Obdachlosenfachstelle
38 Menschen einen Albtraum erspart

Es ist ein Albtraum. Der Ostallgäuer Familie M. droht wegen Mietschulden die Zwangsräumung und damit die Obdachlosigkeit. Auch ein kleines Kind ist betroffen. Die Eltern verdienen zwar beide, sind aber heillos zerstritten. Mit Einnahmen werden nur neue Löcher gestopft. Der Vermieter reicht eine Räumungsklage ein. Dass Familie M. nicht auf der Straße gelandet ist, hat sie Ute Kirchbichler von der Fachstelle zur Vermeidung von Obdachlosigkeit zu verdanken.

Seit Installierung der Stelle in Marktoberdorf im März 2010 hat die junge Pädagogin 38 Menschen geholfen und sie vor Obdachlosigkeit bewahrt. Eine Umfrage der Fachstelle bei den Ostallgäuer Kommunen hatte ergeben, dass die Gemeinden jährlich mit rund 130 Anfragen wegen drohender oder bestehender Obdachlosigkeit konfrontiert sind. «Der Bedarf für die Fachstelle ist also da», sagt Kirchbichler. Allerdings steht die Stelle vor einer ungewissen Zukunft - die auf ein Jahr befristete Finanzierung durch das bayerische Sozialministerium läuft aus, ab diesem März sind die 45 Ostallgäuer Kommunen am Zug.

Kirchbichlers Aufgabe besteht vor allem darin, Menschen zu helfen, die wegen Mietschulden vor einer Zwangsräumung stehen. Dabei sucht die Halbtagskraft, die unter dem Dach der Herzogsägmühle arbeitet, zu allererst den Kontakt mit den Betroffenen. Zuvor wurde sie ihrerseits von einer Gemeinde, einem Vermieter oder von einem Hilfesuchenden selbst angesprochen. Dann knüpft sie Kontakte, spricht mit allen Beteiligten und begleitet die Betroffenen bei Behördengängen. «Ich mache alles, was den Menschen stützt», sagt Kirchbichler. Kostenlos. Ziel ist immer, dem Hilfesuchenden Wohnraum zu verschaffen.

Je früher sich Betroffene oder Gemeinden an die Fachstelle wenden, desto größer sind die Chancen auf eine Lösung des Problems. Bei den meisten von Obdachlosigkeit bedrohten Menschen ist es nach Kirchbichlers Erfahrung eine Mischung aus vielen Risikofaktoren wie Langzeitarbeitslosigkeit und daraus entstehende Schulden, eine Suchtkrankheit oder familiäre Zerwürfnisse, die zu den existenziellen Problemen führen. Daher sucht die Fachstelle die aktive Zusammenarbeit mit der Schuldnerberatung sowie dem Jobcenter (ehemals Arge). Kirchbichler legt allerdings größten Wert darauf, dass die Betroffenen auch selbst handeln. «Ich unterstütze nur, denn es soll ja nachhaltige Hilfe sein.»

Solidarischer Akt

Doch die Zukunft der Fachstelle ist ungewiss. Seit einiger Zeit geht die Entscheidung über die Finanzierung der Stelle mit 32000 Euro pro Jahr durch die Gemeinderäte. Bislang haben sich 23 für eine Unterstützung entschieden und sechs dagegen. 16 Entscheidungen stehen noch aus. «Ich habe aber schon das Gefühl, dass die Gemeinden die Unterstützung der Fachstelle als solidarischen Akt erkannt haben», sagt Martin Holleschovsky, Leiter der Schuldnerberatung. Für die Kommunen habe die Fachstelle Nutzen und schaffe Entlastung, meint er. 24 Cent pro Einwohner und Jahr müssen die Gemeinden erheben. Nun hofft Kirchbichler bis Ende Januar auf die Entscheidung, ob sie weiterhin Menschen vor dem Albtraum Obdachlosigkeit bewahren darf.

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