Tim Mälzer: Wie ist "Kitchen Impossible" ohne Reisen in ferne Länder?

Tim Mälzer duelliert sich in "Kitchen Impossible" wieder mit Kochkollegen - dieses Mal in Deutschland und Österreich.
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Tim Mälzer (50) lädt erneut seine Kochkollegen zu Duellen am Herd. Ab 14. Februar startet die sechste Staffel "Kitchen Impossible" (sonntags um 20:15 Uhr bei VOX oder via TVNow). Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news erzählt der Profikoch, wie die Corona-Pandemie die neuen Folgen auf besondere Weise prägt und warum er gerne gleichzeitig gegen Tim Raue (46) und Alexander Herrmann (49) angetreten ist. Zudem erzählt Mälzer, wie es ihm als Gastronom in der Corona-Krise geht und wie er auf die virtuelle Kochparty zu seinem 50. Geburtstag zurückblickt.

Die neue "Kitchen Impossible"-Staffel bleibt dieses Mal zu Hause. Was fehlt Ihnen dadurch in der Sendung?

Tim Mälzer: Das Klischee, das so eine Reise in ein anderes Land mitbringt. Wenn man nach Italien fährt, baut man bei den Leuten eine kulinarische Assoziationskette auf. Jeder schmeckt Italien, sobald man es bereist. Das war ein Tick schwieriger, weil man diesen Geschmack von Baden-Württemberg aus erst mal verbal so herzaubern muss. Ansonsten fehlte nichts, wir haben viele tolle Menschen, tolle Gerichte, tolle Originalköche, sehr geile Herausforderer und wunderschöne Geschichten - eben alles nur mit der deutschen Sprache versehen.

Es kommt also nicht nur typisch deutsche Küche auf den Teller?

Mälzer: Wir nennen die Staffel eine Heimatstaffel und Deutschland ist die Heimat für viele andere Einflüsse. Wir bereisen in der Staffel eigentlich alle Töpfe dieser Welt. Man sieht manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht und es ist faszinierend zu sehen, mit welcher Bereitschaft wir uns kulinarisch öffnen, wenn wir im Urlaub sind. Und eigentlich haben wir alles hier direkt vor der Haustür. Das ist glaube ich so eine Quintessenz, die wir alle gerade bemerken, dass man nicht so weit gucken muss, sondern in seinem unmittelbaren Umfeld sieht, welche faszinierende und tolle Gerichte es zu entdecken gibt.

Durch die Reisen war es für die "Kitchen Impossible"-Köche immer besonders anstrengend. Sind Sie jetzt für die Aufgaben fitter an den Herd gekommen?

Mälzer: Nicht unbedingt. Ich war in dem Fall viel mit dem Auto unterwegs, um Kontakte zu vermeiden. So eine Reise nach Heidelberg dauert gerne mal neun Stunden, genauso lange brauche ich mit dem Flieger nach New York. Das ist dann schon anstrengend, man ist auch keine 20 mehr. Bei der Aufgabe selbst war ich wie immer fokussiert und habe durchgezogen. Bei den Kollegen habe ich einfach gespürt, wie sie die Sendung genossen haben. Endlich mal wieder Kochen mit Zweck und Sinn und für einen Gast.

Wie haben Sie die allgemeine Gemütslage Ihrer Kochkollegen erlebt und wie steht es um Ihre eigene?

Mälzer: Durch den ersten und zweiten Lockdown und die Umbaumaßnahmen ist die "Bullerei" bis auf drei Wochen seit einem Jahr geschlossen. Man hat echte Sehnsucht und wünscht sich so sehr, wieder das machen zu dürfen, was man will. Ich habe den Beruf gewählt, weil ich eine Leidenschaft dafür habe. Ich vermisse Menschen, ich vermisse es, selber Gast und Gastgeber zu sein. So geht es uns allen. Aber wir versuchen, die grauen Wolken, die uns die Außenwelt geschenkt hat, zu ignorieren. Man darf der Situation nicht zu viel Raum geben. Die Ruhe hat uns auch Zeit für Kreativität gegeben, die wir stark genutzt haben.

Sie haben unter anderem verschiedene Essensboxen kreiert. Was ist da noch geplant?

Mälzer: Wir hatten das große Glück, dass wir uns mit unseren Boxen beschäftigen konnten, da wird es jetzt auch eine zu "Kitchen Impossible" geben, mit der man die Sendung geruchstechnisch nach Hause holen kann. Wir werden weiterhin fleißig Boxen verschicken, damit wir kreativ sein können und um vielleicht auch einen Teil der Verluste eigenständig auszugleichen, ohne von der finanziellen Willkür der Politik abhängig zu sein. Wir werden daraus nie ein Unternehmen im klassischen Sinne machen können, das die Verluste kompensiert. Aber auf jeden Fall können wir unsere Mitarbeiter weiter beschäftigen und eine Vision für die Zukunft aufrechterhalten. Denn wenn wir mal durch das Tal der Tränen geschritten sind, dann hoffen wir natürlich alle, dass dann auch wieder sehr schöne Zeiten auf uns zukommen.

In dieser Staffel kommt es zum Dreifach-Duell mit Tim Raue und Alexander Herrmann. Ist die Vorstellung nicht viel schlimmer, gegen zwei Kollegen zu verlieren?

Mälzer: Also grundsätzlich weiß ich ja nicht, wie sich das anfühlt, zu verlieren, weil ich eigentlich immer gewinne - zumindest in meiner Erinnerung (lacht). Ich bin da echt ein bisschen gestört. Manchmal treffe ich auf Kollegen, die gegen mich angetreten sind, die mich geschlagen haben und in meiner Erinnerung habe ich gewonnen. Da habe ich eine Wahrnehmung, die schon grenzwertig ist. In diesem Fall war es faszinierend zu sehen, weil wir eine klassische Dreiecksbeziehung waren. Wir waren zugleich Partner und Gegner. Die beiden haben sich zusammengetan, um gegen mich zu performen und andersherum. Ein-Bäumchen-wechsel-dich-Spiel allererster Güte. Diese Kombination aus dem Großmaul Raue, dem Food-Professor Alexander Herrmann und dem Mälzer aus Pinneberg hat richtig Spaß gemacht.

Gibt es weitere Kandidaten, über die Sie sich besonders gefreut haben?

Mälzer: Der erste Kontrahent Lucki Maurer ist für mich eine ganz große Freude. Ich bewerte die Köche nicht anhand des Wertungssystems, sondern wie sehr mich die Person oder das Essen berühren. Und da ist er ganz weit oben in meiner ewigen "Hall of Fame", weil ich sehr bewundere und schätze, was er tut. Das einzige, was eine kleine Narbe auf meiner Seele hinterlassen hat, ist, dass ich ein Gericht von ihm nachkochen musste. Das finde ich eine Unverschämtheit, weil ich so gerne Gast bei ihm bin und ich nie analysiere, was er kocht. Ich genieße einfach nur. Und auf einmal wurde etwas ganz Emotionales in ein Analyseprojekt umgemodelt. Da habe ich ordentlich gezetert. Ansonsten habe ich Sepp Schellhorn, ein Kontrahent aus Österreich, als unfassbar warmherzigen, sehr philosophischen, aber trotzdem ganz tollen Menschen kennengelernt. Eine echte Entdeckung, die auch das Potenzial dazu hat, das daraus echte Freundschaft wird.

Gab es wieder Situationen, wo Sie dachten: Warum mache ich das hier alles?

Mälzer: Klar, jedes Mal, wenn mir die schwarze Box serviert wird. Ich fühle mich immer wie ein Stürmer mit konstanter Ladehemmung. Ich trete jedes Mal einen Wettbewerb oder eine Aufgabe an, die ich nicht bewältigen kann. Es wird die 10 von 10 Punkten nie geben und jedes Mal versage ich und lasse mich vom Fernsehen dabei beobachten, wie ich Dinge falsch mache. Aber es macht eben Spaß, weil die Aufgaben mich bilden, mich lehren und mir meine persönlichen Grenzen aufzeigen. Anfangs überwiegt meist mein Großkotztum, hinten raus die Demut.

An Ihrem 50. Geburtstag haben Sie eine virtuelle Geburtstagssause gestartet. Waren Sie mit dem Tag den Umständen entsprechend zufrieden?

Mälzer: Es war ein brillantes Fest unter den vorhandenen Bedingungen. Ich finde, wir haben es wirklich geschafft, diese Distanz zu überbrücken. Es haben sich viele tolle Menschen und Freunde zugeschaltet und mich mit schönen Dingen überrascht, wie mit selbst komponierten Liedern von Olli Schulz und Thees Uhlmann oder ein Ständchen von Rea Garvey. Und mit so vielen Leute habe ich parallel gekocht - es war zwar halb öffentlich, aber irgendwie hatte es auch ganz tolle intime Momente.

"Planen" ist derzeit ein schwieriges Wort. Aber was wollen Sie 2021 angehen?

Mälzer: Wir freuen uns jetzt erst mal wieder das zu machen, was wir machen wollen, also Gastgeber sein zu dürfen. Dass wir unser Leben wieder mit Leben füllen können. Ich habe schon so viele Geräusche, Gerüche und Videos im Kopf, wie es dann sein könnte. Die meisten von uns betreiben das mit Leidenschaft. Wir sind wie kleine junge Hunde, die von der Leine gelassen werden, um auf der Hundewiese zu spielen. Nur dass die Wiese noch gesperrt ist.

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