Transalp
Das Herz blutet, der Verstand siegt

Am Mittwochabend wäre eigentlich ein Kardiologe im Füssener Rathaus vonnöten gewesen. Denn nicht nur Jürgen Doser (Freie Wähler) meinte: «Mir blutet das Herz.» Auch andere Stadträte schmerzte die Entscheidung, die sie aber letztendlich einstimmig trafen.

Füssen verzichtet darauf, Startort für die «Craft Bike Transalp» zu sein. Denn der finanzielle Aufwand sei für den eher geringen touristischen Nutzen zu hoch, meinten die Kommunalpolitiker übereinstimmend.

«Subjektiv eine tolle Sache»

Dreimal startete in Füssen die Transalp: 2006, 2008 und heuer im Juli. Bürgermeister Paul Iacob erinnerte an die Veranstaltungen rund um das wohl bedeutendste und härteste Mountainbike-Etappenrennen der Welt, die «subjektiv sicher eine tolle Sache» waren. Doch: «Der Einsatz der Finanzmittel ist zu hoch», meinte der Rathaus-Chef. Für die Lizenzgebühr, die Pasta-Party und zig kleinere Posten - von der Abfallentsorgung bis zu T-Shirts für die Helfer - fielen 2008 Kosten in Höhe von über 38000 Euro an, berichtete Markus Gmeiner für die Verwaltung. In diesem Jahr drückte die Stadt die Ausgaben, wo immer es nur möglich war. Auch dank eines 5000-Euro-Zuschusses von Füssen Tourismus und Marketing (FTM) blieben an der Kommune deshalb geringere Kosten (rund 28800 Euro) hängen.

Doch steht dieser finanzielle Aufwand in einem vernünftigen Verhältnis zum touristischen Nutzen? Das war die Kernfrage, als der Stadtrat über eine weitere Beteiligung an der Transalp ab dem Jahr 2012 diskutierte. Klare Antwort von FTM-Chef Stefan Fredlmeier: «Aus touristischer Sicht kann ich es nicht empfehlen.»

Zum einen richte sich die Transalp an sportlich überaus ambitionierte Mountainbiker, die rund um Füssen kaum Strecken mit höchsten technischen Ansprüchen finden. Daher spreche man mit diesem Rennen nicht gerade eine der Füssener Zielgruppen an. Zum anderen profitieren die Beherbergungsbetriebe nicht wirklich von den rund 1200 Teilnehmern der Transalp, die im Juli - also mitten in der Hauptsaison - startet. Die Unterbringung für nur eine Nacht könne zu Kapazitätsengpässen auf Kosten von Stammgästen führen.

Zwar bedauerten die Stadträte quer durch die Fraktionen, dass das Rennen nicht mehr in Füssen gestartet werden soll. Doch der Verstand obsiegte über das Herz: «Es ist sinnvoll und finanziell eine gute Entscheidung», sagte zum Beispiel CSU-Fraktionsvorsitzender Heinz Hipp. Einstimmig wurde beschlossen, sich nicht mehr als Transalp-Startort zu bewerben.

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