden sie auch nicht einfach verkauft. << Da wäre die Gefahr zu groß, dass sie am Ende doch beim Schlachter landen >>, sagt Schmid.

Wilhelm leidet noch dazu an einem Herzproblem. Deshalb darf er auf jeden Fall in Seeleuten bleiben. << Willi stellen wir nicht mehr um. Das wäre zu viel Stress. Es wäre aber toll, wenn sich ein Pate fände, der uns bei den Kosten unterstützt >>, so Schmids Hoffnung, damit des Königs Schimmel glücklich leben können bis ans Ende ihrer Tage.

Kontakt: ManfredSchmid@reitsport-allgäeu.de

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