Operation
Wenn der Schmerz unerträglich wird: Einsatz eines künstlichen Hüftgelenks in der Klinik St. Vinzenz in Pfronten

Um nur einen Kilometer zurückzulegen, muss ein normal großer Mensch etwa 1.500 Schritte gehen. Dabei ständig im Einsatz: unsere Hüftgelenke. Bei jedem einzelnen Schritt bewegen sie sich vor und zurück.

Hochgerechnet auf 40 Jahre oder mehr wird deutlich, was für einer Belastung unsere Gelenke in den Beinen dabei ausgesetzt sind. Gelenkverschleiß in der Hüfte ist gerade im zunehmenden Alter Thema. Werden die Beschwerden zu groß, entscheiden sich heute viele Patienten für ein künstliches Hüftgelenk.

Hüftgelenksarthrose hat viele Gründe

Im Endoprothetik-Zentrum der Klinik St. Vinzenz in Pfronten zählen Hüftgelenk-Operationen zur Routine und gelten als relativ sicher. Etwa 200 solche OPs werden dort laut Dr. Michael Geyer jährlich durchgeführt. Die Gründe für den Eingriff sind vielseitig.

Bereits sehr junge Menschen unter 20 können durch Hüftgelenksarthrose betroffen sein, etwa bei chronischem Rheuma, einer Krankheit, die das Gelenk quasi auffrisst, so Dr. Geyer. Auch Sportler, die ihre Gelenke hohen Belastungen aussetzen, sind oft früh betroffen. In der Regel sind seine Patienten aber älter als 40. Angeborene Fehlstellungen und Verletzungen können die Abnutzung beschleunigen, bis der Schmerz irgendwann unerträglich wird.

Typisch ist bei Hüftproblemen der sogenannte Anlaufschmerz der etwa beim Aufstehen plötzlich auftritt und häufig in der Leistengegend sitzt. Viele gehen davon aus, dass es außen an der Hüfte weh tun müsste. Das ist aber gar nicht so, erklärt Geyer.

Auch Schmerzen im Oberschenkel oder im Gesäß können vorkommen. Der Leiter der orthopädischen Chirurgie hat aber auch schon Patienten erlebt, die durch eine unbewusste Schonhaltung Kreuzschmerzen entwickelt haben.

Beweglichkeit der Hüfte erhalten

Durch Krankengymnastik und Schmerztherapie kann sich der Zustand von Patienten verbessern. Auch eine Diät ist in manchen Fällen helfen, die Gelenke zu entlasten. Vollständig heilbar ist eine Hüftgelenksarthrose aber nicht, die Beschwerden lassen sich nur lindern. Stellen Sie sich das vor, wie ein Auto mit abgenutzten Reifen. Da kann man leider nichts machen, erklärt Dr. Geyer.

Vor allem sei es aber wichtig, die Beweglichkeit im Gelenk zu erhalten. Selbst wenn die Physiotherapie keine Schmerzlinderung mehr erzielt, kann sie immer noch zu einem guten OP-Ergebnis beitragen.

"Patienten sollen nach der Operation dort weitermachen können, wo sie davor mit Schmerzen aufgehört haben"

Im Vergleich zu früher ist der Eingriff für den Patienten schonender geworden. Deshalb wird heutzutage auch früher operiert, anstatt die Operation so lange wie möglich herauszuzögern. Während noch vor einigen Jahren der komplette Muskel abgetrennt werden musste, reicht heute ein sechs bis zehn Zentimeter langer Schnitt aus, um das Hüftgelenk auszutauschen. "Auch die Heilung ist so für den Patienten angenehmer. Da der Schnitt an der Leiste gemacht wird und nicht seitlich, kann man sogar bald nach dem Eingriff schon wieder auf der Seite schlafen."

Autofahren klappt nach etwa sechs bis acht Wochen wieder, Radfahren auf dem Standfahrrad in der Reha klappt sogar meist von Anfang an ganz gut. Draußen erlaubt es Dr. Geyer in den meisten Fällen ab etwa acht Wochen wieder. Auch anspruchsvolle Sportarten wie Bergsteigen oder Skifahren sind nach vier bis sechs Monaten wieder machbar, allerdings nur wenn der Patient den Sport schon vor der Operation regelmäßig betrieben hat. "Patienten sollen nach der Operation dort weitermachen können, wo sie davor mit Schmerzen aufgehört haben", sagt Dr. Geyer.

Für Menschen mit Hüftproblemen empfiehlt der Arzt vor allem aber gelenkschonende Sportarten wie schwimmen, Radfahren oder spazieren zu gehen. Von Bewegungen wie beispielsweise beim Joggen, die stark auf die Gelenke gehen, rät er ab.

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