Neue Dimensionen der Aggressivität
Beleidigt und bedroht: Zinnecker und Bosse erstatten Anzeige

Maria Rita Zinnecker und Stefan Bosse werden immer wieder beschimpft.
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Immer wieder werden Politikerinnen und Politiker angefeindet. Das ist nichts Neues. Doch während der Corona-Pandemie haben Beleidigungen und Bedrohungen neue Dimensionen angenommen. Auch die Ostallgäuer Landrätin Maria Rita Zinnecker (CSU) und Kaufbeurens Oberbürgermeister Stefan Bosse (CSU) wurden bereits Opfer von Beleidigungen. "Es hat jetzt zugenommen", bestätigt Bosse im Gespräch mit all-in.de. Zinnecker stimmt dem zu: "Es ist in den letzten anderthalb Jahren verstärkt worden."

Beleidigungen hauptsächlich über Soziale Medien

Anfeindungen und Beleidigungen erreichen die Politikerinnen und Politiker größtenteils über die Sozialen Medien - "zu 80/90 Prozent", schätzt Bosse. "Aber ich bekomme auch oft anonyme Post, in der Böses steht", erinnert sich der Oberbürgermeister. Doch auch auf der Straße wurde Bosse schon angefeindet. "Ich war neulich völlig perplex", erzählt der Politiker. Ein Mann habe Bosse gesagt, er solle sich schämen, weil er für Impfungen werbe und die Gesellschaft spalten würde. Solche Fälle seien aber Ausnahmen.

Bosse und Zinnecker erstatten Anzeige

In einem anderen Fall hat Bosse kürzlich Anzeige erstattet. Jemand habe den Bürgermeister anonym beschimpft - "erstmal nichts Ungewöhnliches", wie Bosse anmerkt. Als der Unbekannte aber angab, Bosse und seine Tochter beobachtet zu haben, wollte der Politiker "zumindest wissen, wer das ist". Die Polizei konnte die Person ausfindig machen.

"Ich habe auch jetzt zum ersten Mal jemanden angezeigt", erzählt Zinnecker. Das sei bisher in ihrer beruflichen Laufbahn noch nie vorgekommen. Die Person habe die Politikerin in den vergangenen Jahren schon mehrmals persönlich angegriffen. "Es wird wahrscheinlich nicht viele Konsequenzen haben, aber es ist zumindest ein deutliches Zeichen, dass Politiker sich nicht immer alles gefallen lassen können", erklärt die Politikerin diesen Schritt.

Erklärungsversuche für Anfeindungen

Während viele Entscheidungen von Bundes- und Landespolitikern kontrovers diskutiert werden können, sind gerade den Lokalpolitikern in der Corona-Pandemie größtenteils die Hände gebunden. Ihr Entscheidungsspielraum ist eingeschränkt. Trotzdem können Zinnecker und Bosse nachvollziehen, wieso sie auch bei diesem Thema zur Zielscheibe werden. "Als Oberbürgermeister bist du eine Projektionsfläche", erklärt Bosse. In ihrer Hilflosigkeit, Wut und in ihrer Unfähigkeit mit der Situation umzugehen, würden sich die Menschen dann an ihn wenden. "Man wird als Politiker oft in einen Topf geworfen und die sind dann an allem schuld", versucht Zinnecker eine Erklärung zu finden.

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