Special Fußball SPECIAL

Stürmische Zeiten
Nach Flicks Abschiedswunsch: Unruhe beim FC Bayern

Stürmische Zeiten beim FC Bayern. (Symbolbild)
  • Stürmische Zeiten beim FC Bayern. (Symbolbild)
  • Foto: Erich Westendarp auf Pixabay
  • hochgeladen von Fabian Mayr

Dass Hansi Flick den FC Bayern nach der Saison verlassen möchte, ist bekannt. Direkt nach dem Spiel am Samstag machte er unmissverständlich klar, dass er in der Saison 2021/22 nicht mehr Trainer in München sein will. Auch am Montag auf der Pressekonferenz wiederholte er diese Aussage. Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen, dass ein Trainer in einer so erfolgreichen Phase freiwillig gehen will?

Die Vorgeschichte von Flick beim FC Bayern

Der Aufstieg von Hansi Flick beim FC Bayern war fast schon kometenhaft. Als Interimslösung übernahm er 2019 das Traineramt vom entlassenen Niko Kovac und überzeugte sofort. In der Saison 2019/20 räumte er mit den zu Saisonbeginn strauchelnden Bayern alles ab, was es zu gewinnen gab. Sechs Titel, darunter die begehrte Champion League, konnte Flick mit seinem Team gewinnen.

Hansi Flick kommt an bei den Fans

Nicht nur durch seinen Erfolg wurde er zum absoluten Fan-Liebling. Seine direkte und ehrliche Art kam an bei den Fans. Nach außen also alles gut. Doch intern brodelte es gewaltig beim deutschen Meister. Hansi Flick soll mehrfach Mitspracherecht bei Spielertransfers gefordert haben. Auch seine Wunschsspieler hatte er wohl nicht bekommen. Also musste Flick mit einem Kader in die Saison 2020/21 gehen, mit dem er nicht zufrieden gewesen sein soll. Immer wieder musste sich Flick mühsam, teilweise auch über die Medien, Gehör verschaffen. Dadurch kam es zum öffentlichen Streit mit Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Es kam zum Machtkampf. Doch der Verein blieb stur und ging auf Flicks Wünsche wohl nicht ein. Also sah Flick keine Alternative als um die Auflösung seines Vertrages zu bitten.

Die Positionen von Flick, Fans und Verein

Hansi Flick
Hansi Flick konnte eigentlich nichts falsch machen. Er ist bei einem der größten Vereine der Welt als Cheftrainer angestellt und trainiert eine der aktuell besten Mannschaften der Welt. Die Fans stehen, trotz Rückschlägen im Pokal und Champions League in dieser Saison, weiter voll hinter ihm. Er hätte die Möglichkeit, eine Ära mit dem FCB zu prägen. Gleichzeitig hat er aber wohl das Angebot, der Nachfolger von Joachim Löw als Bundestrainer zu werden. Ein Job, der wohl keinen Trainer kalt lässt. Hansi Flick hat bereits gute Erfahrungen mit dem DFB gemacht. Er wurde als Co-Trainer 2014 Weltmeister und hat ein sehr gutes Verhältnis zu Teammanager Oliver Bierhoff. Ob es nun an den Konflikten mit Salihamidzic und den unerfüllten Transferwünschen oder der Verlockung, Bundestrainer zu werden, liegt, kann man nicht sagen. Hansi Flick wird auf jeden Fall als einer der Gewinner aus der Affäre gehen.

Die Fans
Der FC Bayern München hat am Dienstagabend Bayer Leverkusen mit 2-0 besiegt. Eine Vorentscheidung im Meisterrennen. Die Münchner führen die Tabelle nun mit zehn Punkten Vorsprung vor Leipzig an und können nun schon fast die 9. Meisterschaft in Folge einplanen. Darüber dürften sich aber die wenigsten Fans des Rekordmeisters gefreut haben. Zu hart hat sie das Interview von Hansi Flick nach dem Spiel gegen Wolfsburg am Samstag getroffen. Die Fans haben den Schuldigen längst ausgemacht: Hasan Salihamidzic. Für sie ist er der Hauptgrund, warum Hansi Flick sich im Verein nicht mehr Wohl fühlt.

Eine Online Petition mit dem Namen "pro Hansi Flick, Brazzo raus" hat bereits rund 60.000 Unterschriften, Tendenz steigend. Auch in den Sozialen Medien lassen die Anhänger des FCB kein gutes Haar am Sportdirektor. Die sofortige Entlassung "Brazzos" wird gefordert, um Flick möglicherweise doch noch zum Bleiben umzustimmen. Das scheint aber so gut wie unmöglich. Flick gilt als Person, die zu seinem Wort steht und klare, überlegte Entscheidungen fällt. Das Tischtuch zwischen Salihamidzic und den Bayern-Fans scheint jedoch endgültig zerschnitten. 

Der FC Bayern 
Der Verein hat in den letzten Tagen nach außen nicht unbedingt das beste Bild abgegeben. Ein Trainer, der ohne Absprache mit dem Verein seinen Abschiedswunsch äußert. Daraufhin Kritik am beliebten Erfolgstrainer Flick und seiner Vorgehensweise. Festhalten am - bei den Fans unbeliebten - Sportdirektor Salihamidzic. Zusammengefasst: Es rumort beim FC Bayern wie lange nicht mehr. 

Bayern geben Statement ab

Ein Hinweis darauf, dass die Bayern intern Probleme mit der Kommunikation haben, zeigt nicht zuletzt das veröffentlichte Statement:

Am gestrigen Samstag informierte Hansi Flick, der Cheftrainer des FC Bayern, die Öffentlichkeit über seinen Wunsch, seinen bis Juni 2023 laufenden Vertrag vorzeitig zum Ende der aktuellen Saison aufzulösen. Über diesen Wunsch hatte Hansi Flick den Vorstand der FC Bayern München AG im Verlauf der vergangenen Woche unterrichtet. Hansi Flick und der FC Bayern hatten daraufhin vereinbart, den Fokus auf die Spiele gegen den VfL Wolfsburg, Bayer 04 Leverkusen (20.04.) und den 1. FSV Mainz 05 (24.04.) zu legen, um die volle Konzentration des gesamten Vereins auf diese drei wichtigen Spiele nicht zu stören.

Der FC Bayern missbilligt die nun erfolgte einseitige Kommunikation durch Hansi Flick und wird die Gespräche wie vereinbart nach dem Spiel in Mainz fortsetzen.

Der Vorstand der FC Bayern München AG

Auch der Co-Trainer Miroslav Klose bemängelt die interne Kommunikation: "Was mich wirklich nachdenklich macht, ist wie hier gerade miteinander kommuniziert wird", so Klose. 

Es scheint also nicht ausgeschlossen, dass in der nächsten Saison die Positionen des Cheftrainers, des Co-Trainers und des Sportdirektors neu besetzt werden müssen. Für den sonst so stabilen FC Bayern ein großer Umbruch. 

Neuer Trainer gesucht

Die Trainersuche beim FC Bayern könnte sich jetzt als schwierig gestalten. Einen Trainer vom Format Hansi Flick sucht man auf dem Markt aktuell vergebens. Spekulationen gibt es viele, fast jeder Top-Trainer wird aktuell trotz Vertrag mit dem FCB in Verbindung gebracht. Die aktuell wahrscheinlichsten Kandidaten sollen Julian Nagelsmann (RB Leipzig), Eric ten Haag (Ajax Amsterdam), Massimiliano Allegri (vereinslos) und Oliver Glasner (Vfl Wolfsburg) sein.

Die Königslösung für die Bayern wäre wohl Julian Nagelsmann (33). Der junge Trainer von RB Leipzig hat allerdings noch einen Vertrag bis 2023 und wäre dementsprechend teuer. Nagelsmann hat zwar nicht klar dementiert, dass er Interesse am Trainerjob bei den Bayern hätte, verwies aber immer wieder auf seinen langfristigen Vertrag bei Leipzig. Das Thema Trainersuche wird den FC Bayern also noch eine ganze Weile beschäftigen. Und so lange wird wohl auch keine Ruhe beim Rekordmeister einkehren.

1 Kommentar

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen