Dreharbeiten
Bayerisches Fernsehen zeichnet seit gestern in Füssen «Kunst Krempel» auf

Ein Lächeln huscht übers Gesicht von Annemarie Hellmuth. Gerade eben ist die gebürtige Füssenerin mit ihrem Mann Berthold aus dem grellen Scheinwerferlicht an ihren kleinen Tisch im Kaisersaal zurückgekehrt. Der zweite Auftritt vor dem Experten-Team hat gepasst. Alles ist im Kasten, Regie und Aufnahmeleitung nicken zufrieden. Und das Ehepaar? Erschöpft, aber glücklich hält es seinen Familienschatz in Händen: ein Fayence-Tintenzeug aus dem 18. Jahrhundert. Und der ist eine Rarität, kein Ramsch. «Ein sehr seltenes Stück, wunderschön bemalt und fast perfekt erhalten», lautet die Expertise, die Fachmann Gert Nagel vor laufenden Kameras ausgestellt hat.

Auf solche Sätze hoffen sie alle - die Besitzer antiker Keramik- und Zinn-Objekte, die gestern Vormittag voller Erwartung im barocken Prunksaal des einstigen Klosters St. Mang auf den großen Moment harren. Einer nach dem anderen wird nach exakt ausgeklügeltem Plan vor die Kameras gebeten. Für die Aufzeichnung seiner Reihe «Kunst & Krempel» überlässt das Bayerische Fernsehen nichts dem Zufall, verrät Redakteurin Claudia Eberle. Schließlich sollen in Füssen bis Sonntag knapp 30 Folgen des «Flaggschiffs» produziert werden. «Da muss jeder Handgriff sitzen.»

Mit Maske und Lichtsteuerung, Regiewagen, diversen Kameras und Mischpulten sowie einem Catering-Team ist der BR präsent. «Die Räume sind wunderbar für unsere Serie», schwärmt Eberle. Zwar gehe es im Kaisersaal eng her, auf der anderen Seite schaffe das Atmosphäre.

Der enormen Präzision des 70-köpfigen Fernseh-Teams muss auch das Ehepaar Hellmuth Tribut zollen. Weil eine Kameraeinstellung anfangs nicht 100-prozentig stimmt, wird der Gang zum Expertentisch wiederholt. «Was haben Sie uns Schönes mitgebracht?», lautet die Begrüßung von Dr. Silvia Glaser vom Germanischen Nationalmuseum. «Ein Familienstück?» Berthold Hellmuth, dessen Vorfahren Tuchmacher waren, nickt. «Als Kind habe ich mich geärgert, weil das Schreibzeug nicht zum Spielen taugte», erzählt er. «Gut, dass Sie so sorgsam waren», entgegnet Gert Nagel.

Denn der tolle Zustand der fränkischen Fayence mit Tintenfass und Federkielhalter lasse den Wert auf gut 1500 Euro klettern.

Ähnlich taxiert Nagel einen Fayence-Birnkrug mit seltenem chinesischem Motiv. Als Nachguss mit vergleichsweise geringem Wert entpuppt sich dagegen ein Zinnteller Nürnberger Machart. Sein Besitzer, der das Stück vor Jahrzehnten für 30 Mark kaufte, trägts mit Fassung - der ideelle Wert zähle.

Ab der Jahresmitte sollen die knapp 30 Füssener Folgen im Wechsel mit anderen Aufzeichnungen ausgestrahlt werden (samstags, 19.45 Uhr). Dann ist wohl auch ein Kinderportrait aus dem späten 19. Jahrhundert zu sehen, das aus dem Umfeld des Malers Franz Lenbach stammt. Sein Einlieferer: Füssens Bürgermeister Paul Iacob

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