Adventszeit
Bloß kein Weihnachts-Stress

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Füssen lockt am Samstag mit seiner romantischen Seele. Der Schnee hat die Stadt mit einem weißen Polster überzogen, in der Innenstadt leuchtet und glitzert es heimelig. Und im Klosterhof wartet der Weihnachtsmarkt auf Besucher. Dazwischen immer wieder Menschen, die auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken im Eiltempo durch die Gassen eilen. In so einem Moment sind sie förmlich zum Greifen nah, die zwei modernen Gesichter der Adventszeit: Kommerz und Besinnung.

Nicht wenige Ostallgäuer freilich stemmen sich bewusst gegen Hektik und Gedränge. Sie genießen einen Weihnachtseinkauf ohne Zeitdruck. Manche bleiben an den Samstagen ganz zuhause, backen Plätzchen - oder suchen Einkehr in einer Kirche. Etwa bei der frühmorgendlichen Rorate-Messe. Die Andacht bei Kerzenschein ist bei den Katholiken Tradition, um sich auf die Ankunft des Herrn vorzubereiten. «Der Sehnsucht Raum geben» will auch die evangelische Christuskirche mit ihren abendlichen Adventsandachten.

«Die ganze Hetze bringt doch nichts», findet Waldtraut Hartwig aus Schwäbisch Hall, die am Samstagvormittag in Ruhe nach kleinen Überraschungen für ihre Lieben sucht. «Für mich gehören Geschenke zu Weihnachten, und ich will sie in Ruhe aussuchen. Sie sollen ja auch genau zum Beschenkten passen.»

Auch Margret und Wolfgang Sauter aus Füssen kaufen ihre Geschenke frühzeitig, um keine Hektik aufkommen zu lassen. «Wir haben schon vor dem 24. Dezember alles zusammen und genießen diesen Vormittag dann in der Stadt, etwa bei einem Glühwein».

Hektik scheint auch Elke Schwenger fremd zu sein. Die Einzelhändlerin (Wäsche Schwenger) ist mit dem Weihnachtsgeschäft sehr zufrieden und findet: «Man muss sich selber auch ein bisschen in weihnachtliche Stimmung bringen. Ich habe schon zwei Mal Laible gebacken». Für sie kommt der Stress meist erst nach den Festtagen. Dann würden die verschenkten Gutscheine eingelöst, zudem zöge es verstärkt Urlauber in die Geschäfte.

Die Fußgängerzone war zwar am Samstag nicht sehr belebt. Einzelhändler Klaus Keller, Vorsitzender der Werbegemeinschaft, ist dennoch «mehr als zufrieden mit der bisherigen Saison.» Das Wetter sei schließlich ideal für den Handel: «Der Schnee gibt die besten Impulse, gerade für Skier und Snowboards». Kunde Simeon Francois schaut gerade nach einem Skihelm. «Sicherheit beim Skifahren ist wichtig», betont er. «Und jetzt habe ich Zeit, einen Helm zu kaufen.»

Zeit nimmt sich auch Monika Vogler, die Frau des Mesners von Acht Seligkeiten. Sie unterstützt ihren Mann bei der Vorbereitung zur Rorate-Messe. Dekan Frank Deuring bietet dieses «Engelamt», wie es früher genannt wurde, in der Adventszeit am Freitagabend und sonntags frühmorgens an.

In der dunklen Kirche leuchten dann die kleinen Lichter der Besucher und kündigen das große Licht an, das den Menschen an Weihnachten begegnen kann. Früher wurden an jedem Tag der Adventszeit Rorate-Messen gefeiert. «Wir mussten als Kinder jeden Morgen vor der Schule in der Adventszeit in die Kirche», erinnert sich Elisabeth Groß.

Heute nutzen die Menschen gezielt diese «Zeiten der Stille». «Sie sie sind etwas ganz Besonderes», findet Christine Ebert, die mit ihrem Mann am Sonntag früh aufgestanden ist. Beide haben mit den vielen anderen Gläubigen gebetet, «dass wir erkennen, dass nicht Äußerlichkeiten an Weihnachten das Wichtige verdecken.» Entscheidend sei, dass sich «unser Innerstes auf den Weg macht», wie es der Dekan in seiner Fürbitte formulierte. (sr/raf)

 

Auch wenn sich die Kunden am Samstag in der Innenstadt nicht gerade drängten - das Weihnachtsgeschäft beschert dem Füssener Handel gute Umsätze.

 

Kerzen tauchten die katholische Stadtpfarrkirche St. Mang gestern frühmorgens bei der traditionellen «Engelsmesse» in ein besonderes Licht. Der Seele in der Vorweihnachtszeit eine Auszeit gönnen - das will auch die evangelische Kirche bei den Adventsandachten in der Christuskirche. Fotos (3): Schroeder

 

Große Augen machten gestern Abend die jüngsten Besucher des Füssener Weihnachtsmarktes im Klosterhof, als ihnen Weihnachtsengel Julia Böck Geschenke überreichte. Foto: Peter Samer

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