Special Wirtschaft im Allgäu SPECIAL

Sollte sich Corona-Lage nicht bessern
IG Metall: "Im nächsten Jahr Warnstreiks und Entlassungen"

Die Metall- und Elektroindustrie ist von der Corona-Krise betroffen. (Symbolbild)
  • Die Metall- und Elektroindustrie ist von der Corona-Krise betroffen. (Symbolbild)
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  • hochgeladen von Svenja Moller

Die Corona-Pademie wirkt sich auf nahezu alle Branchen aus. Auch die Metall- und Elektroindustrie ist davon betroffen, sagt Dietmar Jansen, Geschäftsführer der IG Metall Allgäu gegenüber all-in.de. Das Handwerk sei aber weitestgehend verschont geblieben. Dort seien die Aufträge nicht merklich zurückgegangen. Probleme gebe es hauptsächlich, wenn sich Mitarbeiter infiziert haben oder unter Quarantäne stehen.

In Metall- und Elektroindustrie kommen zwei Faktoren zusammen

Die Metall- und Elektroindustrie sei wesentlich mehr betroffen. "Hier kommen momentan gleich zwei Faktoren zusammen", erklärt Jansen. Abgesehen von Corona findet in der Branche schon seit Längerem ein Wandel von Verbrennungsmotoren zur Elektromobilität statt, mit dem viele Betriebe zu kämpfen haben. Dazu kommt im Moment noch die Pandemie. Laut Jansen ist es deshalb nicht genau nachvollziehbar, welcher dieser Gründen für den Auftragsrückgang sorgt. Besonders im Maschinenbau ist die Situation schwierig. In letzter Zeit hat sich die Auftragslage hier um 40 bis 60 Prozent verschlechtert.

Positiv ist aber, dass dem Geschäftsführer der IG Metall Allgäu keine Insolvenzen im Allgäu bekannt sind, die auf Corona zurückzuführen sind. "Die Betriebe waren finanziell gut aufgestellt", meint Jansen. Er befürchtet aber auch, dass viele an ihre Substanz kommen, wenn sich die Situation nicht bald verbessert. "Im Maschinenbau werden wir im kommenden Jahr weit größere Probleme bekommen", vermutet er und rechnet spätestens im zweiten Quartal 2021 mit Entlassungen.

IG Metall Allgäu mit Verhalten der Arbeitgeber größtenteils zufrieden

Bisher haben laut Jansen nur zwei bis drei Betriebe Mitarbeiter entlassen. Trotzdem haben viele Unternehmen befristete Verträge auslaufen lassen und Leiharbeiter nicht mehr weiter beschäftigt. Für Jansen ist es auch nicht überraschend, dass die Betriebe unter dem Vorwand von Corona selektiert und "Beschäftigte, die einem unlieb sind", aussortiert hätten. Bisher sei das Stammpersonal aber noch nicht betroffen gewesen. Kurzarbeit habe es aber, abgesehen von einem Betrieb, überall gegeben.

Laut Jansen haben sich die Arbeitgeber - bis auf wenige Ausnahmen - während der Corona-Zeit aber sehr vorbildlich verhalten. Vor allem in größeren Betrieben sei der Abstand eingehalten sowie Schichtarbeit und Homeoffice verstärkt oder überhaupt erst eingeführt worden. "Ganz wenige Beschäftigte haben sich während der Arbeit infiziert", sagt Jansen. Viele große Betriebe würden regelmäßige Tests durchführen, die sie auch selber bezahlen.

Einen steuerfreien Corona-Bonus hätte nur ein Unternehmen ausbezahlt. Dabei handelt es sich um eine Prämie, die Arbeitgeber während der Corona-Krise steuerfrei an Mitarbeiter auszahlen können. Bei dem von Jansen angesprochenen Unternehmen hätten diese Sonderzahlung aber nur bestimmte Mitarbeiter bekommen. Auffällig ist laut Jansen auch, dass Mitarbeiter aus dem Betriebsrat nicht berücksichtigt wurden.

Neue Forderungen der IG Metall

Die IG Metall-Mitglieder haben in den vergangenen Wochen über mögliche Forderungen an die Arbeitgeber diskutiert. Auch die Beschäftigten wurden befragt. Am 17. November beschließen die gewählten regionalen Tarifkommissionen ihre Forderungen für die Tarifverhandlungen. Der Vorstand hat folgende Forderungsempfehlungen gegeben:

  • Verbesserung der Tarifregelungen zur Beschäftigungssicherung durch Modelle der Arbeitszeitabsenkung mit Teilentgeltausgleich
  • tariflicher Rahmen für betriebliche Zukunftstarifverträge (Darin sollen konkrete Investitionen in den Standort festgeschrieben werden)
  • Volumen von bis zu 4 Prozent zur Stärkung der Entgelte und Ausbildungsvergütungen bei einer Laufzeit von 12 Monaten (Dieses Volumen steht auch für Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung zur Verfügung, etwa einen Teilentgeltausgleich bei Arbeitszeitabsenkungen)

"Die Äußerungen der Arbeitgeber zeigen, dass sie wahrscheinlich nicht bereit sind, auf diese Forderungen einzugehen", mutmaßt Jansen. Aktionen wie Warnstreiks werde es deshalb auch im Allgäu ab dem 1. März "zu 90 Prozent" geben.

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