USA-Import
Dass der Weihnachtsmann durch den Advent spukt, stört kaum jemanden

Im Advent allgegenwärtig, lösen beide zahlreiche Diskussionen aus: Weihnachtsmann und Nikolaus. Vielen ist die amerikanische Variante des Heiligen ein Dorn im Auge. Das katholische Bonifatiuswerk hat gar zur Aktion 'weihnachtsmannfreie Zone' aufgerufen. Denn in einer Zeit, in der viele Menschen ihre Wurzeln und Bodenhaftung verlieren, sollte der Ursprung der Legende sichtbar bleiben, unterstreicht Erna-Kathrein Groll von der Katholischen Arbeitnehmerbewegung. Auch der Ostallgäuer Kreisverband der Jungen Union bläst zur Initiative „Gegen den Weihnachtsmann, für den Nikolaus“. „Es ist uns wichtig zu vermitteln, dass der Nikolaus christliche Werte vertritt und der Weihnachtsmann eine Erfindung der Werbung ist“, betont Kreisvorsitzende Melanie Dworacek.

Die Pfarrer der Region sehen das Thema dagegen vergleichsweise gelassen, würden ihre 'Schäflein' hier doch klar unterscheiden. 'Der Weihnachtsmann hat mit dem Nikolaus nichts zu tun', ist der katholische Pfarrer Alois Linder aus Seeg überzeugt. Die amerikanische Version stehe für den Kommerz und die Werbung, der Heilige dagegen sei das Symbol für Nächstenliebe.

'Und die Seeger sind sich dessen auch bewusst – deswegen habe ich kein Problem mit dem Weihnachtsmann.' Solange der Nikolaus noch ein Vorbild sei und der Weihnachtsmann keinen ideellen Stellenwert besitze, sei Linder 'wachsam, aber nicht aufgeregt'. Gleichwohl unterstütze er die Aktion des Bonifatiuswerks – in den größeren Städten sehe die Lage nämlich anders aus.

Nikolaus in Unterwäsche: Bloß nicht!

Sein Pfrontener Kollege Bernd Leumann stimmt ihm zu. 'Ich habe nichts gegen den Weihnachtsmann', sagt er. Der komme ja vom amerikanischen Santa Claus, also auch einem Heiligen. Allerdings werde die amerikanische Urversion in Deutschland nicht getreu übernommen, ärgert er sich. Denn darin sei Santa ja ein Heiliger und nicht einfach nur der Weihnachtsmann. 'Da liegt der Unterschied.'

Traditionell sei der Nikolaus in den Familien fest verankert und werde mit dem Besinnlichen verbunden – der Weihnachtsmann dagegen diene vor allem der Werbung. Diese Trennung ist Leumann recht: 'Das ist besser, als den Heiligen für den Kommerz zu nutzen.

' Man stelle sich nur einen Heiligen Nikolaus vor, der für Unterwäsche wirbt.

'Wenn man sich auf das Wesentliche in der Weihnachtszeit besinnt, kommt man geistig mit dem Weihnachtsmann gar nicht in Verbindung', lautet die Einschätzung des evangelischen Pfarrers Thomas Seitz (Lechbruck). Der Weihnachtsmann sei also keine Bedrohung. Zumal der US-Import hierzulande 'keinen Stellenwert' habe.

'Für viele Firmen ist der Weihnachtsmann ein wichtiges Utensil', hat Horst Fischer von der Werbegemeinschaft Füssen festgestellt. Die Werbefigur sei fest in die Adventszeit integriert und soll für höhere Verkaufszahlen sorgen – weitere Bedeutung habe er aber nicht. 'Nikolaus und Weihnachtsmann sind nicht zu vergleichen, wir sprechen hier von zwei Welten', so Fischer.

Denn nur der Nikolaus verkörpere hehre Werte wie das Gute und Brave. Auch Jonas Schöck, Organisator des Nesselwanger Klausentreibens, favorisiert den Heiligen. Der Nikolaus stehe zudem für uralte Tradition. 'Von ihm wurde ja schon im siebten Jahrhundert das Klausentreiben abgeleitet.'

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