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Zu wenig, zu teuer und ohne Esprit
IHK-Präsident warnt vor "schleichender Deindustrialisierung" Bayerisch-Schwabens

Während im Lockdown hauptsächlich das Reise- und Gastgewerbe sowie der stationäre Einzelhandel schlechte Geschäfte machten, sind es nun der Bau und die Industrie, die an wirtschaftlichem Tempo verlieren.
  • Während im Lockdown hauptsächlich das Reise- und Gastgewerbe sowie der stationäre Einzelhandel schlechte Geschäfte machten, sind es nun der Bau und die Industrie, die an wirtschaftlichem Tempo verlieren.
  • Foto: jarmoluk von Pixabay
  • hochgeladen von Svenja Moller

Die bayerisch-schwäbische Wirtschaft ist auf Erholungskurs. Doch während im Lockdown hauptsächlich das Reise- und Gastgewerbe sowie der stationäre Einzelhandel schlechte Geschäfte machten, sind es nun der Bau und die Industrie, die an wirtschaftlichem Tempo verlieren. "Grund sind nicht fehlende Aufträge, sondern der Mangel an Rohstoffen und Vorprodukten sowie die kontinuierlich steigenden Kosten für Strom oder Kraftstoffe", stellt IHK-Präsident Dr. Andreas Kopton fest. Er warnt daher vor einer "schleichenden Deindustrialisierung Bayerisch-Schwabens", wenn nach der Bundestagswahl die Weichen nicht neu und besser gestellt werden.

Hohe Energiepreise entwickeln sich zum Wettbewerbsnachteil

"Die hohen Energiepreise entwickeln sich nach Einschätzung der Unternehmen schon seit Jahren zum Wettbewerbsnachteil für den Wirtschaftsstandort Bayerisch-Schwaben", warnt Kopton mit Blick auf die Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfragen der letzten Jahre. Ursache für diesen Negativtrend: die aus Sicht vieler Unternehmen schlecht gemanagte Energiewende. Hinzu kommt, dass der regionale Wirtschaftsstandort mit einem Beschäftigtenanteil von fast 40 Prozent in der Industrie noch mehr von bezahlbarem und sicherem Strom abhängig ist, als dies für weite Teile Deutschlands gilt. Kopton: "Mal wieder erweist sich die Corona-Krise als Brandbeschleuniger längst bekannter Versäumnisse. Doch weiter wegschauen, können wir uns nicht mehr leisten."

An diesen Stellschrauben muss die Bundesregierung drehen

Aus Sicht der regionalen Wirtschaft gibt es drei wesentliche Stellschrauben, an denen die neue Bundesregierung ab Herbst drehen muss:

  • Ab dem kommenden Jahr wird Bayerisch-Schwaben vom Stromexporteur zum Stromimporteur. Die durch den Wegfall des AKW Gundremmingen drohende Erzeugungslücke muss unter anderem durch den Ausbau der Stromnetze geschlossen werden. Die hohe und unverzichtbare Versorgungsqualität mit beispielsweise geringen Spannungsschwankungen lässt sich zudem durch eine weitere Digitalisierung der Stromproduktion erreichen.
  • Bayerisch-Schwaben ist schon jetzt durch die flächendeckende Nutzung von Photovoltaikanlagen, Wasserkraftwerken oder Biomasse- und Windkraftanlagen im Bereich der erneuerbaren Energien gut aufgestellt. Diese Stärke gilt es weiter auszubauen und durch marktbasierte Geschäftsmodelle zu ergänzen. Dafür nötig ist der Abbau bürokratischer Hürden beispielweise bei der Planung- und Genehmigung neuer Anlagen sowie bei der Förderung der Eigenstromversorgung der Unternehmen.
  • Die Strompreise der regionalen Unternehmen müssen dauerhaft und im internationalen Vergleich wettbewerbsfähig sein, was sich beispielsweise über eine mittelfristige Abschaffung der EEG-Umlage oder die Absenkung der Stromsteuer erreichen lässt.

Was sich nach der Bundestagswahl ändern muss

Kopton abschließend: "Der bayerisch-schwäbischen Wirtschaft ist es immer gelungen, sich auf strukturelle Veränderungen einzustellen, indem sie auch die Chancen gesehen und ergriffen hat. Dafür unverzichtbar ist allerdings die Möglichkeit, sich mit eigenen Innovationen neu aufzustellen. Fehlt von Seiten des Staates die Planungssicherheit oder die Offenheit bei neuen Technologien, dann können Unternehmen wenig gestalten. Das muss sich nach der Bundestagswahl schnell ändern."

Kaum noch Minijobs in Kempten - IG Bau schlägt Alarm!

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