Kooperation
Abstieg vermeiden in Obdachlosigkeit

Franz M. lebt seit einiger Zeit von Arbeitslosengeld. Zuvor war er Lagerist bei einer Spedition. Aufgrund von Mietschulden steht die Zwangsräumung an. Er resigniert und unternimmt - wie viele in vergleichbaren Situationen - erst einmal nichts, um die Angelegenheit abzuwenden. Briefe öffnet er erst gar nicht, da er Unangenehmes vermutet. Er hört jedoch von der Fachstelle zur Vermeidung von Obdachlosigkeit und meldet sich bei Ute Kirchbichler in Marktoberdorf. Zwangsräumung abgewendet

Dort kann ihm geholfen werden. Die Beratungsstelle arbeitet exakt die nächsten Schritte aus und begleitet sie teilweise. Das Ergebnis: Franz M. findet eine neue Wohnung, das Jobcenter sichert die Kostenübernahme ab, eine Zwangsräumung ist abgewendet. Die Beratungsstelle der Herzogsägmühle, einer Einrichtung der Diakonie, nutzt dazu ihre Kontakte zu Gemeinden, Vermietern, Gerichtsvollzieher, Jobcenter und Schuldnerberatung.

Franz M. ist kein Einzelfall. Um Menschen in Wohnungsnot besser helfen zu können, gingen das Jobcenter für den Landkreis Ostallgäu und die seit dem März 2010 arbeitende Fachstelle zur Vermeidung von Obdachlosigkeit nun eine Kooperation ein. Den Vertrag darüber unterzeichneten der Geschäftsführer des Jobcenters, Thomas Liebner, und der Direktor von Herzogsägmühle, Wilfried Knorr.

Die Vereinbarung regelt den reibungslosen Umgang miteinander noch besser, als dies in der Vergangenheit ohnehin der Fall war, berichtet Martin Holleschovsky von der Herzogsägmühle. So sind vor allem bei kurzfristig bekannt werdenden Fällen der Zwangsräumung schnell geeignete Hilfen auch finanzieller Art notwendig, um einen Wohnungsnotfall zu vermeiden. "Dass dies schnell und reibungslos laufen muss, ist naheliegend", so Holleschovsky.

40 Fälle in einem Jahr

Im vergangenen Jahr hat die Fachstelle bereits 40 Haushalte in Situationen beraten, bei denen Obdachlosigkeit drohte. In nahezu allen Fällen spielten Schulden eine zentrale Rolle. "Viele der Betroffenen beziehen Arbeitslosengeld II (Hartz IV) oder leben von anderen Transferleistungen. Erspartes ist hier nicht vorhanden. Ein Umzug ist mit erheblichen Kosten verbunden, die erst beantragt werden müssen", weiß Ute Kirchbichler.

Eine Kaution von bis zu drei Monatsmieten "stellt aber die Betroffenen sofort vor unlösbare Probleme". Martin Holleschovsky als Leiter des Dienstes ergänzt: "Ohne unser Angebot und unsere Unterstützung sind Betroffene kaum in der Lage komplexe Antragstellungen und Planungen zu bewältigen."

Jobcenter-Geschäftsführer Thomas Liebner verspricht sich von der Kooperation die "Beseitigung von Hürden in der Abwicklung". Wilfried Knorr von Herzogsägmühle ergänzt: "Die Beteiligten wollen gemeinsam eine langfristig kostengünstigere Versorgung von Wohnungsnotfällen sicherstellen."

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