Geigenbauschule
Ausgezeichnetes Gehör für den perfekten Klang

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Oliver Radke und Gabriel Reinhold sind 'Meister' eines tradi­tionsreichen und filigranen Handwerks. Im Geigenbau haben sie ihren Traumberuf gefunden. In ihrer Füssener Werkstatt fertigen sie einmalige, klangvolle Meisterwerke. Aber auch wertvolle und alte Instrumente werden in die Obhut der beiden Geigenbauer gegeben.

Oliver Radke verbrachte zunächst seine Gesellenzeit bei Geigenbaumeister Pierre Chaubert in Füssen. Bevor er 2006 die Werkstatt eröffnete, arbeitet er sieben Jahre lang als Restaurator in Michigan in Amerika und auch in Singapur, Malaysia und Korea war und ist seine Erfahrung gefragt. Der 27-jährige Leipziger Gabriel Reinhold ging nach seiner Ausbildung für mehrere Jahre nach Wien. Fasziniert von der jahrhundertealten Tradition und Geschichte Füssens, der Wiege des Geigen- und Lautenbaus, führte ihn sein Weg nach Füssen. Er arbeitet gemeinsam mit Radke in dessen Geigenbauwerkstatt. 'Es herrscht ein reger Erfahrungsaustausch, von dem wir lernen und an dem wir wachsen', erzählt Reinhold.

An der renommierten und international anerkannten Geigenbauschule in Mittenwald, an der lediglich zwölf Geigenbauer pro Schuljahr aufgenommen werden, lernten Oliver Radke und Gabriel Reinhold ihr Handwerk. Was den Beruf ausmacht, lernten die beiden erst hinterher. Ein guter Geigenbauer braucht ein hervorragendes Gehör, Geduld und vor allem viel Erfahrung. Diese sammelt er durch Restaurierungen und Reparaturen. 'Geigenbauermüssen viel sehen. Das schult das Auge und inspiriert für Neubauten', so Radke. Es müssen Risse geschlossen, offene Stellen verleimt oder kaputte Holzteile ausgetauscht werden. 'Eine alte Geige soll auch nach der Reparatur aussehen wie eine alte Geige.' Wertvolle, seltene sowie bedeutsame, italienische Exemplare von Stradivari oder Guarneri haben Radke und Reinhold schon auf klanglichen Hochglanz gebracht. Spielraum für persönliche Interpretationen gibt es bei der Restauration aber selten. Bei Neubauten entwickelt jeder Geigenbauer seine eigene, unverwechselbare Handschrift. 'Wir kopieren keine Geigen oder Bratschen berühmter Geigenbauer. Sie dienen uns als Vorbild und ihre Instrumente inspirieren uns für unsere eigenen Meisterstücke. Die Neubauten verwirklichen wir dann gemeinsam mit den Klangvorstellungen des Kunden.' Der Arbeitsaufwand ist groß. Bis zu 180 Stunden braucht Oliver Radke für eine Geige, die aus bis zu 100 Einzelteilen bestehen kann. 'Bis die Geige perfekt eingespielt ist, vergeht nochmals ein halbes Jahr', erzählt Reinhold. Ein solch handgefertigtes Unikat hat seinen Preis: Um die 12.000 Euro und mehr werden fällig. 'Gute Streichinstrumente müssen zu erschwinglichen Preisen angeboten werden', so Oliver Radke. David Garretts Stradivari ist stolze fünf Millionen Euro wert. Und die wohl teuerste Stradivari-Geige wechselte für 15,9 Millionen Dollar den Besitzer.

Die beiden Geigenbauer können die Instrumente nicht nur bauen, sondern auch spielen. Seit seinem 16. Lebensjahr begleitet Oliver Radke die Liebe zur Musik. Er spielt Kontrabass und ist in mehreren Bands aktiv. Auch für Gabriel Reinhold war früh klar, dass er etwas mit Musik machen möchte. 'Meine Eltern sind professionelle Geiger und so lag es nahe, dieses Instrument zu lernen', erzählt der 27-Jährige. Musikalische Erfahrung ist wichtig: Denn man muss wissen, wohin die Klangreise geht. Manche Kunden möchten den Klang etwas heller, manche einen strahlenden Klang. 'Mit handwerklichem Geschick und Musikalität setzen wir diese Wünsche um', sagt der 51-Jährige. In Füssen gibt es noch zwei weitere Geigenbauwerkstätten. 'Das Handwerk deutscher Geigenbauer hat weltweit einen hohen Stellenwert.' Und so werden auch in Zukunft Meisterstücke von Füssener Geigenbauer auf der ganzen Welt erklingen.

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