Umfahrung
Bauamt erneuert Zweifel an rascher Umsetzung der Füssener Ortsumfahrung

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Es war ein schwacher Trost für die zahlreichen Projektgegner unter den rund 200 Bürgern, die sich am Montagabend im Schwangauer Schlossbrauhaus zum gemeinsamen Infoabend zur Umfahrung für Füssen und Schwangau getroffen hatten. Denn wie sie von Bruno Fischle (62), dem Leiter des Staatlichen Bauamtes Kempten, erfuhren, werden die meisten wohl nicht mehr selbst von der Verwirklichung betroffen sein. 'Ich weiß nicht, ob meine Enkel das noch erleben werden. Ich erlebe es auf alle Fälle nicht mehr', antworte er auf die Frage eines Gastes, wann frühestens mit einer Verkehrsfreigabe zu rechnen sei.

Dennoch kochten die Emotionen nach der Vorstellung möglicher Trassen (Grafik) immer wieder hoch. Wenngleich vom Staatlichen Bauamt stets betont wurde, dass es sich lediglich um Vorschläge handele. 'Aus meiner Sicht braucht Schwangau keine Umfahrung, sondern eine Regelung für den Fernverkehr', argumentierte etwa Michael Merath, Ortssprecher von Brunnen.

Eine Idee, der sich die Schwangauerin Lydia Högg anschloss: 'In der Früh ab halb fünf kommen die ganzen Lastzüge. Ich fahre schon auf dem Gehsteig, weil ich mich nicht mehr traue, auf der Straße zu radeln.'

Eine von Merath vorgeschlagene Tonnagen-Begrenzung für den Fernverkehr ist laut Fischer vom Bauamt auf einer Bundesstraße wie der B 17 nicht möglich. Wenigstens seien die neuen 'Gigaliner' dort nicht zugelassen. Einen weiteren Vorschlag von Heinz Böhling, eine Verkehrsinsel am Schelleweg zu errichten, um den Auto- und Lkw-Verkehr über eine Fahrbahnverengung zu verlangsamen, wolle man hingegen prüfen, so Fischle.

Ob eine vorgeschlagene Geschwindigkeitsbegrenzung 'Tempo 50' ab Horn Erfolg bringt, bezweifelte Schwangaus Bürgermeister Reinhold Sontheimer. 'Unsere Gäste halten sich in der Regel an Tempobegrenzungen.

' Die Erfahrung zeige aber, dass es 'leider oft Einheimische sind, die sich nicht daran halten', erläuterte der Rathauschef.

Auch dass alles zu langsam gehe und keine konkreten Zahlen und Statistiken vorlägen, wurde bemängelt. 'Eine vierstündige Zählung reicht meiner Meinung nach nicht aus, um so ein Projekt zu beurteilen', beklagte Christine Fröhlich aus Füssen. Ein Verkehrsgutachten mache nur dann Sinn, wenn zeitnah eine Umsetzung erfolgt, erklärte Bauamtsleiter Fischle. 'Wir brauchen zuerst die gesetzliche Grundlage, die Einstufung in den vordringlichen Bedarf.'

Ob Füssen das Verkehrsproblem ohne Hilfe der Schwangauer in den Griff bekommen könnte, wurde ebenfalls diskutiert. Denn laut Josef Merk vom Staatlichen Bauamt erzeuge die Stadt Füssen (mit ihrem sogenannten Binnenverkehr) laut Zählung den Verkehr im Zentrum in großen Teilen selbst. Ob eine Umfahrung die Lösung für die Probleme in der Innenstadt ist, sei nicht definitiv sicher und bedürfe vorher weiterer Untersuchungen.

Das Problem auf Füssener Flur an der Wurzel anpacken – dazu riet auch Dr. Michael Krehl von der Interessengemeinschaft (IG) 'Schwangau braucht keine Umgehungsstraße'. Er schlug eine Fußgängerunterführung im Stadtzentrum vor. Für Fischle eine gute Idee, die aber die Gefahr berge, dass viele Fußgänger oberirdisch abkürzten, weshalb es anderswo schon zu tödlichen Unfällen gekommen sei.

'Wenn uns die Stadt Füssen einen geeigneten Punkt für eine Unterführung aufzeigt, werden wir den Vorschlag prüfen', sagte er. Das habe dann aber nichts mit der eigentlichen Umfahrung zu tun.

Umfahrung über Österreich

Christine Fröhlich schlug eine Umfahrung südlich durch Österreich vor – durch den Grenztunnel über Weißhaus und die Ziegelwies zur Horner Gabel. Sontheimer erinnerte, dass diese Pläne schon einmal auf dem Tisch lagen. Damals wollten er und Dr. Paul Wengert Verkehrsschilder für Schlossbesucher in Österreich aufstellen lassen. Jedoch habe das Land Tirol dies abgelehnt, da man nicht auf ausländische Sehenswürdigkeiten aufmerksam machen wolle.

Ad acta gelegt seien die Pläne aber nicht: 'Das wäre eine mögliche Umfahrung für Füssen und der Aufwand wäre gering: Man bräuchte nur ein paar Verkehrsschilder', so Sontheimer.

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