Facebook
Das halbe Leben online

Felix Zwerger mag Model Megan Fox. Das ist kein Geheimnis: Felix lässt das jedermann wissen. Online, auf seinem Profil im sozialen Netzwerk «Facebook» (siehe Infokasten). Neugierige Nutzer erfahren dort auch, dass Felix Fan des FC Liverpool ist. Er hat zudem ein Herz für Flora und Fauna: Ihm gefällt der WWF Deutschland. Und er geht auf eine Baumschule. «Das Letzte stimmt natürlich nicht», kommentiert Felix seinen Scherz im Netz: «Ich mache eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann.»

Seit dem Frühjahr ist Felix auf «Facebook» vertreten, ebenso sein Freund Maximilian Kuisle. Wie viele andere junge Ostallgäuer folgen die beiden 18-Jährigen damit dem Trend weltweiter Vernetzung. Über den Globus verteilt tummeln sich mehr als 500 Millionen aktive Nutzer auf der sozialen Plattform. Das entspricht in etwa der Bevölkerung Europas. Die meisten Meldungen, Nachrichten und Grüße versenden Jugendliche oder junge Erwachsene zwischen 16 und 30 Jahren.

Dabei gehen sie oft zu leichtfertig mit ihren Daten um, hat Christian Kiesewetter festgestellt. Der Mathematiklehrer des Gymnasiums Hohenschwangau will die Schüler deshalb für Datenschutz im Internet sensibilisieren. «Viele geben ihr komplettes Leben online preis und wissen nicht um die Folgen.»

Besonders heikel sei das sorglose Einstellen von Fotos - zumal laut Kiesewetter immer mehr Personalabteilungen Bewerber mit Hilfe des Netzes durchleuchteten, um an zusätzliche Informationen zu gelangen. Eine Praxis, die heimische Großfirmen auf AZ-Nachfrage allerdings nicht bestätigten. Auch Kollegin Lucie Fuchs vom Gymnasium Füssen ist wegen des naiven Umgangs vieler Schüler mit der Plattform besorgt. Der Lehrerin für Wirtschaftsinformatik sind viele Applikationen der Plattform nicht geheuer. «Facebook kopiert beispielsweise das gesamte E-Mail- Adressbuch des Nutzers für eigene Zwecke, sobald dieser die Funktion Freunde finden aktiviert.»

Felix und Maximilian fühlen sich ungeachtet dessen auf der sicheren Seite. Für den Nesselwanger und den Pfrontener ist Facebook ein seriöses Internetunternehmen, dem man seine Daten guten Gewissens anvertrauen könne. Maximilian hat zwar schon davon gehört, dass die Plattform «nicht ganz sicher sein soll», sieht die Lage aber nicht bedrohlich. «Von uns gibt es dort ohnehin nicht viel belastendes Material», begründet Felix den offenen Umgang mit seinen Daten im Netz. Zudem sehen sie sich als Passivnutzer: «Wir schauen meistens nur durch die Statusmeldungen unserer Freunde, um uns auf dem Laufenden zu halten.» So informieren sich die beiden zum Beispiel über Partys, «das erspart das ewige Herumtelefonieren im Freundeskreis.»

Beim Klicken bekomme man aber auch viele sinnlose Kommentare mit. «Da liest man Sachen wie: ,Gehe jetzt aufs Klo. Das brauch ich von meinen Freunden nicht zu wissen», so Maximilian. Überhaupt ist der Begriff «Freund» bei Facebook weit gefasst. Für die beiden 18-Jährigen hat er zumindest keinen großen Stellenwert. 239 Freundschaften pflegt Maximilian online, bei Felix sind es 285. Mit den meisten habe man aber nichts zu tun, erläutert Maximilian. «Regelmäßig treffe ich mich mit rund 15 Leuten. Das sind dann auch richtige Freunde.»

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