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150. Jubiläum Schwangauer Krankenunterstützungsverein: Grundstein für Krankenversicherung

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Der Krankenunterstützungsverein Schwangau legte einen der Grundsteine für die Krankenversicherung in Deutschland. Schon vor 150 Jahren war der soziale Grundgedanke des 'Krankengeldes' in ein Konzept umgesetzt worden, das bis heute Bestand hat.

Der Verein hatte bereits zu seiner Gründungszeit den Zweck, im Krankheitsfalle durch eine gegenseitige Unterstützung die finanzielle Lage der Betroffenen etwas aufzubessern. Denn eine gesetzliche Krankenkasse gab es damals noch nicht.

'Ursprünglich hatte die Idee dazu ein Steinmetz, so wird es überliefert', erzählt der ehemalige Vorsitzende Markus Fischer. 'Es war eine Handvoll Arbeiter, die sich im Jahr 1867 zusammengeschlossen hat', ergänzt der amtierende Vorstand Thomas Gleich.

'Offiziell gegründet wurde der 'Verein der Handwerker am königlichen Schlossbau zu Hohenschwangau' am 3. April 1870, so schreibt es die Chronik'. Auf der Vereinsfahne aus dem Jahr 1880 wurde das Königlich Bayerische Wappen abgebildet.

Unterstützung

Die Einrichtung war revolutionär und modern zugleich. Die Arbeiter, die beim Schlossbau in irgendeiner Art beschäftigt waren, konnten nach Prüfung eines Aufnahmeantrages durch die Vorstandschaft beitreten, genauso aber auch abgelehnt werden.

Bei einem Arbeitsunfall zahlte der Krankenunterstützungsverein Sozialleistungen, Namenslisten der Unterstützten wurden bereits ab dem Gründungsjahr geführt. Angeblich hat sogar König Ludwig II. den Verein persönlich mit jährlichen Beträgen zwischen 150 und 200 Gulden großzügig unterstützt. Schließlich stellte der Schlossbau auch die größte Baustelle des Landes dar.

Maximal bis zu 100 Tage lang zahlte der Verein täglich einen Gulden an Verunglückte oder an deren Familie, was laut den Unterlagen 'ein Segen für die Betroffenen' gewesen ist. Gerüchten nach soll der König seine Unterstützung auch in anderer Form gezeigt haben, so soll er unter anderem auch seinen Leibarzt zu verunglückten Arbeitern geschickt haben.

Verein im Wandel

Nachdem der Schlossbau abgeschlossen war, nahm die Zahl der Mitglieder, unter denen immer nur Männer waren, immer mehr ab, bis der Verein sogar zeitweise kurz vor seiner Auflösung stand. Dennoch wurde die Einrichtung weiterhin erhalten. So hat der Verein im Laufe der vergangenen Jahrzehnte seit seines Bestehens insgesamt vier Währungen überlebt.

Neben den aktuellen Abrechnungen in Euro belegt die vereinseigene Chronik auch Unterlagen für Umrechnungen von Talern, Gulden, Reichs- und Deutschen Mark. Allerdings entwickelte sich die soziale Einrichtung auch immer mehr zu einem Idealverein, bei dem die Pflege der Tradition und der Gemeinschaft durch Veranstaltungen und Ausflüge immer mehr im Vordergrund standen.

Zudem verfolgt der Verein die Pflege der Schloss- und Dorfgeschichte. Auch kleinere Auszahlungen an krankheitsbedingt arbeitsunfähige Mitglieder werden heute auf Antrag noch verbucht.

Traditionen

Zu seinem 150-jährigen Bestehen zählt der Verein rund 100 Mitglieder, die, so schreibt es die Satzung, alle aus dem Schwangauer Gemeindegebiet stammen oder die nicht weiter als sechs Kilometer vom Ort entfernt beheimatet sind.

'Um den Verein weiterhin zu erhalten müssen wir die Satzung nun aber ändern', erklärt Vorstand Thomas Gleich. Denn aus seiner historischen Tradition heraus unterliegt der Verein, weil er Gelder für die Unterstützung seiner Mitglieder im Krankenstand zahlt, den offiziellen Bestimmungen des Versicherungsaufsichtsgesetzes.

Im Zuge einer gesetzlichen und steuerlichen Neuregelung müsste sich der Krankenunterstützungsverein neu ausrichten. 'Genau das ist es, was wir jetzt auch machen, um den Verein am Leben zu erhalten. Wir sind zwar dann keine Krankenkasse mehr, sondern nur noch ein Verein.'

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Redaktion extra aus Kempten

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