Gipfelgeschichte(n)
Als das Skifahren Volkssport wurde

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Viel Spott mussten die wackeren Pioniere in der Frühzeit des Skisports ertragen. Doch nach dem Ersten Weltkrieg änderte sich das Bild: Der Skilauf gewann immer mehr Anhänger und wurde auch im Ostallgäu zum Volkssport. «Das Interesse für die Sache des Skisports ist in ständigem Wachsen begriffen, immer weitere Kreise scheinen die Schönheiten des Skisports zu erfassen und immer mehr bricht sich der Skisport die längst verdiente Bahn», schrieb der Chronist des Skiclubs Füssen im Jahr 1920. Die Skivereine in Nesselwang, Pfronten und Füssen verzeichneten einen rasanten Mitgliederzuwachs.

Besonderes Augenmerk widmete der Skiclub Füssen dem Skitourenlauf. Vereinstouren in die Ammergauer Berge, zur Schlicke im Raintal oder in die Mieminger Gruppe erfreuten sich großer Beliebtheit. Bergbahnen und Skilifte gab es nicht, die Gipfel mussten mit Ski bezwungen werden. Für die Touren im Ammerwaldgebiet hatte der Skiclub Füssen einen Raum in der alten Holzerhütte in der Bleckenau ausgebaut. Die «zweite Heimat», wie die Skiläufer ihre Hütte nannten, war so begehrt, dass der Verein die Belegung reglementieren musste.

Da die Hütte nur einen Raum hatte, «kam sie zur Übernachtung für Damen nicht in Betracht», wie der Ausschuss 1919 beschloss. Als zwei Ausschussmitglieder gegen den «Damen-Paragraphen» verstießen, wurde eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen. In geheimer Abstimmung widerrief diese jedoch den früheren Beschluss.

Im Februar räumte man den Damen des Clubs gar die «gleichen Rechte wegen der Benützung der Hütte ein wie den Herren» - für die damaligen Verhältnisse ein bahnbrechender Kurswechsel.

Die 1920er Jahre brachten glänzende Erfolge von Ostallgäuer Skisportlern. Der Pfrontener Otto Haff lief bei den Deutschen Meisterschaften im März 1921 in Oberstaufen Bestzeit, konnte aber nicht Deutscher Meister werden, weil er noch in der Klasse II startete. Er wurde mehrfacher Allgäuer Meister und war Pfrontens erfolgreichster Skiläufer dieser Zeit. Lore Haff, Gogo Mayr, Karl Manhard und Josef Zweng vertraten die Pfrontener Farben erfolgreich in den 1930er Jahren.

Die Nesselwanger Ludwig Böck und die Gebrüder Hans und Adalbert Ott errangen internationale Erfolge. Böck nahm als erster Ostallgäuer an Olympischen Spielen teil und erzielte 1928 in St. Moritz Platz sieben in der Nordischen Kombination als bester Mitteleuropäer. Der vielseitige Skisportler war auch Vorsitzender des Skiklubs Nesselwang. Hans Ott gewann die Skimeisterschaften von Tirol (1923) und Vorarlberg (1924 und 1925). Böck und Ott holten sich mehrmals Allgäuer Titel. Die Nesselwanger Staffel mit Böck, den Gebrüdern Ott, Josef Satzger und Hans Riefler gewann 1923 in Oberstaufen das erste Staffelrennen der deutschen Skigeschichte, damals noch für fünf Läufer.

Auch die Erfolge Füssener Skisportler ließen aufhorchen. Toni Behr und Hans Bitzer siegten auf Allgäuer Ebene. Hans Schertel holte sich in den 1930er Jahren im 50-Kilometer-Langlauf die Bayerische und Deutsche Meisterschaft.

Skikurse fanden bei Einheimischen wie Touristen großen Anklang. Spitzensportler wie Haff und Böck ließen sich als Skilehrer ausbilden und galten einer skibegeisterten Jugend als Vorbilder. 1921 bestanden Bruno Arnold, Franz Gingerle und Gustav Knebel als erste Füssener die Prüfung zum Skilehrer des Deutschen Skiverbands. 1925 legte Lina Haf aus Pfronten als erste Ostallgäuerin die Skilehrerprüfung ab, wie das Füssener Blatt berichtete. In Nesselwang übernahmen 1919 Alfons Tanner und Lehrer Baur den Skiunterricht der Jugend. Der seit 1913 bis heute veranstaltete Jugendskitag in der Marktgemeinde gilt als der älteste in Deutschland.

Alle Nesselwanger «Skigrößen» verdienten sich hier ihre ersten Sporen.

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