Wochenende
Zeit für den Viehscheid

Saftig grüne Wiesen in luftiger Höhe, frische Bergluft und ein Panorama über das gesamte Ostallgäuer Voralpenland: Wanderer kommen in ihrer Freizeit hierher, um die Natur zu genießen und die Seele baumeln zu lassen. Für den Alphirten Manfred Trenkle ist die Hochalpe auf dem Breitenberg bei Pfronten sein Arbeitsplatz.

In dieser Idylle hütet er den ganzen Sommer über das Jungvieh (Schumpen) auf der Alp. Landwirte der umliegenden Bauernhöfe vertrauen ihm ihr Vieh an. Von Anfang Juni bis zum Viehscheid am 10. September kümmert sich der 44-Jährige um die Tiere, die in seiner Obhut stehen. Auf dem Breitenberg, dem zweitgrößten Alpgebiet im Allgäu, dürfen die Schumpen frei herumlaufen und grasen so viel sie wollen. Kein Wunder also, dass das Vieh hier viel gesünder ist, als wenn es nur im Stall stehen würde.

Auf 1800 Meter kann das Wetter schnell umschlagen – auch im Sommer. Der idyllische Alpsommer kann so zu einer echten Gefahr für die Tiere werden. Manfred Trenkle übt deshalb seinen Beruf bei Wind und Regen draußen aus. Einer seiner Schützlinge ist heuer bei Regen in steiles Gelände gekommen. Da hat man dann Bremsspuren gesehen, wie bei Skiern, wie sie heruntergerutscht ist. Unten hat es ihr den Huf weggerissen. Ein anderes Problem sind die vielen Murmeltierhöhlen, in die das Vieh beim Grasen hineintreten und umknicken kann.

Das Wetter war diesen Sommer auch auf dem Berg sehr wechselhaft und regnerisch. Das hat den Kühen laut Trenkle aber nicht geschadet: Wenn es lange nass ist und bloß regnet, dann bewegen sich die Kühe mehr und halten sich damit quasi warm. Und unter den Tannen, die man hier so sieht, stellen sie sich unter.

Das Jungvieh über den Sommer auf der Alpe zu halten, hat eine Jahrhunderte lange Tradition. Klar, dass sich über diesen Zeitraum ganz eigene Gepflogenheiten entwickeln. Der Geburt eines Kalbs auf der Alp wird beispielsweise besondere Aufmerksamkeit beigemessen. Manfred Trenkle ist dies heuer passiert.

Stolz zeigt er die Bilder von dem neugeborenen Rind, das er mit der Gondel hinunter ins Tal transportiert hat. Es ist eigentlich Brauch, dass das Jungtier im Besitz des Alphirten bleibt, obwohl die Mutterkuh einem Bauern im Tal gehört. Der Landwirt hat die Mutterkuh und das Kälbchen an der Breitenbergstation in Empfang genommen und mir gesagt, dass er das Kleine nur in seine Obhut nimmt. Inoffiziell gehört es also mir, lächelt Trenkle.

Für Manfred Trenkle ist es der siebte Bergsommer in Folge. Die Entscheidung Alphirte zu werden hat er aus einer Not heraus getroffen. Der Pfrontener musste 2003 seinen Beruf als konventioneller Landwirt wegen einer typischen Berufskrankheit aufgeben. Diesen Schritt bereut er jedoch keineswegs. Während der Sommerferien hilft ihm sein 14-jähriger Sohn bei der Arbeit.

Bei der netten Gesellschaft und der unberührten Natur, die sein Arbeitsplatz bietet, hält es Manfred Trenkle auf dem Berg gut aus. Es ist für den Hirten eine gewisse Wehmut dabei, wenn dann der Viehscheid kommt. Weil du gehst vom Berg und die schöne Zeit, eigentlich deine Freiheit, die du hier oben hast, ist vorbei. Wenn wir das Vieh dann vom Berg ins Tal treiben, schau ich immer noch einmal zurück und denke mir, ist schon eine schöne Zeit gewesen. Aber es kommt wieder ein Alpsommer.

Nächsten Samstag ist für Manfred Trenkle wieder Zeit Abschied von der Idylle zu nehmen. Denn am 10. September findet der Viehscheid in Pfronten statt. Wenn Sie also einen Mann mit einem wehmütigen Lächeln im Tal unten stehen sehen, ist es der Alphirte, der an die schöne Zeit auf dem Berg zurückdenkt.

Mehr Informationen zur Viehscheidsaison im Allgäu mit allen Terminen und Veranstaltungen und ein Video vom Bad Hindelanger Viehscheid 2010 sehen Sie hier.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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