Bergsteigen
Bergsteigerlegende Kammerlander: Vortragstour nach Autounfall

Hans Kammerlander betritt auf Krücken den Saal des Gemeindezentrums Sankt Nikolaus im Ostallgäuer Pfronten. An diesem Sonntagabend hält der Südtiroler Spitzenbergsteiger erstmals wieder einen Vortrag nach seiner Zwangspause wegen eines schweren Autounfalls.

Dass 'der Hans', wie ihn hier viele nennen, einen Unfall hatte, wissen die meisten der rund 180 Zuhörer. Weniger bekannt sind die genauen Umstände. Hans Kammerlander habe eine 'schwere Zeit' hinter sich, sagt Bergführer Toni Freudig bei der Begrüßung, ohne auf Einzelheiten einzugehen. Er hat den 57-Jährigen zu dem Vortrag nach Pfronten geholt.

Seit einigen Tagen ist der Gips ab

Es war am Abend des 26. Novembers im vergangenen Jahr: Auf einer Landstraße bei Bruneck (Pustertal) kommt es zu einem schweren Verkehrsunfall, in den neben Kammerlander mehrere andere Pkw-Lenker verwickelt sind. Es gibt mehrere Verletzte, ein 21-jähriger Südtiroler stirbt kurz nach der Karambolage. Kammerlander kommt ins Krankenhaus, wird am rechten Bein operiert. Erst vor wenigen Tagen ist ihm der Gips abgenommen worden. 1,48 Promille Alkohol soll der Alpinist zum Unfallzeitpunkt im Blut gehabt haben.

Seit dies bekannt wurde, ist zumindest in manchen Internetkommentaren die Stimmung umgeschlagen. Jahrelang wurde der bodenständige Alpinist auf einer Welle der Sympathie getragen, jetzt sind auch wütende Postings zu lesen. Dabei ist die Schuldfrage noch völlig offen. Bei seinem Vortrag in Pfronten geht der nach Reinhold Messner wohl erfolgreichste Expeditionsbergsteiger nicht weiter auf den Unfall ein. Er spricht vom 'tragischen Autounfall', den er gehabt habe und sagt fast schon entschuldigend: 'Aber erzählen kann ich auch mit einem verletzten Fuß.'

Dann berichtet er von seinem 'Seven-Second-Summits-Projekt', von der Besteigung der zweithöchsten Gipfel aller sieben Kontinente. Die sind zumeist technisch wesentlich schwieriger und anspruchsvoller als die höchsten Berge der sieben Kontinente. Und Kammerlander hat - wenn möglich - versucht, vom Gipfel mit Skiern abzufahren. Die Ermittlungen nach dem Autounfall würden wohl noch einen Monat dauern, berichtet Kammerlander auf Nachfrage in der Vortragspause.

Erinnern könne er sich noch an den heftigen Aufprall. Im Hinblick auf die Alkoholfahrt sagt er ganz klar: 'Ich habe einen Riesenfehler gemacht.' Nun müsse er die Ermittlungen abwarten und dann die Konsequenzen tragen. 'Ich habe schon viele Tiefschläge erlebt', sagt der Bergsteiger, der 13 der 14 Achttausender bestiegen hat und in mancher Situation am Berg dem Tod näher als dem Leben war.

Nun aber könnte es sein, dass ihm am Tod eines anderen Menschen zumindest eine Mitschuld gegeben wird. Dass er in manchen Internetforen jetzt aus der Anonymität heraus beleidigt und vorverurteilt werde, hat den 57-Jährigen betroffen gemacht. Dagegen wolle er sich - wenn möglich - juristisch zur Wehr setzen, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung.

Das nächste Projekt: Die Matterhörner der Erde

Möglichst bald will der 57-Jährige wieder fit sein und die Matterhörner der Erde besteigen - die Berge weltweit, die dem Matterhorn am ähnlichsten sehen. Schon bald wird er die Krücken in die Ecke stellen können. Doch der Unfall hat Folgen, die nicht heilen.

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