Serie Gipfelgeschichte(n)
«Zwoa Brettl, a gführiger Schnee»: ein Füssener Lied

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«Zwoa Brettl, a gführiger Schnee, juche, des is halt mei höchste Idee»: So lautet der Refrain des Liedes «Der Winter, der is mir net zwider», das lange Zeit auf keinem zünftigen Hüttenabend fehlen durfte. Das Lied entstand 1906 und der Text stammt von Skipionier Otto Sirl, der damals als «Notariatskonzipient» in Füssen tätig war. Sirl war auch Gründungsvorsitzender des Skiclubs Füssen: Auf seine Einladung trafen sich am 14. Januar 1914 exakt 14 «Anhänger der weißen Kunst» im Füssener «Gasthof zum Löwen» und hoben den Skiclub aus der Taufe.

Eifriger Alpinist

Doch Sirl war nicht nur begeisterter Skifahrer, sondern auch ein eifriger Alpinist, der nahezu seine gesamte Freizeit den Bergen widmete. So gehörte er zum Ausschuss der Alpenvereinssektion Füssen und im Bericht unserer Zeitung vom 28. Januar 1910 über die Jahresversammlung der Sektion heißt es:

«Die Tourenberichte geben beredtes Zeugnis davon, dass sich unter den Füssener Sektionsmitgliedern viele begeisterte Verehrer unserer schönen Bergwelt befinden. Den Rekord erzielte gleich dem Vorjahr Herr Notariatskonzipient Sirl mit über 60 Gipfeln.» Auch bei der Gründung des ersten Wintersportsvereins im Januar 1907 gehörte er zu den Männern «der ersten Stunde».

Erich Sepp, Leiter der Volksmusikabteilung des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege, ging der Frage nach, wie das bekannte Skifahrerlied entstanden ist. Den Text trug Sirl schon eine Weile mit sich herum, nur der Refrain fehlte. Das Stichwort habe ein Redner auf einer Festveranstaltung zum 85. Geburtstag des Prinzregenten Luitpold am 13. März geliefert. «Viele Reden gab es zu hören und des war furchtbar langweilig. Da hab ich mich in ein Eckerl verdruckt und wieder mal gedichtet», erinnerte sich der Dichter. Der Refrain sei ihm eingefallen, als der Redner die Idee der Monarchie mit den Worten «Prinzregent Luitpold, unsere höchste Idee», verherrlichte: «Da kam mir meine höchste Idee.»

Die Melodie hatte er dem sogenannten Gamsjägerlied entliehen. Sein neues Lied widmete Sirl dem Club Alpiner Skiläufer, dem ältesten Skiverein in München, zu dessen Gründungsmitgliedern er gehörte. Aus dem Stück wollte er aber kein Kapital schlagen. Als der Benjamin Musikverlag anfragte, um die Urheberrechte gegen eine Pauschalabfindung von 100 Reichsmark zu erwerben, lautete seine Antwort kurz und bündig: «A Rindvieh, a gführiger Schnee wär Benjamins höchste Idee. Damit erübrigt sich die Beantwortung Ihrer sonstigen Fragen». Verdient haben an dem Erfolgslied andere, wie Erich Sepp berichtete. Noch weitere bekannte Liedertexte stammen von Sirl.

So schrieb er bereits 1900 das Bergsteigerlied «Wir Kameraden der Berge», lange Zeit Themamelodie der Sendung des Bayerischen Rundfunks «Für Bergsteiger und Wanderer».

Sirl hatte nicht lange Gelegenheit, mit seiner großen alpinen Erfahrung und seinem Organisationstalent den Skiclub Füssen zu führen. Zwar wurden schon im ersten Clubwinter 1894 Skitouren unternommen, die über 1500 Meter hinausgingen. Doch bald brach der Erste Weltkrieg aus und das Vereinsleben lag am Boden.

Das Kriegsende erlebte Sirl nicht mehr in Füssen: Er hatte 1916 ein Notariat in Zusmarshausen übernommen. Bei seiner Beerdigung am 12.

Januar 1960 in München erklang auf der Orgel der Aussegnungshalle im Ostfriedhof das Skifahrerlied «Zwoa Brettl, a gführiger Schnee, juche, des is halt mei höchste Idee».

 

 

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