Special Winter SPECIAL

Proteste
Behinderte und ihre Interessenvertreter mahnen vor dem Füssener Bahnhof bessere Bedingungen für Reisen mit der Bahn an

'Für Behinderte ist der Bahnhof so angenehm, wie für uns Eisplatten im Winter', sagt Hans-Martin Beyer, Behindertenbeirat der Stadt Füssen. Die Umstände seien verheerend, erklärt Hilde Brötzner: 'Wir machen unserem Ärger Luft!' Am Füssener Bahnhof sind am Freitagnachmittag etwa 40 Personen dem bayernweiten Protestaufruf der Vereinigung Kommunaler Interessenvertreter von Menschen mit Behinderung gefolgt. Ihre Forderung: Barrierefreies Reisen muss für alle möglich sein.

Mit Glocken, Trillerpfeifen und Transparenten wiesen die Protestierenden in Füssen auf die erschwerten Umstände hin, die Behinderte beim Reisen in Kauf nehmen müssen. Die Demonstranten hatten zwar auch ein Lob für die behindertengerechte Toilette am Füssener Bahnhof und die Rampe, die zu den Gleisen führt, aber auch viele Verbesserungsvorschläge: 'Es kann nicht sein, dass es vier Monate dauert, bis man eine Kloschüssel repariert', klagt Brötzner.

Auch der Service der Deutschen Bahn sei nicht einwandfrei, erklärt Renate Dantinger von der Offenen Behindertenarbeit (OBA) des Roten Kreuzes Ostallgäu. 'Eine Kollegin kam mit einigen Minuten Verspätung mit dem Zug in München an. Da war das vorab informierte Servicepersonal, das beim Aussteigen behilflich ist, nicht mehr zu sehen.

Zwar gebe es eine mobile Einstiegshilfe für alle Bedürftigen, die sei aber nicht ausreichend, erklärt Renate Dantinger: 'Es gibt allgäuweit nur zwei Personen, die das Gerät bewegen dürfen.' Wenn diese Beiden zum Beispiel in Memmingen beschäftigt seien, sei in Füssen das Einsteigen für in ihrer Beweglichkeit eingeschränkte Menschen fast unmöglich. 'Dann ist man wieder auf freundliche Passanten und den Schaffner angewiesen – und das, obwohl man sich 72 Stunden vorher angemeldet hat.'

Es passiert etwas – nur langsam

Der Verband möchte auch Menschen mit Behinderungen spontanes Reisen ermöglichen. 'Wir wollen, dass sich die Lebenssituation von mobilitätseingeschränkten Menschen zum Besseren wendet', so Dantinger. Der Verband und andere Interessenvertreter stünden in Verhandlungen mit der Deutschen Bahn. 'Es ist ja nicht so, dass die Bahn ablehnend wäre und wir auf taube Ohren stießen, aber es passiert halt nichts oder nur sehr langsam.'

Aber momentan freue man sich, dass der Protest so viele Teilnehmer fand, sind sich Beyer und Dantinger einig. 'Junge und Alte – passieren kann immer was.

Und auch wenn man einen Rollator hat, ist man mobilitätseingeschränkt', erklärt Beyer, hebt wieder sein 'Inklusion – Wir arbeiten dran'-Transparent und lässt seine Schelle erklingen.

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