Soziales
Begleiter auf dem letzten Weg

«Man lernt, wie unwichtig Manches ist», sagt Waltraud Müller und setzt nach: «Man sieht viele kleine Probleme viel gelassener als vorher.» Auch Josephine Gast haben die letzten neun Monate verändert: «Ich habe nicht nur gelernt, mein Verhalten zu reflektieren: Auch mit dem eigenen Tod beschäftigt man sich.» Was die beiden Frauen erzählen, klingt, als müssten sie sich Gedanken über ihr eigenes Ableben machen. Doch vielmehr haben sich Müller und Gast mit dem Sterben anderer auseinandergesetzt: Seit Februar durchlaufen die beiden Seegerinnen im Hospizverein Südliches Ostallgäu eine Ausbildung zur Hospizbegleiterin - und beenden diese nun am Freitag, 26. November, mit einer Aussendungsfeier.

«Wir bilden derzeit insgesamt zehn Hospizbegleiter aus», erzählt Vorsitzende Brigitte Engelhard-Lechner. Erstmals seit der Gründung des Vereins 2007 werden derartige Lehrgänge angeboten. Insgesamt 140 Einheiten (pro Einheit 45 Minuten) absolvierten die Hospizbegleiter. Auf dem Programm standen seit Ende Februar Seminare mit Klinikseelsorgern, Theologen oder auch Psychotherapeuten. «Die Mitarbeiter müssen neben Einfühlungsvermögen lernen, einen schwer kranken Menschen zu achten und sich zugleich mit eigenen Ängsten und Gefühlen bei Tod und Abschied auseinandersetzen», erklärt Engelhard-Lechner.

Dazu gehörten auch Praktika (40 Einheiten): «Ich war eine Woche lang in einer Wohngemeinschaft für Demenzkranke», erzählt Müller. Ihre Kollegin Gast war unter anderem in einer Füssener Pflegeeinrichtung, wo sie eine sterbende Frau mit betreute. «Ich war für sie da, habe für sie gesungen, weil ich wusste, dass sie das gerne hat», so die 46-Jährige.

Das Thema Sterben ist für die beiden Frauen kein unbekanntes Feld: «Ich habe meinen Mann lange gepflegt», erzählt Müller. Die 62-jährige gelernte Kinderkrankenschwester, die unter anderem im Klinikum Enzensberg arbeitete, hatte mit «vielen sehr kranken Menschen, teilweise auch mit Sterbenden» zu tun. Ein Vorteil, wie Engelhard-Lechner betont: «Auf diese Erfahrungen kann man aufbauen.»

Gast ist gelernte Hauswirtschafterin und hat lange ihre Mutter gepflegt: «Das Thema Sterben ließ mich nicht mehr los.» Ähnlich ging es Müller: «Anstatt wegzuschauen, will ich Menschen beistehen.»

Nun beenden die insgesamt zehn Hospizbegleiter ihre Ausbildung. Auch wenn noch ein Gespräch stattfindet, in dem sich entscheidet, ob sie für den Verein arbeiten wollen, sind sich die beiden sicher: «Das können wir uns gut vorstellen.» Gut vorbereitet auf ihre Aufgabe fühlen sie sich. Dennoch sehen sie ihre Tätigkeit als Herausforderung, wie Gast verrät: «Mich selbst zu hinterfragen, wie ich in bestimmten Situationen reagieren würde - das wird mich in der nächsten Zeit noch beschäftigen.»

Die Aussendungsfeier der Hospizbegleiter findet am Freitag, 26. November, um 19 Uhr im Haus «Zauberberg» in Pfronten-Rehbichl statt.

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