Faszination
Jacob Schmölz (67) aus Pfronten hat seit 49 Jahren das Oldtimer-Fieber

Austin Healey, Baujahr 1957, 2,7 Liter 6-Zylinder, 121 PS. Wert: Ca. 40.000 Euro. Der Motor dröhnt heiser. Die Sitzposition ist sportlich, Komfort Fehlanzeige. Den will er auch nicht.

Mit 18 Jahren begann bei Jacob Schmölz die Leidenschaft für englische Fahrzeuge. Sein Vater wollte ihm einen VW kaufen, er wollte einen Mini Cooper. Den musste er allerdings selbst kaufen und dann auch - knapp bei Kasse - selbst reparieren. Was aus der Not begann, entwickelte sich zum Hobby. Mittlerweile hat er vier englische Oldtimer in seiner Garage: Neben dem 57er Austin Healey einen 59er Austin Healey Sprite, einen 55er Jaguar XK und einen 69er Jaguar E-Type. Nicht zum Anschauen, sondern zum Fahren. "Da geht eigentlich nie was kaputt, wenn man sie bewegt." Und das tut er, meist täglich oder zumindest einmal wöchentlich.

Reparaturen macht er selbst. Einstellarbeiten am Vergaser, Ölwechsel, alles kein Problem. Schmölz, der mit seinem Sohn zusammen einen Frisörsalon betreibt, ist beruflich also von seinem Hobby ganz weit entfernt. Kein Nachteil - eher im Gegenteil: "Es macht Spaß, an so einem Auto zu schrauben. Am Samstagnachmittag nach Geschäftsschluss gehe ich in die Garage und dann fahre ich sofort runter mit meinen Nerven."

Das Fahren ist das Wichtigste. "Wenn Sie mit dem Auto fahren, und Sie spüren, dass sich da was bewegt, der Sound, dass er in den Kurven holpert, das ist der Kampf mit der Maschine. Das ist meine Ansicht, ich brauche keine Einparkhilfe."

Beim Thema Zustand und Umgang mit dem Oldtimer gehen die Meinungen bei den Oldtimerfans auseinander. Viele behandeln ihre Schätze wie Museumsstücke, weder Regen noch übermäßige Sonneneinstrahlung dürfen Technik und Optik gefährden. Zustand "1" (=wie neu oder sogar besser) ist hier das Maß aller Dinge. Schmölz' 57er Austin sieht man die Jahre durchaus an. Der Lack hat kleine Kratzer, vom Dachgestänge blättert die Farbe ab. Das soll so sein. Den Zustand beschreibt er selbt mit "einer guten 3" (gebrauchstauglich und verkehrssicher, ohne akuten Reparaturbedarf). Es fördert für ihn den Spaß mit dem Auto, wenn er es nicht ständig wie ein rohes Ei behandeln muss.

Die einfache Technik begeistert Jacob Schmölz bis heute. "Wenn hinten der Strom reingeht und vorne nicht mehr rauskommt, dann ist ein Kabel ab." Kein Vergleich mit heutiger Technik, für die man zur Fehlersuche ohne Computer gar nicht mehr auskommt.

Faszination Form

Als er seinen Jaguar E-Type beim Lackierer hatte, bekam er zu hören: "Ein schönes Auto. Formen wie eine Frau." Ein Kompliment, das ihn bis heute in seiner Leidenschaft für alte englische Karrosserien bestätigt. "Heutzutage schauen ja alle Autos gleich aus", sagt er. "Damals konnte man noch erkennen: Was kommt da?". Heutzutage würden Autos mehr nach ökonomischen Aspekten gebaut. Ladevolumen, Spritverbrauch, Sicherheit. Dabei bleibt die Form mitunter auf der Strecke.

Umweltschützern hält er entgegen, dass seine Oldtimer nicht wesentlich mehr Sprit verbrauchen als moderne Autos, der Austin Healey zum Beispiel kommt mit zwölf Litern Benzin aus. Er hat keine Klimaanlage, kein ABS, kein unnötiges Mehrgewicht. Dafür besteht er fast komplett aus recyclefähigem Material (Metall). Und die Ökobilanz fällt alleine durch die Herstellung eines Neuwagens mit den vielen Kunststoffen ohnehin zugunsten des alten Eisens aus.

Zu Zeiten der Abwrackprämie hat dem Oldtimerfreund das Herz geblutet. Reihenweise wurden Youngtimer (ca. 20 bis 30 Jahre alte Autos) und sogar Oldtimer (ab 30 Jahre) zugunsten einer Neuwagen-Anschaffung verschrottet. Viele dieser älteren Autos wären irgendwann ein Oldtimer geworden und es gab nichts, was man dagegen hätte tun können. "Da sind Mini Cooper verschrottet worden, die hätte ich gerne gehabt und das war nicht möglich", sagt Jacob Schmölz. Schade drum.

Clubleben: Die Oldtimerfreunde Pfronten

Jacob Schmölz ist im Club der Oldtimerfreunde Pfronten fest verankert. Er organisiert zusammen mit den mittlerweile über 30 Clubkameraden die Gamsbart-Rallye (10. bis 12. Juli). Hier handelt es sich allerdings nicht um eine Rallye im herkömmlichen Sinne. Die Gamsbart-Rallye ist eine Zusammenkunft von Oldtimerfreunden aus fünf Ländern Europas und rund 250 Fahrzeugen. Anders als bei anderen größeren Oldtimer-Veranstaltungen gibt es hier weder Eintrittsgeld für die Besucher noch Startgeld für die Teilnehmer. Die Fahrer spenden freiwillig Geld, das dann jedes Jahr einem guten Zweck zugeführt wird. Letztes Jahr beispielsweise bekam die Gemeinde einen Defibrilator, finanziert von den Spenden. Heuer feiern die Oldtimerfreunde gleich noch ein Jubiläum: Am Sonntag, 12. Juli ab 09:00 Uhr, veranstalten die Oldtimerfreunde im Rahmen der Gamsbart-Rallye das 25. Internationale Oldtimertreffen in Pfronten auf dem Leonhardsplatz.

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