Stadtarchiv
Das Gedächtnis der Stadt Kaufbeuren

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Alte Dokumente, Urkunden, Bücher, zahlreiche Kisten und unzählige Regale mit historischem Inhalt – Geschichte wird im Stadtarchiv der Stadt Kaufbeuren wieder lebendig. Hier wird das gelagert, was für die Ewigkeit erhalten bleiben soll.

Ich bin bei meinem Besuch im Stadtarchiv schon ganz gespannt, was mich erwarten wird. Der Leiter des Stadtarchivs, Dr. Stefan Fischer, und die Mitarbeiterin Verena Bickel begrüßen mich herzlich. Bis auf einen Gast, der privat im Stadtarchiv etwas recherchiert, sind wir alleine. Ich bin überrascht, dass keine weiteren Mitarbeiter anwesend sind, die Akten sortieren und alte Dokumente begutachten.

Unser Team besteht nur aus drei Mitarbeitern, mir, Frau Bickel und einer weiteren Teilzeitkraft, so Dr. Fischer. Dabei könnte das Stadtarchiv deutlich mehr Personal gebrauchen, doch die Mittel sind begrenzt. Insgesamt kann sich das Kaufbeurer Stadtarchiv aber durchaus sehen lassen. Nicht jede Stadt oder Gemeinde legt so viel Wert auf ein Archiv, so der Leiter.

Das Kaufbeurer Stadtarchiv wurde erstmals 1410 erwähnt, allerdings gibt es darüber keine näheren Angaben. Das Stadtarchiv wie es heute ist, auch an diesem Standort, gibt es seit 1971. Aufbewahrt wird dort alles, was von Belang für die Stadt und deren Dokumentation ist, darunter natürlich alte Urkunden und Dokumente, Protokolle aus Sitzungen, Akten aus dem Rathaus, Personal- und Meldeunterlagen, Heirats- und Sterbeurkunden sowie Nachlässe von Bürgermeistern der Stadt.

Hinzu kommt noch eine Fotosammlung von Kaufbeuren sowie eine wissenschaftliche Bibliothek mit Büchern mit geschichtlichen Infos. Eng verbunden mit dem Stadtarchiv ist die Registratur der Stadtverwaltung, die im Rathaus untergebracht ist. Dort wird das Schriftgut der laufenden Verwaltung aufbewahrt und verwaltet. Nach Ablauf der Aufbewahrungsfristen bietet dann die Registratur dem Stadtarchiv das Schriftgut und die Akten an. Der Leiter des Stadtarchivs entscheidet dann, ob sie dort für die Ewigkeit aufbewahrt oder vernichtet werden.

Das Stadtarchiv kommt dabei auf verschiedenen Wegen zu dem historischen Material. Zum einen natürlich über die Stadt und die Behörden, aber auch Privatpersonen oder Firmen übergeben oft Material an das Stadtarchiv. Was wichtig ist und eingelagert wird, entscheidet auch hier der Leiter. Unter anderem findet sich so zum Beispiel das Firmenarchiv des Unternehmens Momm im Kaufbeurer Stadtarchiv sowie private Sammlungen von bekannten Kaufbeurer Bürgern.

Geschweige denn die Technik, mit der diese Datenträger gelesen werden können – diese entwickelt sich heutzutage so schnell weiter, dass gar nicht gewährleistet ist, dass es in 100 oder 200 Jahren noch Geräte gibt, die die heutigen digitalen Datenträger noch lesen können. Allerdings haben auch die heutigen Schriftstücke eine sehr begrenzte Haltbarkeit – die Schrift verblasst, das Papier vergilbt und schnell kann das Geschriebene nicht mehr gelesen werden. Alte Dokumente, Pergament oder Hadern-Papier in Kombination mit Eisengallustinte oder Notariatstinte sind dagegen fast unverwüstlich. Pergament mit Eisengallustinte beschrieben hält sich locker 1 500 Jahre. Insgesamt gilt, umso mehr Säure das Papier enthält, umso weniger ist es haltbar.

Insgesamt aber wird das Thema Digitalisierung und die Aufbewahrung aktueller Dokumente für die Ewigkeit das Archivwesen die nächsten Jahre noch intensiv beschäftigen, da sind sich alle Beteiligten sicher.

Zurück zum Thema: Platzangebot im Stadtarchiv Kaufbeuren. Erst vor Kurzem wurde im Keller des Stadtarchivs eine neue Regalanlage installiert – diese dürfte Platz für die nächsten 20 Jahre bieten. Ich darf mir diese und auch die vorhandenen Regalsysteme im Keller ansehen. Beeindruckend, welche Stahlkolosse auf Schienen dort zur Aufbewahrung dienen. Regal an Regal, darin Karton an Karton, reihen sich in den beiden Keller-Stockwerken aneinander.

Dann stoße ich dort auch auf das Zeitungsarchiv. Dicke, große Bücher, eines nach dem anderen, reihen sich in den Regalen. Ich nehme das erste heraus, eine Ausgabe des Kaufbeurer Intelligenzblattes von 1805 – eine der ersten Zeitungen, die es in Kaufbeuren gab und deren Geschichte dokumentiert ist. Einige Bände weiter finde ich dann auch die erste Ausgabe des Kaufbeurer Tagblattes von 1879. Insgesamt gibt es keine durchgängig dokumentierte Zeitungsgeschichte in Kaufbeuren. Im 18. Jahrhundert gab es das Gemeinnützige Wochenblatt, ab 1805 dann das Intelligenzblatt der Stadt Kaufbeuren. Dies wurde dann zum Kaufbeurer Wochenblatt, das es bis 1860 gab und dann zum Kaufbeurer Anzeigeblatt, welches bis 1919 existierte.

1879 kam dann zum ersten Mal das Kaufbeurer Tagblatt heraus. So erschienen bis 1905 zwei Hauptzeitungen in der Stadt Kaufbeuren. Das Kaufbeurer Anzeigeblatt fusionierte dann mit dem Nachfolger des Kaufbeurer Tagblatts und so gab es ab 1906 eine Hauptzeitung, die Kaufbeurer Volkszeitung. 1933 war dann die Kaufbeurer Nationalzeitung das meist gelesene Blatt und im Oktober 1945 erschien dann die erste Ausgabe der Allgäuer Zeitung in Kaufbeuren. Auch bis heute noch trägt die Allgäuer Zeitung für das Gebiet Kaufbeuren und Umland den zusätzlichen Titel Kaufbeurer Tagblatt und Neugablonzer Nachrichten – ein Name mit langer Tradition und Geschichte.

Nach diesem interessanten Einblick in die Geschichte geht es wieder nach oben in den zweiten Stock. Ich bin beeindruckt und überfordert zu gleich, von diesen großen Mengen an alten Dokumenten, Urkunden und Schätzen der Geschichte. Es ist erstaunlich, wie allein drei Mitarbeiter es schaffen, dieses Archiv intakt zu halten, aufzurüsten, Auskünfte zu geben und vor allem immer genau zu wissen, wo sie was finden. Zahlreiche Aufgaben gehören zum Alltag im Stadtarchiv – daher freue ich mich ganz besonders, dass sich Verena Bickel und Dr. Stefan Fischer so viel Zeit genommen haben, um mir einen Einblick in das Archiv der Stadt Kaufbeuren zu gewähren, der nicht nur informativ, sondern auch spannend und beeindruckend war.

Das Stadtarchiv ist übrigens für jeden zugänglich – ob für Schüler oder Studenten, die für Arbeiten etwas recherchieren möchten oder aber auch Privatpersonen, die auf der Suche nach der Familienhistorie sind. Jeder kann zu den Öffnungszeiten vorbei kommen oder sich vorher anmelden und sich auf die Suche in der Geschichte machen. Einige Informationen und Richtlinien dazu finden Sie auch im Internet unter www.kaufbeuren.de/Stadtleben/Bildung-Erziehung/Stadtarchiv.

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