"Zweischläfriger Galgen"
Archäologen entdecken frühneuzeitliche Hinrichtungsstätte am Bodensee

In Allenbsbach im Landkreis Konstanz haben Archäologen bei Voruntersuchungen des Ausbaus der Bundesstraße 33 eine frühneuzeitliche Hinrichtungsstätte entdeckt.
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  • In Allenbsbach im Landkreis Konstanz haben Archäologen bei Voruntersuchungen des Ausbaus der Bundesstraße 33 eine frühneuzeitliche Hinrichtungsstätte entdeckt.
  • Foto: Landratsamt Konstanz
  • hochgeladen von Julian Hartmann

In Allenbsbach im Landkreis Konstanz haben Archäologen bei Voruntersuchungen des Ausbaus der Bundesstraße 33 eine frühneuzeitliche Hinrichtungsstätte entdeckt. Nach Angaben des Landesamtes für Denkmalpflege wurden dort zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert Hinrichtungen durchgeführt. Bis jetzt wurden in Baden-Württemberg nur wenige Hinrichtungsstätten mit modernen Methoden untersucht. Daher komme den Ausgrabungen eine hohe wissenschaftliche und überregionale Bedeutung zu, so das Landesamt.

Demnach fand das siebenköpfige Grabungsteam direkt unter der Wiese zwei gemauerte Fundamente, menschliche Skelettreste von mindestens sechs Personen sowie verbrannte menschliche Knochen. "Die zwei Fundamente stammen von den gemauerten Pfeilern eines sogenannten zweischläfrigen Galgens, der mindestens 3,5 Meter hoch war“, berichtet Kreisarchäologe und Ausgrabungsleiter Dr. Jürgen Hald. Ein "zweischläfriger" Galgen besteht aus zwei Pfosten, auf denen ein Querbalken liegt. Er vermutet, dass es sich bei den gefundenen Skeletten mit hoher Wahrscheinlichkeit um die Überreste von Menschen handelt, "die auf der Insel Reichenau abgeurteilt und an der herrschaftlichen Richtstätte in Allensbach hingerichtet wurden." 

Darauf deuten unter anderem vollständig auf dem Bauch liegende Skelette hin. Denn diese wurden "ohne Sorgfalt" und kurz nach dem Tod des Delinquenten verscharrt. Die hinter dem Rücken gekreuzten Hände zeigen, dass die Personen vermutlich gefesselt waren, so das Landesamt. Einzelknochen und Teilskelette ließen dagegen vermuten, dass einige Körper längere Zeit am Galgen hingen und herabfallende Teile nach und nach in den flachen Gruben rund um den Galgen verscharrt wurden. Verbrannte Knochen könnten auch auf Verbrennungen auf dem Scheiterhaufen hindeuten.

Sicher ist, dass es sich bei den Toten nach ersten Untersuchungen um erwachsene Männer handelt. Über die jeweilige Todesursache könne aber nur spekuliert werden, meint der Anthropologe Dr. Michael Francken vom Landesamt für Denkmalpflege. "Fehlende Spuren von Gewalteinwirkung lassen allerdings vermuten, dass Strangulation wie Erwürgen, Erdrosseln oder Hängen beim überwiegenden Teil der Hingerichteten die Todesursache war."

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