Tafel
Auf Sammeltour durch den halben Landkreis

Eine dicke Bandage ziert den rechten Daumen von Karl Weiß. Vergangene Woche hatte der Schwangauer einen Unfall mit seiner Kreissäge. Die Tour für die Füssener Tafel lässt der 67-jährige trotz dieser Verletzung nicht ausfallen. Zusammen mit seinem 73-jährigen Kollegen Josef Selzer sammelt er auch an diesem Donnerstag ehrenamtlich und unentgeltlich Lebensmittel für Bedürftige in Bäckereien und Supermärkten, Metzgereien und Drogerien.

«Ein Großteil der Geschäfte ist von Beginn an dabei», erläutert Weiß und schwingt sich hinter das Lenkrad des Kleinbusses. Pünktlich um halb neun Uhr starten die beiden Helfer ihre «Tafelrunde». Im Wechsel mit vier weiteren Fahrer-Duos führt sie ihr Weg jeden fünften Donnerstag durchs südliche Ostallgäu. «Nesselwang und Seeg sind unsere entferntesten Ziele,» betont Selzer. «Zuerst fahren wir aber die Füssener Händler ab». Bis halb zwei Uhr müssten sie die Tour beendet haben, erklärt Weiß. Denn die Packerinnnen der Tafel bräuchten genug Zeit, um die Lebensmittel zu sortieren, bestätigt Selzer.

Nach den ersten Geschäften in der Füssener Innenstadt fahren die beiden Richtung Schwangau zum Rewe-Supermarkt. «Rewe unterstützt die Tafeln bundesweit,» berichtet Marktleiter Matthias Renk und ergänzt: «Die Ware sortieren wir vor». Den Bedürftigen gebe man alle nicht verkaufsfähigen Produkte. Die seien jedoch qualitativ einwandfrei, betont er. Als Beispiel nennt er aufgerissene Corn-Flakes-Kartons. Die Flocken selbst sind innen in Plastik verpackt, das Produkt selbst habe also keine Mängel.

Die Füssener «Lidl»-Filiale handhabt ihre Spenden anders. «Wir stellen der Tafel unsere überschüssigen Lebensmittel zur Verfügung», erklärt Filialleiter Albert Kerber. Die Fahrer könnten nehmen, was sie brauchen. Kerber schmunzelt, er müsse «sonst noch jemanden einstellen, der die ausgehenden Waren prüft».

So trennen Weiß und Selzer an der Laderampe Verwertbares von Unbrauchbarem. «Wir treffen hier nur eine Vorauswahl. Die Packerinnen kontrollieren später jede Tomate einzeln», betont Selzer. Natürlich komme es vor, dass vereinzelt etwas nicht genießbar sei, fügt Weiß hinzu. «Diese Trauben hier,» hält er eine Rebe hoch, «kann man in der Kürze der Zeit nicht einzeln prüfen.» Man müsse aber von jedem Kunden verlangen können, dass er solche Produkte nochmal eigens kontrolliert. «Das ist in jedem Supermarkt so», verdeutlicht Weiß.

In der Tafel angekommen, laden Weiß und Selzer die Lebensmittel aus. Sie treffen dabei auf die Packerinnen, die das Obst und Gemüse prüfen. «Heute sind die Lebensmittel außerordentlich gut», stellt Angela Böhning fest. Die 70-jährige Schwangauerin leitet eines der fünf «Tafel-Teams».

Im Wechsel stellt jede Woche eine Mannschaft von bis zu zwölf Mitgliedern die Pakete für die Bedürftigen zusammen. «Es kann nicht jeder alles bekommen», betont Böhning. «Wir kommen den Leuten aber ein wenig entgegen.»

Über 140 Kunden zählt die Füssener Tafel - Tendenz laut Böhning steigend. Wenn um halb vier Uhr die Pforten öffnen, herrscht Hochbetrieb. Mit Vorbereitung und Aufräumen sei das Team an diesem Donnerstag rund acht Stunden beschäftigt. «Das kann ganz schön anstrengend sein», sagt Ingrid Vrba. Die 56-jährige weist auch auf die psychische Belastung hin. «Wenn man die Kinder sieht, weiß man, wie schlecht es einem gehen kann. So etwas nimmt man mit nach Hause.»

 

Karl Weiß ist einer der rund zehn ehrenamtlichen Helfer, die für die Füssener Tafel bei Geschäften regelmäßig um Lebensmittelspenden bitten. Foto: Roth

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